Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.04.1978

Wie macht man Software

Für viele Millionen Mark pro Jahr wird allein in der Bundesrepublik Software entwickelt. Einige höhere Programmiersprachen sind schon über 20 Jahre alt. Programmentwicklung und Test werden immer besser von der verfügbaren Systemsoftware unterstützt. Warum also diese Frage?

Wir sehen im wesentlichen drei Gründe: Einmal die zunehmende Diskrepanz zwischen dem Entwicklungsfortschritt der Hardware und dem der Software.

Zum zweiten einige achtbare Erfolge der Wissenschaftler zum Thema "Entwicklungsmethodik und Software-Strukturen" .

Und zum dritten natürlich die weiter steigenden Softwarekosten und das hohe Risiko jeder größeren Software-Entwicklung. Diese Fakten sind nicht neu, und vereinzelt sind schon vor Jahren ernsthafte Anstrengungen unternommen worden, bessere Methoden zu finden. Aber richtig ins Bewußtsein der Software-Leute ist dieses Thema erst in jüngster Zeit geraten. Wir haben heute einen Zustand, der sich am treffendsten als "der große Methoden-Wettstreit" umreißen läßt:

þStrukturierte Programmierung

þAbstrakte Maschinen

þEntwurfssprachen

þSoftware-Fabrik

sind die Zauberwörter, die die Fachzeitschriften und Seminarpläne füllen. Software- Engineering ist eine beachtete Fachrichtung geworden, die Entwicklung einer eigenen Software-Technologie ist das Ziel jedes Software-Produzenten.

Wo liegen die Probleme?

Der Einsatz höherer Programmiersprachen hat in der Prozeßrechentechnik erst etwa zehn Prozent erreicht. Dieser Anteil wird schnell steigen. Man muß also umlernen und die gewohnten Assembler-Konzepte und Systemstrukturen an die neuen Sprachen anpassen. Das ist relativ einfach und durch Anleihen bei den "Großen" rasch lösbar. Schwieriger und allgemeiner ist schon das gesamte Gebiet des Programm- und Systemtests. Neue Teststrategien, Komplexitätsanalysen und spezielle Abnahmeprüfung sollen mehr Zuverlässigkeit der Programme erbringen.

"Sicherheitsnachweise für die Software" lautet die Herausforderung in den besonders kritischen Technologien. Noch schwieriger ist das gesamte Vorfeld der Programmierung: Von der ersten Aufgabenstellung bis zur exakten Spezifikation eines programmierbaren Bausteins. Jeder Praktiker hat sich irgendein Verfahren erarbeitet, aber nachvollziehbar für Fremde oder gar einheitlich ist das nicht im geringsten. Die Einzelheiten des Vorgehens, oft sogar die Hauptphasen, werden unterschiedlich definiert und durchgeführt. Über die gesamte Software-Entwicklung erstreckt sich das Dokumentationsproblem. Neue Darstellungstechniken und mit der Entwicklung schritthaltend erstellte Dokumente, die prüfbar und möglichst maschinell änderbar sind, müssen eingeführt werden: Welcher Kunde akzeptiert Struktogramme nach Nassi-Shneiderman?

Es gibt also ein riesiges Feld für neue Entwicklungen. Die Produktion von Software soll von der handwerklichen in eine höher automatisierte industrielle Phase überführt werden. Irgendwo gibt es da natürlich Grenzen, denn die kreative Komponente läßt sich nicht ersetzen. Aber es bleibt trotzdem viel zu tun. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und bei der Vergabe der DV-Förderung einen Schwerpunkt auf die Methoden-Entwicklung gelegt.

Viele Firmen arbeiten an neuen Konzepten. Da Produktivitäts- und Qualitätsgewinne Wettbewerbsvorteile versprechen, arbeitet jeder für sich. Aber ist das gut so? Teils ja, denn brauchbare Ergebnisse werden sicher schneller und effektiver erzielt. Was aber, wenn die Aufgabe zu groß ist? Dann wird Stückwerk die Folge sein, wie es heute schon auf dem Markt der Software-Werkzeuge sichtbar ist. Nichts paßt zusammen, jeder macht etwas anderes. Ich glaube, daß zum Beispiel eine wirklich neue, leistungsfähigere Entwurfstechnik eine so große Aufgabe ist, daß nur mehrere Firmen gemeinsam genügend Kapital, aber auch Know how besitzen, um sie zu lösen.

Das BMFT richtet Arbeitskreise ein, das ist ein Anfang.

Wir sind bereit, weiter zu gehen und uns an Gemeinschaftsprojekten zu beteiligen. Hoffentlich wächst diese Bereitschaft auch bei anderen Unternehmen. Ich bin sicher, daß nur durch Kooperation eine Führungsposition im internationalen Vergleich zu halten ist. Schon blickt man wieder hoffnungsvoll nach USA, obwohl viele wesentliche Impulse bisher aus Europa kamen.

*Dipl.-Ing. Hans Rueff PSI, Aschaffenburg