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10.10.2003 - 

IT-Profis berichten über ihren Start als Unternehmer

Wie Newcomer die Selbständigkeit meistern

MÜNCHEN (am) - Immer mehr IT-Profis nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand und machen sich der schwierigen Marktlage zum Trotz selbständig. Gleichzeitig steigt die Zahl der Insolvenzen an. Die CW befragte Neu-Unternehmer, wie sie das schwierige erste Jahr gemeistert haben.

Die jüngsten Zahlen des Statistichen Bundesamtes spiegeln die schwierige Situation für Existenzgründer wider: Im ersten Halbjahr 2003 mussten knapp 20000 Unternehmen und knapp 2000 selbständig Tätige Insolvenz anmelden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Anstieg um neun Prozent bei den Unternehmen und von über 15 Prozent bei den Selbständigen. Rolf Kurz, Präsident des Bundesverbandes der Selbständigen, spricht von einer "dramatischen Lage" und macht die zu hohen Steuer- und Abgabenlasten, das Übermaß an Bürokratie sowie die zu starren Regelungen im Arbeitsrecht für die Misere verantwortlich.

Mit Jammern über die schlechten Rahmenbedingungen halten sich indes die von der COMPUTERWOCHE befragten IT-Gründer nicht auf, haben sie doch alle Hände voll zu tun, um das erste Jahr zu überstehen. Thomas Gille etwa arbeitete die vergangenen zwölf Jahre in der privaten Telekommunikationsindustrie und baute unter anderem für Unternehmen wie Otelo und Mannesmann Arcor die Netzwerkkontrollzentren auf. Als sein letzter Arbeitgeber Equant von France Télécom übernommen wurde, musste er wie viele andere Kollegen den Schreibtisch räumen. Gille nutzte die Zeit für ein betriebswirtschaftliches Aufbaustudium und wollte sich parallel dazu als Berater für die TK-Branche selbständig machen. Bald musste der 37-Jährige erkennen, dass die Nachfrage hinter seinen Erwartungen zurückblieb. Darum suchte er für seine neu gegründete Firma TCG Group ein zweites Standbein.

Nach ausführlicher Marktanalyse kam Gille auf die Idee, eine Internet-Plattform für den Mittelstand aufzuziehen: "Es gibt mehr als drei Millionen Unternehmen in Deutschland, aber nur 130 000 von ihnen sind in bestehenden Diensten wie den Gelben Seiten abgebildet." Seine Idee des virtuellen Branchenbuchs hat Gille inzwischen verwirklicht, nachdem er Angebote und Preise der Konkurrenz analysiert hat. "Ich habe die Inhalte der bestehenden Angebote zusammengeführt, mit zusätzlichen Services ergänzt und darauf geachtet, dass meine Preise unter denen der Konkurrenten liegen." Auf seiner Plattform www.geschaeftswelt.info stellen sich Unternehmen mit einem kurzen Porträt vor, vermarkten ihre Produkte und Dienstleistungen über einen angegliederten Online-Shop und haben auch die Möglichkeit, Stellenanzeigen zu schalten.

Projekte vorher akquirieren

Wie wichtig neben einer durchdachten Idee Marktkenntnis und einschlägige Berufserfahrung sind, bestätigt auch Klaus Anschütz: "Aufträge erhält man nicht nur über den Preis, sondern auch über die Erfahrung. Die Kunden fragen nach Referenzen, wollen sie doch sichergehen, dass das Ergebnis stimmt." Der IT-Berater mit Spezialgebiet ERP-Software arbeitete seit 15 Jahren in der Branche, bevor er vor einem Jahr den Sprung in die Selbständigkeit wagte: "Durch meine alten Kontakte hatte ich aber schon zwei Projekte und den Umsatz für die ersten sechs Monate in Aussicht, sonst wäre mir das Risiko zu groß gewesen." Weitere finanzielle Sicherheit boten das staatliche Überbrückungsgeld und ein Förderdarlehen der Sparkasse. Letzteres hat Anschütz seiner Ansicht nach vor allem der Unterstützung durch einen Existenzgründerberater sowie dem Umstand zu verdanken, dass er mit "Vionis" ein Nachfolgeprodukt für die eingestellte "Comet"-Software vertreibe und es viele Comet-Anwender gebe, die irgendwann umsteigen müssten. "Gewöhnlich sind die Banken mit Krediten für Existenzgründer sehr zurückhaltend, besonders wenn die Geschäftsidee mit Software zu tun hat", so Anschütz.

Damit die Gründung gelingt, ist nicht nur Geld, sondern auch Verkaufsgeschick gefordert. In diesem Punkt überschätzen sich aber viele IT-Selbständige, weiß Thomas Kleibömer: "Die meisten Gründer fangen an und fragen sich dann, wie sie ihre Produkte oder Dienstleistungen an den Mann bringen. Das ist ein entscheidender Fehler." Entwickler sollten sich idealerweise mit einem Vertriebsmann zusammenschließen. Für Sales-Profi Kleibömer ist diese Rechnung aufgegangen: Zwei Jahre nach der Insolvenz seines alten Arbeitgebers beschäftigt seine Firma Com 2 GmbH bereits elf Mitarbeiter und wächst weiter - langsam, aber ohne auf fremdes Kapital zurückgreifen zu müssen. Aus seiner Erfahrung rät er Gründungswilligen, erst einmal einen Monat lang mögliche Kunden anzurufen, um das Potenzial realistisch abschätzen zu können. Er selbst hat die Insolvenzzeit seines Arbeitgebers Tedas AG genutzt, um dessen Voice-over-IP-Produkte weiter an den Mann zu bringen. Als er später diese Tools für die eigene Firma kaufte, wusste er schon, welchen Umsatz er damit im ersten Monat generieren würde.

Zu schätzen, wie viel Umsatz man im ersten Jahr einnehmen wird, gehört mit zu den schwierigsten Aufgaben der Gründer. Alle, die etwa mit Hilfe des Überbrückungsgeldes aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit starten wollen, müssen sich aber früh darüber Gedanken machen. Voraussetzung für die staatliche Förderung, die sich über sechs Monate erstreckt und der Höhe des Arbeitslosengeldes zuzüglich einer Pauschale für Sozialversicherungsbeiträge entspricht (siehe www.computerwoche.de/go/80113108), sind ein Business- inklusive Rentabilitätsplan. Vordrucke dafür gibt es beim Arbeitsamt.

Rentabilitätsplan erstellen

Thilo Flacke, der sich nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit im Februar als IT-Berater selbständig machte, hat einen Steuerberater sein Konzept begutachten lassen. Er empfiehlt: "Man sollte keine astronomischen Umsatzzahlen angeben, sondern lieber etwas zu tief stapeln, denn danach richten sich die Einkommenssteuervorauszahlungen." Auch das Überbrückungsgeld muss in den geplanten Umsatz eingerechnet werden, ist hinterher aber steuerfrei. Im Umgang mit der Bank rät Flacke, diese rechtzeitig über die Arbeitslosigkeit beziehungsweise die geplante Selbständigkeit zu informieren - "sonst gibt es nur Ärger mit dem Dispokredit und der EC- beziehungsweise Kreditkarte". Um einen besseren Überblick zu bekommen, hat sich Flacke ein eigenes Konto für die Vorsteuer und die Einkommenssteuervorauszahlungen eingerichtet.

Den täglichen Verwaltungsaufwand sollten Gründer ebenfalls nicht unterschätzen. "Auftragsbestätigungen schreiben, Rechnungen verschicken und auch kontrollieren, ob und wann sie bezahlt werden, kostet viel Zeit", die Selbständige wie Gille aber brauchen, um Aufträge zu akquirieren. Darum hat er lange nach einer Software für die Rechnungsstellung gesucht, bis er eine preisgünstige Lösung für 20 Euro fand. Solche und andere geldwerte Tipps will Gille künftig auch an andere Gründer weitergeben - gegen das entsprechende Entgelt, versteht sich.