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25.08.2005

Wie reif sind neue IT-Entwicklungen?

Die Analysten von Gartner deklarieren in ihrem Hype Cycle 2005 als aktuelle Haupttrends die Themen Collaboration, IT-Architekturen sowie Real World Web.
Gartner warnt davor, IT-Innovationen vorschnell abzuschreiben, nur weil sie überzogene Erwartungen nicht erfüllen. Stattdessen empfehle sich ein selektives, an Geschäftsvorfällen orientiertes Vorgehen.
Gartner warnt davor, IT-Innovationen vorschnell abzuschreiben, nur weil sie überzogene Erwartungen nicht erfüllen. Stattdessen empfehle sich ein selektives, an Geschäftsvorfällen orientiertes Vorgehen.

Die IT-Industrie hat ihre Pionierzeit zwar schon hinter sich, im Vergleich zu anderen Branchen bringt sie aber in kurzen Abständen immer wieder neue Entwicklungen hervor. Diejenigen, die sich letztendlich einen festen Platz in der Unternehmens-IT oder auf dem heimischen PC erobern, durchlaufen fast unvermeidlich die Achterbahn des Hypes. Sie führt über den steilen Gipfel der "überzogenen Erwartungen" in das Tal der "Enttäuschung" und läuft schließlich in der Ebene der "alltäglichen Nutzung" aus.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*76522: Hottest Topics 2005: Gartner identifiziert die fünf wichtigsten IT-Trends;

*77407: Windows Longhorn erhält RSS-Infrastruktur;

*72835: Weblogs - noch ein zartes Pflänzchen;

*78189: Wie RFID funktioniert - und wie nicht.

Verlauf eines Hypes

Auslöser: Eine gut inszenierte Produktankündigung, positive Berichtererstattung oder das Interesse der Industrie bringen den Stein ins Rollen.

Gipfel der hohen Erwartungen: In dieser Phase des überbordenden Enthusiasmus und unrealistischer Vorstellungen erzielt die neue Technologie einige Erfolge, stößt aber noch häufig an ihre Grenzen. In dieser Zeit verdienen vor allem Verleger von Fachpublikationen und Veranstalter von Konferenzen damit Geld.

Absturz und Desillusionierung: Die noch unreife Technologie kann die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen und kommt schnell aus der Mode. Die Zahl der Medienberichte geht stark zurück.

Weg zur Einsicht: Unterschiedliche Organisationen und Firmen setzen sich gezielt mit der Technologie auseinander. Sie beginnen die Einsatzmöglichkeiten, Risiken und den Nutzen des neuen Ansatzes zu verstehen. Tools und etablierte Praktiken vereinfachen seine Umsetzung.

Ebene der Produktivität: Die Vorteile der Technologie haben sich im alltäglichen Gebrauch erwiesen und werden allgemein anerkannt. Viele Anwender legen ihre Berührungsängste ab und läuten damit die Phase einer breiten Aneignung ein.

Viele Technikansätze warten noch auf den Durchbruch

Die Analysten der Gartner Group ordnen seit zehn Jahren neu entstehende Technologien entlang dieser Kurve ein und versuchen zu prognostizieren, wie lange sie noch bis zu einer weit verbreiteten Nutzung benötigen werden. Dieser "Hype Cycle of Emerging Technologies" glich 1995 in seiner ersten Ausführung weitgehend dem aktuellen. Im Unterschied zu vor zehn Jahren warten jedoch heute viel mehr hoch gelobte Technikansätze auf ihren Durchbruch.

Die offenbar unvermeidliche Berg- und Talfahrt neuer Technologien birgt für Anwender einige Gefahren. Dazu zählt, dass sie zu früh auf den Zug aufspringen und schnell an die Grenzen unreifer Verfahren und Produkte stoßen. Gartner-Analyst Alexander Linden warnt indes auch davor, neu entstehende Technik vorschnell abzuschreiben, nur weil sie anfangs die überzogenen Erwartungen nicht erfüllen kann. Er empfiehlt bei der Nutzung von IT-Innovationen ein selektives Vorgehen, das sich an der geschäftlichen Bedeutung der jeweiligen Technik orientiert. Linden legt Unternehmen beispielsweise nahe, gegenüber Technologien mit weniger Business-Relevanz zurückhaltend zu sein und andere das Lehrgeld bezahlen zu lassen.

In der Nähe des Hype-Gipfels drängen sich in der aktuellen Analyse besonders viele Vertreter aus dem Segment Collaboration und Kommunikation. Eine Reihe von Anwendungen dort erhalten seit geraumer Zeit große Aufmerksamkeit, allen voran Weblogs und Wikis. Die Bewertung durch Gartner orientiert sich hauptsächlich am amerikanischen Markt, wo sich Corporate Blogs schon seit längerer Zeit etabliert haben. In Deutschland bewegt sich ihre Zahl jedoch noch im niedrigen dreistelligen Bereich, so Klaus Eck, Betreiber der Website pr-blogger.de. Die Gartner-Analysten messen ihnen primär Bedeutung für das Marketing zu. Daher träfe auf sie die Regel für geringe Business-Relevanz zu, die für ein Abwarten spricht. Andererseits handelt es sich dabei um eine sehr einfache Technologie, so dass der Einstieg relativ unproblematisch ist.

Das Prinzip der Einfachheit gilt auch für Wikis, die besonders durch den Erfolg der Online-Enzyklopädie Wikipedia in aller Munde sind. Als Werkzeuge für das unternehmensinterne Wissens-Management stehen sie noch ganz am Anfang, befinden sich aber auf der Hype-Kurve vor den Blogs schon auf dem Weg in die Senke. Mehrere kommerzielle und benutzerfreundliche Ausführungen könnten ihre Verbreitung in Firmen begünstigen. Für das Management von Softwareprojekten haben sie ihre Eig-nung bereits bewiesen, wie ihre Beliebtheit bei Open-Source-Teams zeigt.

Windows Vista bringt RSS in den Mainstream

Eine viel versprechende Technologie, deren Möglichkeiten längst noch nicht ausgeschöpft wurden und die in Business-Anwendungen noch kaum berücksichtigt wird, hat nach Meinung der Gartner-Analysten den Gipfel des Hypes schon deutlich überschritten. Es handelt sich dabei um RSS ("Rich Site Summary" beziehungsweise "Really Simple Syndication"), das von einer relativ kleinen Anwenderschaft fast ausschließlich für den Abruf von Online-News genutzt wird. Mit der Integration einer RSS-Infrastruktur in Windows Vista steuert das XML-Format nächstes Jahr in den Mainstream, auch wenn Microsoft es aus Marketing-Gründen "Web-Feeds" nennen will.

Teamarbeit und Wissens-Management

Eine Reihe weiterer Technologien für Teamarbeit und Wissens-Management schwimmt derzeit hoch auf der Begeisterungswelle. Mehrere davon stammen aus dem Consumer-Markt. Dazu zählt die Desktop-Suche ebenso wie P-to-P-basierende Voice-over-IP-(VoIP-)Systeme und Podcasting. Ihre Geschäftsrelevanz ist relativ gering, und sie bergen für die Unternehmens-IT teilweise sogar Risiken. Während PC-Suchmaschinen nach Einschätzung von Gartner schon wieder auf dem absteigenden Ast sind, gehen die IP-Telefonie vom Typus Skype und Podcasting der größten Aufregung erst entgegen. Letzteres betrachten die Analysten primär als ein zielgruppenspezifisches Marketing-Instrument.

Zu den Lieblingsakronymen der IT-Branche zählt schon seit geraumer Zeit die SOA, die Service Oriented Architecture. Sie verfolgt das Konzept von Business-Komponenten, die über Anwendungs- und Unternehmensgrenzen hinweg nutzbar sind. Gartner erwartet allerdings noch eine lange Übergangsphase von etwa zehn Jahren, bis die damit verbundenen Technologien ihr volles Potenzial erreichen - und das, obwohl sich SOA bereits im Hype-Keller befindet.

Servicearchitekturen verändern die IT grundlegend

Diese lange Übergangszeit bringt nach Meinung des Analysten David Cearly eine grundlegende Umwälzung von IT-Architekturen mit sich. Als wesentliche Bausteine zukünftiger Systeme sieht er neben SOA Web-Service-fähige Geschäftsmodelle, die Extensible Business Reporting Language (XBRL) sowie die Business-Process-Plattformen. Zusammen sollen sie einen Paradigmenwechsel zur dritten großen IT-Ära bewirken. Die erste war demnach jene der Hardware, die zweite noch andauernde die der Software. Die kommende IT-Epoche benennt Cearly schwammig mit "Next Generation Architecture". Einen Abschied vom Softwareparadigma versprechen auch gehostete Lösungen. Dieses Modell des "Software als Service" ist jedoch der Hype-Kurve zufolge keine Zukunftsmusik mehr, sondern hat die Phase der ersten Enttäuschung schon deutlich hinter sich gelassen. Für den Erfolg dieses Modells stehen Firmen wie Salesforce.com.

Aufschwung für lokales Bewusstsein

Eine dritte Kategorie neben Collaboration und Architekturen, die derzeit durch die Hype-Kurve schlingert, fasst Gartner unter dem Begriff "Real World Web" zusammen. Darunter finden sich insbesondere die standortbezogenen Anwendungen sowie die schon lange hochgejubelte Radio Frequency Identification (RFID). Letztere dümpelt derzeit im Tief der Hypekurve. Die Analystin Jackie Fenn nennt eine Reihe von Anwendungen, in denen diese Technik besonders nützlich sein soll. Dazu zählt sie unstrukturierte Geschäftsprozesse, wie sie in der Logistik, dem Gesundheitswesen oder der Produktion vorkommen. Angesichts des schon längst vorhergesagten, aber immer noch nicht eingetretenen Durchbruchs der Funkfrequenztechnik im Handel wagt Fenn jedoch keine Prognose, wann diese zu den ausgereiften und produktiven Technologien zu zählen sein wird.

Durchbruch hängt auch von der Geschäftsrelevanz ab

Obwohl Anwendungen, die mittels Geodaten die Position von Außendienstmitarbeitern oder Waren in wirtschaftlichen Nutzen ummünzen, noch Mangelware sind, arbeiten sich solche "Location aware Applications" bereits in die Sphäre der Produktivität vor.

Gerade bei komplexen Technologien mit unklaren geschäftlichen Aussichten bedeutet das aber keineswegs einen kurz bevorstehenden Durchbruch. Bereits auf der ersten Hype-Kurve vor zehn Jahren war die Begeisterung für die Handschrifterkennung ganz unten angelangt. Trotz unbestreitbarer Fortschritte ist die Technik seither auf der Strecke zum Plateau der Produktivität kaum vorangekommen. (ws)