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30.03.2007

Wie man ein Systemhaus ruiniert

Mit dem Insolvenzantrag zog das Osnabrücker Systemhaus F1 network GmbH den Schlussstrich unter eine Geschichte hausgemachter Fehler.

Von Wolfgang Leierseder

Im September 2006 eröffnete das 1993 gegründete, in Osnabrück beheimatete Systemhaus F1 network GmbH noch eine Filiale in Münster. Jetzt hat das Systemhaus beim Amtsgericht Osnabrück Insolvenzantrag gestellt. Nicht betroffen von der Insolvenz ist die im Jahr 2004 gegründete F1 innovate GmbH, Anbieter von Software für Finanzmanagement, ERP/PPS und Dokumentenmanagement und ebenfalls in Osnabrück ansässig.

Zu den Gründen für den Antrag des Systemhauses, das im Jahr 2006 als einer der besten 100 mittelständischen Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet wurde, wollte sich Geschäftsführer Björn Wöstmann gegenüber ChannelPartner (CP) nicht äußern.

Verständlich, denn nach ChannelPartner vorliegenden Informationen sind die Insolvenzgründe des derzeit 35 Mitarbeiter zählenden IT-Dienstleisters vor allem hausgemacht. Dazu betrachten wir allein das Jahr 2006.

Der Karmann-Skandal

Im April 2006 erschütterte ein Skandal den Osnabrücker Cabriobauer Karmann GmbH. Im Netz des größten Kunden von F1 network war ein Fileserver mit Kinderpornos gefunden worden. Der Autobauer entließ nicht nur fristlos Mitarbeiter, die damit zu tun hatten, und ließ den Wartungsvertrag mit dem Systemhaus auslaufen, sondern erteilte den damit befassten F1-Technikern Hausverbot. Dennoch gibt F1 network noch heute als Referenz Karmann an.

Anfang desselben Jahres waren in dem Unternehmen Mails bekannt geworden, wonach einer der ehemaligen Geschäftsführer an der Zukunft des Systemhauses stark zweifelte. Das brachte diesem den erzwungenen Verlust seiner Anteile an F1 network ein, eigenen Angaben zufolge hat er seine Anteile "normal verkauft". Heute arbeitet er bei einem IT-Unternehmen in Osnabrück, an dem F1 network mit "zwischen 20 und 30 Prozent" beteiligt ist. Dass F1 fast einem Dutzend Mitarbeitern im Gefolge der Karmann-Affaire "betriebsbedingt" kündigte, darunter einer langjährig beschäftigten, schwerbehinderten Mitarbeiterin, konnte das Unternehmen ebenfalls nicht als Erfolg feiern: Mehrere Mitarbeiter verklagten das Unternehmen auf Wiedereinstellung und hohe Abfindungen und bekamen Recht.

Projekte scheitern

Gleichzeitig veranlassten nach Informationen von ChannelPartner diverse Projekte die Kunden zu ernsthaften Beschwerden, zum Entzug von Aufträgen und wiederum einigen Hausverboten für F1-Techniker. Dass die im September 2006 erfolgte Gründung einer Filiale im Technologiepark Münster als Misserfolg bewertet werden muss, passt dazu. Denn statt dort drei Mitarbeiter zu beschäftigen, war das Systemhaus nicht in der Lage, die Filiale zu bewirtschaften.

Kurzum: Der Niedergang des Systemhauses zeichnete sich im Jahr 2006 ab; Mitarbeiterführung und Projekte ließen offensichtlich zu wünschen übrig. Dazu passt als Detail, dass auch die Mitarbeiter des Hauses erst am Freitag vergangener Woche von dem Insolvenzantrag erfuhren.

Die im Jahr 2004 gegründete F1 innovate GmbH, derzeit 15 Mitarbeiter beschäftigend, ist laut Geschäftsführer Martin Uhlen nicht von der Insolvenz betroffen. Allerdings könnten die 30 Prozent Anteile, die der F1 network GmbH gehören, ein Problem werden. Denn im Haftungsfall des gesamten Vermögens von F1 network könnte Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Klaus Niemeyer auf diese Anteile zugreifen. "Theoretisch sind wir nicht betroffen", sagte Uhlen gegenüber ChannelPartner, "aber uns schadet der gemeinsame Name."