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08.04.1994

Wie sich Grossrechnerexperten auf Client-Server-Kurs bringen lassen Einstieg in kleinen Schritten erleichtert die Qualifizierung

Der Einsatz der Client-Server-Technologie bringt einen betraechtlichen Ausbildungsbedarf mit sich. So muessen Experten aus der Grossrechnerwelt in die neue Technologie und Denkweise erst hineinwachsen. Brigitte Krcmar* beschreibt die Probleme, die sich daraus ergeben, und zeichnet moegliche Massnahmen fuer einen reibungsarmen Uebergang auf.

Client-Server-Fachleute bestehen aus zwei Gruppen: den Spezialisten, die viele Jahre in der Gross-DV gearbeitet haben und nun auf die neue Technologie umsteigen, sowie Neueinsteigern, die erstmals mit der DV zu tun haben und sich dabei gleich in die Client-Server-Denkweise einarbeiten. An Sachwissen benoetigen beide Gruppen ungefaehr das gleiche, nur gibt es bei der Qualifizierung der Mainframe-Profis einige zusaetzliche Probleme.

Denkmuster muessen sich grundlegend aendern

Albert Karer und Bernd Mueller schreiben dazu in ihrem Buch "Client-Server-Technologie in der Unternehmenspraxis": "Bei der Anwendungsentwicklung loest das ereignisorientierte Denken das ablaufbezogene ab. Beim Design der Programme und der Datenbanken loest das kooperative, verteilte das sequentiell und zentral orientierte Denkmuster ab. Am Arbeitsplatz des Sachbearbeiters wird das punktuell unterstuetzende, sich an einzelnen Funktionen orientierende Hilfsmitteldenken durch in integratives Vorgehen zwecks Schaffung eines durchgaengigen Arbeitsmittels abgeloest. Im Management wird das konzentrierte, zentralistisch gesteuerte Denken durch das verantwortungsverteilende und koordinierende Denken ersetzt. Diese Bewusstseinsaenderung ist eine wesentliche Voraussetzung fuer den Durchbruch der Client-Server-Technologie in den Unternehmen. All diejenigen, die die Migration des Denkens nicht schaffen, werden zumindest in ihrer bisherigen Rolle Schwierigkeiten bekommen."

Wissen ueber etablierte Technik faellt im Wert

DV-Experten konnten bisher durch staendiges Hinzulernen mit der Technik Schritt halten. Nun sind sie erstmals dazu gezwungen, umzulernen und umzudenken. Keinem kann garantiert werden, dass er es auch schafft. Darueber hinaus bedeutet das Ganze fuer viele den Verlust einer scheinbar sicheren Vorrangstellung: Was bislang den Vorsprung an Erfahrung und damit die eigene Wichtigkeit fuer das Unternehmen ausmachte, hat an Wert verloren und stellt sogar ein betraechtliches Lernhindernis dar. Die Nachfolgegeneration, die neu in dieses Umfeld einsteigt, zieht an den DV-Experten vorbei. Eine solche Situation ist fuer ein Umdenken eher hinderlich. Hier aktiv zu werden ist primaer die Aufgabe der Vorgesetzten und der Personalabteilung.

Um DV-Experten das Umsteigen zu ermoeglichen, sollte zumindest am Anfang eine umfangreiche, zeitlich zusammenhaengende Qualifizierungsmassnahme stehen. Die oben zitierte Zusammenstellung von Karer und Mueller macht deutlich, dass die Migration des Denkens an allen vertrauten Schauplaetzen gleichzeitig vollzogen werden muss. Dies fordert gerade fuer die ersten Schritte Zeit und Geduld. Am Ende einer solchen Massnahme ist allerdings fuer den einzelnen Teilnehmer und auch fuer das Unternehmen leicht absehbar, ob der weitere Weg in Richtung Client-Server mit Erfolg beschritten werden kann.

Fuer DV-Neueinsteiger oder Umsteiger gilt gleichermassen: Das Know- how fuer Client-Server-Umgebungen laesst sich nicht allein in einem Seminar oder einer anderen mehrwoechigen Weiterbildungsmassnahme erwerben. Individuelle Laufbahnberatung ist ebenso notwendig wie der systematische Mitarbeiteraufbau durch die jeweilige Firma.

In einer Studie der IDC Deutschland GmbH zum Thema "Die Entwicklung des Client-Server-Computings - Wettbewerbsvorteile fuer Unternehmen schaffen" wird hierzu ein amerikanischer Betrieb aus dem Finanzdienstleistungs-Bereich zitiert: "Jedes Unternehmen, das sich fuer die Implementierung des Client-Server-Konzepts entscheidet, muss sich darueber im klaren sein, dass dies nur ueber einen multidisziplinaeren Ansatz moeglich ist, bei dem jeder Mitarbeiter gewisse Mindestkenntnisse in den Bereichen Datenbanken, Client-Tools, Server-Tools und Connectivity erwirbt. Wir schulen unsere Mitarbeiter entsprechend und erwarten, dass sie drei bis fuenf Wissensschwerpunkte entwickeln. Der Bedarf fuer Mitarbeiterschulung ist weitaus groesser, als wir anfaenglich dachten."

Jeder braucht Know-how ueber Methoden und Netze

Grundkenntnisse ueber verteilte Systeme, Netze sowie die Moeglichkeiten und Methoden der Anwendungsentwicklung muss sich jeder Client-Server-Experte aneignen. Sie lassen sich daher von allen Beteiligten gemeinsam erlernen. Danach ist allerdings eine individuelle Weiterbildung angesagt. Die Spezialisierungen sind grob drei Bereichen zuzuordnen:

- Anwendungsentwickler Client-Server;

- Systemadministrator Client-Server sowie

- Informations-Engineer Client-Server.

Erfahrungen aus Client-Server-Projekten zeigen, dass Qualifizierungsdefizite vor allem bei folgenden Themen anzutreffen sind:

- Entwicklung von Datenmodellen beziehungsweise Systementwuerfen, die auf verteilte Datenbanken, Datenpraesentation sowie verteilte Applikationen umzusetzen sind;

- Einsatz von 4GL-Sprachen;

- Umstieg auf grafische Bedienoberflaechen bei der Nutzung von Entwicklungs-Tools;

- Arbeiten im Netz auf unterschiedlichen Servern;

- Datenbankadministration in heterogenen Netzen sowie

- Arbeitsmethodik beim Einsatz von Teamwork-Produkten.

Diese Themen sollten also moeglichst fruehzeitig in die individuellen Qualifizierungsplaene eingebaut werden.

Das Besuchen von Seminaren ist nur der Anfang. Wichtig sind Projekte, in denen die Teilnehmer die Moeglichkeit haben, das Gelernte umzusetzen und eigene Erfahrungen zu machen. Es empfiehlt sich daher, mit moeglichst kleinen Pilotprojekten zu beginnen, etwa auf eine Niederlassung oder einen Unternehmensbereich beschraenkt. Der Lernerfolg laesst sich zusaetzlich verbessern, wenn die projektinterne Qualifizierung durch Workshops und Coaching ergaenzt wird.

Ein zu spaeter Wechsel in die neue Welt kommt teuer

Stellt sich zum Schluss die Frage, wann ein Unternehmen den Umstieg auf Client-Server in Angriff nehmen sollte? Hier raet die IDC- Studie, das Konzept des Client-Server-Computings eher frueher als spaeter einzufuehren. Die zunehmende Verbreitung dieser Technologie sowie deren breite Akzeptanz zeigten deutlich, dass sie zukunftssicher sei. Den groessten Nutzen aus IT-Investitionen wuerden normalerweise Unternehmen ziehen, die sich als erste diesen neuen Technologien zuwenden. Nachzuegler zahlen in der Regel einen weitaus hoeheren Eintrittspreis.