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21.09.2001 - 

Beweise für Gefährdung fehlen

Wie riskant sind Handys im Flugzeug?

MÜNCHEN (CW) - Ein trauriger Anlass regt die Debatte über den Gebrauch von Handys in Passagierflugzeugen wieder an - vor allem, weil Belege für Störungen der Bordsysteme fehlen.

Der Gebrauch von Handys ist an Bord eines Passagierflugzeuges bei allen Fluglinien untersagt. Der Grund: "Es ist die Funktion des Handys, zu senden und damit elektromagnetische Energie abzustrahlen. Diese kann sich in die Flugzeugelektronik einkoppeln und Störungen verursachen, die eine Situation entstehen lassen, die Leib und Leben bedrohen", so das Luftfahrt-Bundesamt.

Laut Experten ist das Telefonieren mit Handys während des Fluges technisch möglich - wenn auch mit Einschränkungen. Vor allem während Start und Landung könnte es zu Unterbrechungen kommen. Danach sei die Reiseflughöhe ausschlaggebend. "Steinzeit"-Modelle, die noch mit stärkeren Transmittern ausgerüstet und für den Einsatz in analogen Netzen konzipiert seien, schaffen laut den Insidern noch in 15 Kilometern Höhe eine Kommunikation mit der Erde. Neue, digitale Handys streiken dagegen ab einer Höhe von rund neun Kilometern. Die durchschnittliche Reisehöhe eines Passagierflugzeugs betrage zwischen zehn und elf Kilometern.

"Eigentlich funktionieren Handys auf einem Großteil des Fluges. Allein die Sicherheitsbedenken halten die Verantwortlichen von einer Erlaubnis ab", erklärt ein Technikspezialist von der Carnegie Mellon University. Und Störungen werden immer wieder gemeldet: Letzten Winter etwa ist ein Flugzeug in Sarajevo notgelandet, weil ein aktiviertes Handy im Gepäckraum eine Brandwarnung ausgelöst habe.

Schlüssige Beweise für Störungen der Flugzeugelektronik durch Handys fehlen jedoch trotz verschiedenster Tests. Auch die gemeldeten Störfälle konnten nicht nachgestellt werden. Die Experten erstaunt das nicht: Die Maschinen seien speziell in der Umgebung von Flughäfen einer Vielzahl von elektromagnetischen Strahlen ausgesetzt, und der Luftraum sei voll mit Funkwellen, bestehend aus Radio-, Fernseh- und anderen Kommunikationssignalen. Erst die richtige Kombination und Intensität sorge für Interferenzen. Doch die Frequenzbereiche von Handys und Flugzeug-elektronik seien recht verschieden.

Der Grund für ein Handy-Verbot in Flugzeugen durch die amerikanische Fernmeldebehörde FCC war auch nicht das Sicherheitsrisiko: Handys in großer Höhe können Kanäle in einer Vielzahl von Funkzellen gleichzeitig aktivieren - und das Netz am Boden damit heillos überlasten. Die amerikanische Luftfahrtbehörde bleibt auch nach den jüngsten Katastrophen bei ihrem Nein zum Einsatz von Handy im Flugzeug. "Durch Handys verursachte Aussetzer in Bordsystemen sind nicht tolerierbar", so ein Sprecher der FAA.

Doch die Industrie arbeitet an weiteren Lösungen: Im Herbst soll "Cabincall" marktreif sein, das laut dem britischen Hersteller BAE Systems eine risikolose Handy-Nutzung an Bord zulässt. Bei dem System wird eine kleine Mobilfunkzelle im Inneren des Jets montiert, über die sich Handys an Mobilfunknetze ankoppeln lassen. Die Flugzeug-Crew kann die Zelle nach Bedarf an- oder ausschalten und somit festlegen, wann die Passagiere telefonieren dürfen.