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02.03.2005

Wie Procter & Gamble Zeit spart

Thomas Tosse
Der Konsumgüterhersteller beschleunigt Prozesse mit Product-Lifecycle-Management.

Neben der Automobilbranche und dem Maschinenbau hat auch die Konsumgüterindustrie das Product-Lifecycle-Management (PLM) entdeckt: Procter & Gamble hat in Kooperation mit dem Software- und Serviceunternehmen UGS eine PLM-Lösung speziell für Konsumgüterhersteller entwickelt und steuert damit heute alle Prozesse seiner auf viele Standorte verteilten Produktentwicklung, Fabrik- und Anlagenplanung, länderspezifischen Produktion sowie Verpackungsgestaltung.

Die Wettbewerbsposition eines Konsumgüterunternehmens steht in direktem Zusammenhang mit seiner Fähigkeit, die Lebenszyklen all seiner Produkte unter Anwendung klar definierter Performance-Kriterien wie "Time to Market", dem Umsatzanteil aus Neuprodukten oder der Anzahl neuer Produkte zu managen. In der Reihe der vier strategischen IT-Prozesse Enterprise Resource Planning (ERP), Customer-Relationship-Management (CRM), Supply-Chain-Management (SCM) und PLM trägt Letzteres am meisten dazu bei, die strategische Wettbewerbsposition eines Konsumgüterherstellers zu sichern und auszubauen.

Primäres Ziel: Senken der Total Delivery Cost

Procter & Gamble verkauft seine Erzeugnisse unter nahezu 300 verschiedenen Marken an fünf Milliarden Kunden in 160 Ländern der Erde. Die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse dieser Kunden lassen sich nur mit einer Strategie regionaler Produktentwicklung erfüllen. Doch überall gilt: Neue Produkte müssen schneller und kosteneffizienter auf den Markt kommen als die der Konkurrenz. Das Hauptquartier in Cincinnati arbeitet deshalb mit Mitarbeitern und Lieferanten auf der ganzen Welt zusammen.

Dreh- und Angelpunkt einer solchen Strategie ist die Verfügbarkeit sämtlicher produktbezogener Informationen in einer globalen IT-Umgebung, die alle Beteiligten verbindet. Mit dem Ziel, die Produktentwicklungszeiten um 50 Prozent zu verkürzen und die Total Delivery Cost (TDC) stark zu senken, untersuchte das Unternehmen die bestehenden Abläufe und entwickelte eine Soll-Konzeption für die künftige Prozesslandschaft, die Menschen und kulturelles Wissen, Unternehmensvorgänge und Technologien integriert.

Als konstituierend für ein Produkt wurden Material, Verpackung sowie Fertigungsprozess und -mittel betrachtet. Zum einen galt es, die Verpackungsgestaltung durch die Visualisierung von 3D-Produktmodellen aus den Designsystemen "Abaqus" und "Maya" besser zu unterstützen. Zudem sollten die technischen Informationen über Fabrikationsstätten und deren Ausstattung zentral verwaltet werden, um die Stillstandszeiten in der Fertigung bei Produkt- oder Prozessmodifikationen möglichst kurz zu halten.

Logische Zusammenfassung verteilter Informationen

Im Dezember 2002 vereinbarten Procter & Gamble und UGS, gemeinsam ein PLM-System zu entwickeln, das für die Konsumgüterindustrie angepasst war. Die Lösung bestand in der logischen Zusammenfassung der verteilten Informationen mit Hilfe der Web-fähigen PLM-Umgebung "Teamcenter" von UGS. Die Software unterstützt Microsofts Sharepoint-Technik und ließ sich verhältnismäßig schnell und kostengünstig in die bestehende Windows-Infrastruktur integrieren. Die Zusammenarbeit von Teams wird in drei miteinander verbundenen Anwendungspaketen für die zentralen Geschäftsprozesse unterstützt, die auch eine Visualisierung der 3D-Daten im CAD-neutralen JT-Format enthalten. Des Weiteren bieten sie Services für synchrone Zusammenarbeit - etwa Kalender, Zeitpläne, Workflows, virtuelle Konferenzräume, sofortige Benachrichtigungsmöglichkeiten und virtuelle Besprechungen.

Nach Zusammenfassung der Prozessmodelle in Anwendungspakete (PLM-Basisversion, Branchenlösung Consumer Packaged Goods, Community-Paket für die Zusammenarbeit im Internet) wurden messbare Zielvorgaben für die Umsetzung definiert: Alle sechs bis neun Monate sollte einer der drei zentralen Teilprozesse fertig gestellt sein, der Rollout der Anwendung an 25 Standorten gleichzeitig erfolgen. Das zweite Softwarepaket sollte sich im definierten Zeitraum anschließen und parallel für alle Marken und geografischen Regionen verfügbar sein. Für das dritte Paket wurde mit denselben Randbedingungen ein Startfenster vorgegeben.

Betroffene Prozesse um 60 Prozent verkürzt

Insbesondere im Bereich Verpackung gelang es, die Total Delivery Cost deutlich zu reduzieren. Durch komplexe Regularien für Packungsangaben, aber auch zahlreiche Design-Reviews erweist sich die Verpackungsgestaltung häufig als Engpass auf dem Weg zum Markt. Hier wurde die Suche nach Informationen von Stunden auf Minuten verkürzt. Der Aufwand für Nach- und Doppelarbeiten im Bereich Artwork und Packaging ließ sich um 90 Prozent reduzieren; darüber hinaus wurde auch der Genehmigungsprozess beschleunigt. Im Schnitt konnten die betroffenen Geschäftsprozesse um 60 Prozent verkürzt werden - mit mächtiger Hebelwirkung auf die Zeit bis zur Markteinführung.

Für viele Benutzer des PLM-Systems war die Fülle an Informationen zunächst ungewohnt. Durch die Aufteilung in drei Anwendungspakete ließen sich die für den jeweiligen Geschäftsprozess relevanten Informationen jedoch bündeln. Innerhalb von fünf Jahren will Procter & Gamble die Zahl der PLM-Arbeitsplätze von 7000 auf 30000 erhöhen. (kf)