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04.11.2004

Wie sich Freiberuflerinnen in der IT-Branche durchboxen

Von Ina
Selbständige IT-Expertinnen haben eine solide Ausbildung und viel Erfahrung. Doch je technischer das Projekt ist, um so mehr kommen ihnen alte Vorurteile in die Quere.

Gerade einmal zehn Prozent macht der Anteil der Frauen unter IT-Freiberuflern aus - so Schätzungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Unter den Angestellten bringen es die IT-Expertinnen auf immerhin 20 Prozent. Dagegen schnellt der Frauenanteil in der IT-Branche auf über 50 Prozent in die Höhe, sobald es sich um Assistenztätigkeiten handelt.

Diesen Trend kann auch Mario Henzler vom Personaldienstleister Hays bestätigen: "Die Zahl der Freiberuflerinnen nimmt stetig zu. Heute sind über 8000 Profile von IT-Spezialistinnen und Ingenieurinnen bei uns gespeichert, der Großteil ist dabei nach wie vor in Positionen wie Projektassistenz oder -management tätig, nur ein ganz geringer Prozentsatz findet sich in den rein technischen Bereichen. Das ist ein sehr typisches Bild, wobei wir es durchaus begrüßen würden, mehr Freiberuflerinnen mit hardwarenahen Skills kennen zu lernen." Auf die Frage, ob sich Unternehmen eher für männliche oder weibliche IT-Profis entscheiden würden, erklärt Henzler: "Wer einen Freiberufler für einen Projekteinsatz sucht, schaut in erster Linie auf Qualifikation und Branchenerfahrung. Das Geschlecht ist da weitestgehend nebensächlich."

IT-Frauen sind gefragt

Dennoch weiß der Hays-Manager auch von Anfragen zu berichten, wo speziell weibliche IT-Profis gesucht werden: "Gerade wenn es um Eigenschaften wie Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit geht, haben viele Unternehmen gute Erfahrungen mit Freiberuflerinnen gesammelt." Als einen weiteren Vorteil gegenüber den männlichen Kollegen nennt Henzler die Kontinuität im Werdegang der Frauen: "Unter den männlichen IT-Profis gibt es viele Quereinsteiger oder Umsteiger. Im Vergleich dazu haben die meisten Frauen sich schon früh für eine Karriere im Informatik- oder Ingenieursumfeld entschieden. Sie können häufig eine eindrucksvolle Referenzliste vorweisen, und das ist das, was zählt."

Doris Seidel, die heute bei T-Mobile als Freiberuflerin ein Softwareprojekt betreut, ist diesen Weg gegangen. Die Diplomingenieurin besuchte ein naturwissenschaftliches Gymnasium und studierte an der Technischen Universität: "Mich hat die Softwarewelt und hier speziell der Mobilfunk sehr interessiert." Nach 23jähriger Festanstellung wagte Seidel vor sieben Jahren den Sprung in die Selbständigkeit. Sie wollte sich in ihrem Job mehr verwirklichen. Ihre kommunikativen Fähigkeiten helfen ihr heute in der Zusammenarbeit mit festangestellten Kollegen wie auch in der Akquise neuer Aufträge. Frauen, die sich selbständig machen wollen, rät Seidel: "Zuerst braucht man ein fachliches Ziel, an dem man konsequent arbeitet. Außerdem muss einem klar sein, dass die 40-Stunden-Woche meist überschritten wird und auch Sonntagsarbeit zum Job gehören kann." Zwischen weiblichen und männlichen Freiberuflern sieht sie keinen großen Unterschied: "In meinem Beruf musste ich mich von Anfang an in einer Männerwelt durchboxen - daran habe ich mich schon längst gewöhnt."

Die Berlinerin Martina Weber war wie ihre Kollegin lange Jahre fest angestellt, unter anderem als SAP-Entwicklerin für die BASF. Seit fünf Jahren schreibt sie als IT-Beraterin ihre eigenen Rechnungen, nachdem sie gemerkt hatte, dass die Karriereperspektiven begrenzt sind. So stieß Weber damals eher auf Erstaunen denn auf Zustimmung, als einst ihr Interesse an einer Führungsposition bekundete. Um an Projekte heranzukommen, wandte sich die Ingenieurin an professionelle Vermittler, ließ sich in Datenbanken für Freiberufler eintragen und hörte sich bei Bekannten um. Kontakte zu Personalvermittlern brachten ihr Aufträge.

"Man darf nicht glauben, dass sich der Erfolg automatisch einstellt. Im Gespräch zu bleiben ist das Wichtigste", sagt Weber. Die Beraterin profitiert unter anderem davon, sich im Laufe der Zeit viele Kontakte zu anderen Selbständigen aufgebaut zu haben. Wohl mit ein Grund, dass sie im vergangenen Jahr ausgelastet war. Wichtige Voraussetzungen für den Erfolg sind überdies eine hohe Mobilität und Flexibilität - Webers Auftraggeber sitzen in mehreren Städten Deutschlands, aber auch in Schweden und in den USA. Einsteigern empfiehlt sie ein gesundes Selbstbewusstsein und ein noch besseres finanzielles Polster, wenn es mit der Akquise nicht gleich klappt.

Familie und Beruf kaum vereinbar

Für Cornelia Kiel, die seit 1990 freiberuflich tätig ist, war die Lust an Neuem ein wichtiger Beweggrund: "Ich liebe es, neue Projekte anzustoßen. Wenn sich später Routine einschleicht, wird es irgendwann langweilig." Die Projekt-Managerin räumt allerdings ein, dass ihr die Entscheidung für die Freiberuflichkeit durch ihre Ehe mit einem Mann in Festanstellung erleichtert wurde. Dass weibliche IT-Profis so selten in der IT-Branche zu finden sind, liegt ihrer Ansicht nach auch an einem Vorurteil, das sich hartnäckig in vielen Köpfen hält: Frauen können nicht logisch denken. Je technischer das Projekt - desto größer das Vorurteil. Dazu Kiel: "Wenn selbst im Trainingsbereich eine gewisse Männerdominanz überwiegt, kann man sich vorstellen, dass weibliche Computerfachleute in der Programmierung sozusagen Exoten sind."

Die Beraterin, die im Coaching- und Trainingsbereich tätig ist, rät jungen IT-Expertinnen zuerst in einer Festanstellung Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig sollte die eigene Qualifizierung oberste Priorität erhalten. Kiel: "Voraussetzung für die Selbständigkeit ist eine gesunde Mischung aus technischem Wissen und Soft Skills sowie gute Kundenkontakte." Speziell für Frauen sieht sie in der IT-Branche allerdings einen Nachteil: Aufgrund der zumeist zeitaufwändigen Projekte seien Familie und Beruf nur schwer unter einen Hut zu bringen.

Mädchen für Technik begeistern

Tanja Aulenbach wiederum hält den Aufbau von Netzwerken für unabdingbar, um Erfolg zu haben. Die Münchner Beraterin arbeitete in der Personalentwicklung des Softwareanbieters Oracle, wechselte dann zu einem Partnerunternehmen und machte sich schließlich als Personalerin selbständig. Aulenbach ist überzeugt, dass der Grundstein für die geringe Zahl an IT-Expertinnen bereits in der Schule und an den Hochschulen gelegt wird. Das Interesse der Mädchen müsste hier viel mehr gefördert werden. Dementsprechend sei das Studium naturwissenschaftlicher Fächer nach wie vor eine Männerdomäne. Die Personalerin: "Das gleiche gilt in der IT-Branche für die Anwendungsentwicklung. Das Know-how einer attraktiven Programmiererin wird von der Männerwelt zunächst einmal grundsätzlich angezweifelt." Dieses Vorurteil gelte jedoch nicht für den Beratungs- und Trainingsbereich in der IT. Hier spiele ein ansprechendes und gepflegtes Äußeres eine wichtige Rolle. Dementsprechend seien Frauen in der Anwendungsentwicklung seltener und in der Beratung und im Trainingsbereich öfter anzutreffen. (iw)