04.04.2012 - 

40 Jahre SAP

Wie sich SAP die Zukunft vorstellt

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; mitverantwortlich für die Entwicklung von Themenschwerpunkten; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
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Die neue SAP-Doppelspitze verlässt ausgetretene ERP-Pfade und arbeitet energisch daran, das Produktportfolio auszuweiten. Es geht in Richtung Datenbanken, Analytics, mobile Lösungen und Cloud Computing.
Die SAP-Co-CEOS Bill McDermott (l.) und Jim Hagemann Snabe
Die SAP-Co-CEOS Bill McDermott (l.) und Jim Hagemann Snabe
Foto: SAP AG

Die neue SAP-Doppelspitze verlässt ausgetretene ERP-Pfade und arbeitet energisch daran, das Produktportfolio auszuweiten. Es geht in Richtung Datenbanken, Analytics, mobile Lösungen und Cloud Computing.
von Martin Bayer (Computerwoche-Redakteur)
"Unser Geschäft entwickelt sich hervorragend", freuten sich SAPs Co-CEOs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe Ende Januar, als sie die Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr 2011 präsentierten. SAP sei dabei, seine Position in Sachen Analytics und mobilen Lösungen auszubauen und die Märkte für Datenbanken sowie Cloud-Anwendungen neu zu definieren. Dieser mediale Vorstoß der Walldorfer Führungsetage zeigt, dass es für SAP längst um mehr geht als das angestammte ERP-Geschäft. Mit Business-Intelligence-Lösungen und einer selbst entwickelten Highend-Datenbank- und BI-Appliance fordert der Konzern IT-Riesen wie IBM und Oracle heraus. Gleichzeitig muss SAP aufpassen, im sich rasant entwickelnden Mobility-Sektor nicht den Anschluss zu verlieren.

Und zu guter Letzt gilt es für SAP wie für alle etablierten Softwarehersteller die Gretchenfrage zu beantworten, wie der Übergang vom klassischen Lizenz-Wartungs-geschäft, mit dem die Softwarehersteller in den vergangenen Jahrzehnten gut verdient haben, ins Cloud-Zeitzalter, in dem die Anwender flexibel nach Softwareverbrauch abrechnen wollen, möglichst reibungslos und ohne die Börse zu verschrecken über die Bühne gehen kann. Jede Menge Fragen und Herausforderungen also, denen sich die Konzernführung stellen muss.

In-Memory, BI und Datenbank

In Walldorf geht man selbstbewusst an die künftigen Aufgaben heran, zum Beispiel in Sachen HANA: Vor rund zwei Jahren betrat SAP Neuland mit der Entwicklung seiner auf In-Memory-Computing und spaltenorientierter Datenbanktechnik basierenden BI-Appliance. Seit Mitte vergangenen Jahres ist HANA offiziell am Markt verfügbar. SAPs Technikchef Vishal Sikka schwärmte von einem Meilenstein: "SAP HANA verändert grundlegend die Art und Weise, wie in Unternehmen gedacht, geplant und gearbeitet wird."

Der Softwarekonzern verspricht seinen Kunden, mit HANA große Datenmengen schnell und direkt aus den transaktionalen Systemen auswerten zu können: "Wir sehen Potenzial, mit Hana klassische Data-Warehouse- und Datenbank-basierende Architekturen abzulösen", sagte Snabe. Das vereinfache die Softwarelandschaften und verringere die Komplexität. Obwohl die SAP-Führung mit dieser Strategie auf Konfrontationskurs mit den klassischen Datenbankanbietern wie Oracle, IBM und Microsoft geht, die den Markt seit Jahren unter sich aufgeteilt haben, ist man sich in Walldorf seiner Sache sicher. SAP werde den Markt in den kommenden Jahren kräftig durcheinanderwirbeln und zu einem der führenden Anbieter in diesem Geschäft aufsteigen.

Glaubt man ersten Zahlen, scheint SAP auf einem guten Weg. Im zweiten Halbjahr 2011 will der Softwareanbieter mit HANA bereits 160 Millionen Euro eingenommen haben. Allerdings gibt es auch andere Signale. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG), die ihre Mitglieder regelmäßig zu deren Investitionsplänen befragt, berichtete in ihrer aktuellen Umfrage, dass die Unternehmen hierzulande derzeit kaum Budgets für HANA und In-Memory-Computing einplanen. Vor allem die hohen Kosten schreckten die Kunden ab.

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