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13.02.2006

Wie sich SOA-Projekte rechnen

Kosten und Nutzen einer Service-orientierten Architektur (SOA) lassen sich nur langfristig gegenüberstellen.

Die beeindruckendste Zahl in Sachen SOA hat das US-amerikanische Marktforschungshaus Aberdeen Research ausgerechnet: 53 Milliarden Dollar. So viel könnten die 2000 weltgrößten Firmen in den nächsten fünf Jahren sparen, wenn sie mit Hilfe von SOA Softwareeinführungskosten reduzierten. Dabei seien weitergehende Vorteile, die sich aus einer verbesserten Reaktionsfähigkeit der Unternehmen ergäben, noch gar nicht berücksichtigt.

Hier lesen Sie …

• welche Einsparpotenziale SOA bietet;

• warum Kosten-Nutzen-Vergleiche so schwierig sind;

• wie Großunternehmen damit umgehen;

• was Experten empfehlen.

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www.computerwoche.de/go/

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Als Argumentationshilfe für SOA-Projekte dürfte diese Einschätzung CIOs nur bedingt weiterhelfen. Konkrete Beispiele für Kosten-Nutzen-Betrachtungen sind selten und meistens unvollständig. So gibt etwa der schottische Versicherungskonzern Standard Life an, rund 500 Spezialisten in drei SOA-Implementierungsteams zu beschäftigen. Weil einmal erstellte Funktionen mehrfach genutzt würden, habe man in den vergangenen drei Jahren mehr als 2,8 Millionen Pfund an Entwicklungskosten gespart, sagt IT-Manager Derek Ireland. Welche Kosten die SOA-Infrastruktur verursacht hat, verrät er nicht. In einem Servicekatalog führe Standard Life rund 300 Komponenten, mehr als die Hälfte davon sei mindestens einmal wiederverwendet worden.

Auch Alex Röder, CIO beim Mobilfunkanbieter O2, lässt sich nur ungern in die Karten schauen. In einem groß angelegten SOA-Projekt mustert das Unternehmen Altanwendungen aus, die teilweise nicht mehr vom Hersteller gewartet werden. "Der Business Case rechnet sich", sagt Röder, ohne genaue Zahlen zu nennen. So beschleunige sich die Einführung neuer Produkte, der IT-Betrieb werde effektiver und damit auch billiger.

Wenn Unternehmen mehrfach verwendbare Funktionen über Services bereitstellten, gewönnen sie Entwicklungskapazitäten, argumentiert Martin Eldracher, Leiter IT-Beratung beim Münchner Softwarehaus sd&m. Einen messbaren Erfolgsnachweis lieferten beispielsweise geringere Wartungs- und Entwicklungskosten. Eldracher belegt diese Aussagen anhand von anonymisierten Kundenbeispielen. In einem Fall lag das durch SOA erreichbare Einsparpotenzial gegenüber einem Legacy-System bei 2,7 Millionen Schweizer Franken in einem Zeitraum von drei Jahren.

50 Milliarden in fünf Jahren

Wie hoch die Sparpotenziale im Einzelfall sind, hängt unter anderem von der Unternehmensgröße ab, aber auch von der Branche, in der sich ein Unternehmen bewegt. "Im Finanzsektor gibt es eine Massenbewegung in Richtung SOA", konstatiert Jost Hoppermann, Vice President bei Forrester Research. 77 Prozent der Finanzdienstleister in Europa nutzten bereits eine SOA oder hätten entsprechende Pläne; 75 Prozent seien dabei, ihre Anwendungslandschaft zu modernisieren: "Das kostet 50 Milliarden Euro in den Projekten, die zwischen 2005 und 2010 starten." Welche Einsparungen diesen Investitionen gegenüberstehen, lässt sich aus heutiger Sicht kaum beziffern, zumal gerade Finanzdienstleister nur ungern über ihre IT-Vorhaben reden.

Die Zurückhaltung vieler Anwender dürfte auch mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit zu tun haben. "Das Thema Kosteneinsparungen und Return on Investment (RoI) gab es schon bei ähnlichen Hype-Themen wie Enterprise Application Integration (EAI)", erinnert sich Norbert Schädler, IT-Architekt bei IBM-Deutschland. 40 Prozent der IT-Budgets bezögen sich auf Integration, rechnete Gartner seinerzeit vor; mit EAI lasse sich die Hälfte davon sparen. "Solche Szenarien wurden dann fünf Jahre durch die Lande getragen", kritisiert Schädler. "Den Beweis sind wir bis heute schuldig geblieben."

Für den IBM-Experten ist der RoI zwar auch in SOA-Projekten ein wichtiges Thema. "Dafür aber eine Formel aus dem Ärmel zu schütteln, halte ich für unseriös." Nach seinen Erfahrungen liegt ein Grundproblem darin, dass fast kein Unternehmen den Wert seiner IT beziffern könne. Stattdessen werde immer nur über Kosten und kurzfristige Vorteile geredet.

Noch deutlicher formuliert der unabhängige Analyst Wolfgang Martin seine Kritik an der aktuellen Kostendiskussion. Das Argument, eine SOA spare IT-Kosten, bezeichnet er als "Ammenmärchen, genährt von einigen Anbietern". SOAs bildeten lediglich eine Infrastruktur für die Prozessorientierung in Unternehmen. Als solche müssten sie auch finanziert werden: "Das Geld liegt in den Prozessen." Den RoI einer Infrastruktur auszurechnen, halte er für unmöglich.

Hohe Einstiegskosten

Wie Anwender das Thema dennoch angehen können, berichtet Aberdeen Research in einer aktuellen Studie. Sie stützt sich auf eine Befragung von 284 US-Firmen. Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit dem kompletten SOA-Lebenszyklus gesammelt haben, nannten drei Bereiche, in denen sich der Nutzen quantifizieren lasse: Schnelligkeit der Softwareeinführung, einfachere Integration und raschere Anpassung oder Updates. Daraus resultierende Kosten- und Zeitersparnisse wirkten sich im gesamten Unternehmen aus, erläutert Studienautor William Mougayar. In jedem Fall erforderten Kosten-Nutzen-Analysen eine langfristige Planung. Unternehmen müssten die Anfangskosten für die Entwicklung von SOA-Anwendungen abwägen gegen die erwarteten Einsparungen in späteren Einführungs-, Integrations-, Testing- und Wartungsphasen.

Auch Hoppermann plädiert für eine langfristige Betrachtung: "Auf Einzelprojektebene lässt sich SOA nicht bewerten." Problematisch sei es zudem, ausschließlich den "Reuse"-Aspekt zu untersuchen, sprich die viel zitierte Wiederverwendbarkeit von Services. Selbst wenn solche Komponenten eingeführt seien und tatsächlich genutzt würden, relativierten sich damit verbundene Einsparungen. Das Investment für die komplette Infrastruktur sei ebenso dagegen zu rechnen wie der erhöhte Verwaltungsaufwand, den etwa eine Gruppe für das Business-Service-Management verursache.

"Das Thema Reuse ist valide, reicht aber für eine Kosten-Nutzen-Betrachtung nicht aus", kommentiert auch IBM-Vertreter Schädler. Er verweist auf einschlägige Versprechen, die schon die Protagonisten der Objektorientierung nicht eingelöst hätten: "Damit haben wir Schiffbruch erlitten."

In Zusammenhang mit SOA sollten Unternehmen den Aspekt der Wiederverwendbarkeit nicht auf die IT, sondern auf Geschäftsprozesse ausrichten. Wenn es beispielsweise einer Bank gelänge, den Prozess Kontoeröffnung einheitlich für alle Geschäftsprozesse zu definieren, wäre darüber ein erhebliches Sparpotenzial zu heben. SOA-Initiativen sollten generell mit einer solchen Betrachtung beginnen, rät Schädler, und schränkt zugleich ein: "Die meisten unserer Kunden sind noch nicht so weit."