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11.12.1974

Wie kommt der Anwender an Bonner Gelder?

Mit Willi Poths, EDV-Experte des VDMA, sprach Dr. Gerhard Maurer

- Warum hat der VDMA soviel Interesse an der Bonner Förderung der Datenverarbeitung? Wieso eigentlich gibt es einen Leiter der Abteilung Informatik des VDMA?

Als Wirtschaftsverband interessiert uns die weite Verbreitung der Datenverarbeitung als ein Mittel zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitgliedsfirmen.

- Sie kennen die Szenerie der Bonner DV-Förderung. Die Anwender kennen sie nicht und übersehen vielfach, daß auch für sie als Einzelfirmen Geld in Bonner Töpfen ist. Geben sie ihren VDMA-Mitgliedfirmen Hinweise darauf, wie man an solche Fördergelder kommt?

Selbstverständlich informieren wir unsere Mitgliedfirmen über diese Möglichkeiten. Wir machen unseren Firmen die Richtlinien zugänglich und sind fallweise bereit, Unterstützung bei der Antragstellung zu gewähren. Die Förderung von Vorhaben einzelner Firmen ist jedoch an Voraussetzungen gebunden.

- Wie kommt der Anwender an dieses Geld?

Prinzipiell kann eigentlich jeder einen Antrag auf Förderung stellen, der der Auffassung ist, er sei in der Lage, marktnahe oder zukunftsorientierte Software zu entwickeln und einem breiten Anwenderkreis zugänglich zu machen.

- Das sind beides recht schwammige Begriffe?

Das sind die Begriffe, wie sie im DV-Förderungsgesetz verwendet werden. Die entsprechenden Anträge können an verschiedene Institutionen eingereicht werden, je nach Förderungsschwerpunkt. Das ist zugegebenermaßen alles nicht ganz einfach, aber es kann sich durchaus lohnen, von der Förderung Gebrauch zu machen.

- Und wieviel Geld ist dort zu holen ?

Die Förderungsprogramme der Bundesregierung umfassen jährlich einige 100 Millionen Mark. Von 1967 bis 1974 wurden 1,7 Millionen Mark für die Förderung aufgewendet. Der einzelne Antragsteller kann 40 beziehungsweise 50 Prozent der Entwicklungskosten als Förderungsbeitrag von der öffentlichen Hand erhalten. Das ist aber oft zu wenig, um risikoreiche Vorhaben, die andererseits eine hohe Effizienz versprechen, in Gang zu setzen.

- Sind Sie mit der Praxis der derzeitigen Software-Förderung zufrieden?

Die Vertriebsaspekte hätten mehr berücksichtigt werden sollen. Es wurde wohl zu wenig gefragt: Wie lassen sich die Programme anschließend vermarkten? Wer stellt Wartung und Pflege dieser Programme sicher? Dabei ist insbesondere von Bedeutung, daß Wartung und Pflege der Programme während ihrer Lebensdauer einen Aufwand verursachen, der in der Größenordnung der Programmherstellung liegt.

- Das hieße aber doch, daß nur noch große Software-Häuser mit Vertriebsapparat Zugang zu den Bonner Töpfen finden. Opponieren Sie gegen eine Vergabe von Mitteln an Einzelfirmen, die zukunftsorientierte Anwendungen entwickeln?

Wir sehen diesen Zugang von Mitgliedfirmen zu diesen Mitteln durchaus positiv, wenn sichergestellt werden kann, daß die entstehenden Produkte auch einen breiten Markt finden. Die Programme müssen so gestaltet sein, daß sie nicht nur von dem Software-Hersteller eingesetzt werden können.

- Aber das war doch auch bisher schon die Bedingung?

Das war sicherlich eine Forderung, die beachtet werden mußte. Die Realisierung stößt aber auf Schwierigkeiten, wenn keine Institutionen eingeschaltet werden, die qualifiziert beraten, vertreiben, warten und weiterentwickeln können.

- Das waren also Vorhaben, die sie als Verband konzipiert haben und von denen sie annehmen, daß die VDMA-Mitgliedfirmen Bedarf dafür haben. Worum geht es?

Es handelt sich dabei um Vorhaben, die auf Anregung von Mitgliedfirmen unseres Verbandes gemeinsam mit diesen Firmen formuliert worden sind. Das eine Vorhaben zielt darauf ab, Software für die Auftragsabwicklung im Konstruktionsbereich zu entwickeln. Das zweite Vorhaben hat zum Ziel, einen Organisationsrahmen für die Branche Maschinenbau zu schaffen, als Grundlage für die gezielte und effiziente Anwendung der EDV. Diese Arbeiten werden computerunterstützt durchgeführt.

- Wann werden die Vorhaben fertig und welchen Verbreitungsgrad erhoffen sie für diese Software-Pakete?

Die Vorhaben laufen Ende 1975 aus. Exakte Zahlen können wir noch nicht nennen. Wir haben Erhebungen gemacht und schätzen, daß die Interessentenzahl zur Zeit zwischen 15 und 25 Firmen liegt. Auf lange Sicht zielen wir jedoch auf eine größere Breitenwirkung ab.

- Das wären ja Zahlen, die heute kaum eines der Standard-Software-Pakete auf dem freien Markt erzielt. Sind sie wirklich so optimistisch ?

Wir gehen bei der Abwicklung solcher Vorhaben davon aus, daß zunächst einmal in Arbeitskreisen die Anforderungen an eine solche Software definiert werden, also die Wünsche der Praxis ihren Niederschlag finden, ferner sollte die Realisierung der Software mit leistungsfähigen Software-Häusern durchgeführt werden und die Ergebnisse in Pilotfirmen ausgetestet werden, damit spätere Anwender auf bereits erprobte Software zurückgreifen können. Das ist der Weg, wie wir uns eine gute Verbreitung der geförderten Software vorstellen.

- Aber wenn ein Software-Haus sich mit 50 Prozent oder 60 Prozent Eigenmitteln für ein Vorhaben engagiert, dann dürfte es ja auch seine Marketingerhebungen gemacht haben?

Das mag durchaus sein. Ein Zusammenwirken der Komponenten Software-Haus, Anwender und - um den neuesten Stand der Wissenschaft einfließen zu lassen - auch der Hochschul-Institute wäre besser. Es müssen jedoch nicht in jedem Fall alle drei Komponenten zusammenwirken.

- Bisher ist es ja so, daß die drei Gruppen - Hochschule, Software-Haus und Anwender - jeweils allein auf sich gestellt die Anträge auf Förderung gestellt haben. Offensichtlich plädieren sie nun dafür, daß Bonn dieses Verfassen ändert und nur noch gemeinschaftlich eingebrachte Vorhaben fördert?

Das wäre ein risikoloseres Verfahren. Wir haben es bei unseren VDMA-Anträgen bereits realisiert. Wir treten dafür ein, daß Anwender-Vereinigungen und Repräsentanten von Gruppierungen, wie zum Beispiel der VDMA oder entsprechende Ausschüsse und Abteilungen solcher Organisationen, Koordination sicherstellen, damit die geförderten Projekte auf größtmögliche Resonanz stoßen. Das ist eine Forderung unseres Verbandes an das Dritte DV-Förderungsprogramm.

- Hier geht es ja um möglicherweise vergeudete Steuergelder. Wie bringen Sie Ihre Ansichten in den Entscheidungsprozeß zur Formulierung des Dritten DV-Förderungsprogrammes in Bonn ein?

Wir haben bereits vor einiger Zeit eine Stellungnahme an den Bundesminister für Forschung und Technik abgegeben, in der wir unter Hinzuziehung von Fachleuten aus Software-Häusern und Hochschul-Instituten unsere Vorstellungen präzisiert haben.

- Das wäre also eine Petition an die Regierung. Gibt es für Sie nicht auch der Möglichkeit der Einflußnahme über das Parlament. Wie steht es um Anfragen an die Regierung?

Es ist durchaus denkbar, daß auch über eine Anfrage diese Probleme zusätzlich zur Diskussion gestellt werden können.

- Haben Sie an der bevorstehenden großen Anfrage der CDU-Fraktion über den Sinn und Unsinn des Zweiten DV-Förderungsprogrammes mitgewirkt?

Wir sind selbstverständlich bereit, wenn es darum geht, die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Firmen zu stärken, unsere Erfahrungen anderen zugänglich zu machen, um eine möglichst hohe Effizienz der zum Einsatz kommenden Mittel zu erreichen.

- Und haben Sie das bereits getan?

Wir sind zur Zeit dabei, unsere Erfahrungen zu dokumentieren.