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23.04.1976

Wie sichern Sie Ihre Datenbestände?

Und es passiert doch immer wieder, daß irgendwelche Dateien überschrieben werden. Wohl dem, der dann leicht rekonstruieren kann. Und es können ja auch Daten durch physische Einwirkung zerstört werden. Brandschäden, Wasserschäden oder gar Sabotage.

Über den immateriellen Wert der Datenbestände herrscht nur selten Klarheit. Wohl und Wehe des Unternehmens kann von der Datensicherung abhängen. Wird wirklich genug getan, um die Katastrophe zu verhindern? Vier Anwender berichten:

Heinz Schmidt

Geschäftsführer des Krankenkassen-Verbandes Rechenzentrum Aachen

Insgesamt haben wir die Daten von 270 000 Versicherten und rund 15 000 bis 20 000 Arbeitgebern gespeichert. Alle diese Informationen sind dupliziert von Platte auf Platte hier im Rechenzentrum in einem Datensicherungsschrank untergebracht, zudem noch einmal von Platte auf Band überspielt etwa fünf Kilometer entfernt im Hause eines Kunden in einem Tresorraum verwahrt. Gesichert wird täglich. In unserem Panzerschrank im RZ werden stets die neuesten Verarbeitungsdaten zusammen mit den jeweiligen Stammdaten aufbewahrt.

Im Falle eines Verlustes sowohl der Originaldaten als auch der hier im RZ gesicherten Bänder und Platten müssen wir demnach die Jobs von ein bis zwei Tagen nacharbeiten. Da wir in einer etwas "eigenartigen Gegend" untergebracht sind - rundherum gibt es Notunterkünfte -sind alle Fenster und Türen vergittert. Außerdem gibt es einen Sicherungsdienst, der mehrmals täglich zu unterschiedlichen Zeiten das Haus kontrolliert. In Kürze soll eine Ultra-Schall-Anlage installiert werden. Als weitere Sicherungsmaßnahme betrachten wir den Closed-Shop-Betrieb. Für Schutz gegen Feuer gibt es eine Ionisations-Anlage, die bereits durch den Rauch einer Zigarette ausgelöst wird und die zur Feuerwehr aufgeschaltet ist. Eine Datenträgerversicherung, abgeschlossen auf 1,7 Millionen Mark, soll demnächst auf 3 Millionen Mark erhöht werden.

Joachim Stöckle

Leiter des Landesrechenzentrum Rheinland-Pfalz, Mainz

Um den Erfordernissen eines ordnungsgemäßen Betriebs Rechnung zu tragen, also Sicherungen gegen Katastrophen, Sabotagen und ähnliches, beginnen wir mit der Sicherung bereits bei der Eingabe. Jede Eingabe, die von den Außenstationen hereinkommt, wird protokolliert und der entsprechenden Dienststelle zur Nachkontrolle übergeben. Täglich wird der Gesamtbestand skizziert und außer Haus in einem sehr weit entfernten Tresor aufbewahrt. Als nächstes wird die Zuständigkeit sichergestellt. Jede an das System angeschlossene Datenstation durchläuft vor Benutzung eine Berechtigungskontrolle. Hierzu gibt es einen

speziellen Code. Es kann also keiner von außen her unbefugt abfragen oder eingeben. Auch diese Bewegungen werden protokolliert und für die Dauer eines Jahres in einem Tresor aufbewahrt.

Beim Bau unseres Hauses wurden bereits einige Sicherungen eingeplant. Das Datenarchiv wird von einem speziellen Mitarbeiter verwaltet, der auf Anforderung diese Bestände herausgibt. Hier gibt es auch ein internes Nachweissystem. Ähnlich wie bei den TP-Anwendungen funktioniert die Sicherung auch bei der Stapelverarbeitung, hier kommt noch hinzu, daß Duplikate sämtlicher Programme vorhanden und in einer Programmdokumentation ausgelagert sind.

Gerhard Hichert

Leiter des Rechenzentrums der Wintershall AG, Kassel

Wir hatten das Problem, im Mai letzten Jahres nochmals einen Dezember-Nachtrag für eine unserer Tochtergesellschaften zu fahren. Wir bekamen von dieser Niederlassung eine Anzahl Korrekturen, und bei der Verarbeitung stellten wir dann fest, daß das Kumulativband aus dem Jahre 1974 durch einen Fehler statt zehn Jahre nur drei Monate archiviert und leider überschrieben war. Dazu mußten wir die einzelnen Monatsläufe des Jahres nachfahren. Die Bewegungsdaten hierzu waren langfristig aufbewahrt worden. Das als Beispiel, was passieren kann.

Daraufhin haben wir veranlaßt, daß Bestände, die wir lange archivieren, dupliziert werden.

Zur Datensicherung unterscheiden wir zwei Möglichkeiten - einmal werden die Forderungen des Gesetzgebers abgedeckt - sowie die der internen Revision. Zum zweiten stellen wir sicher, daß die Dateibestände so archiviert werden, daß wir jederzeit in der Lage sind, zu rekonstruieren. Hierzu werden die Bestände in einem Kellerarchiv ausgelagert - und zwar alle, die länger als 12 Monate geschützt sind. Wichtige Datenbestände wie zum Beispiel Personalstammsatz, Materialbestandsdateien lagern wir in einem feuer- und wasserdichten Datensafe ein, der in einem anderen Gebäudekomplex untergebracht ist.

Für den geplanten RZ-Neubau soll das Sicherheitsrisiko noch vermindert werden.

In unserem neuen Archiv gibt es den Arbeitsraum für den Archivar und zusätzlich einen abgemauerten Datenschrank, der so angelegt ist, daß sich die Türe bei Feueralarm automatisch verschließt und im gleichen Augenblick auch kein Klima mehr eingeblasen werden kann. Zudem gibt es wieder ein ausgelagertes Kellerarchiv.

Adolf Speckhardt

Stellvertretender Leiter des Kommunalen Gebietsrechenzentrums Starkenburg, Darmstadt

Wir unterscheiden die Datensicherung in zwei große Bereiche: der eine Bereich betrifft die Sicherung des Bauwerkes und alles, was damit zusammenhängt. Der andere Bereich ist die Datensicherung im Zusammenhang mit den jeweiligen Betriebsabläufen. Unser Haus wurde bereits beim Bau nach Gesichtspunkten zur Datensicherung errichtet. Der Maschinensaal wurde in das Zentrum des Hauses verlegt und hat nach außen hin keine unmittelbare Verbindung. Das Tageslager und das Archiv liegen im Anschluß an den Maschinensaal ebenfalls ohne Zugang von außen. Im Gebäude gibt es noch einen Datentresor mit entsprechender Sicherung vor fremdem Zugriff. Das ganze Haus ist mit einer Fallen-Alarmanlage ausgestattet, wodurch die einzelnen Schutzbereiche entsprechend ihrer Wichtigkeit abgesichert sind. Der Maschinensaal und die umliegenden Räume sind mit einer Feuermeldeanlage ausgestattet, die bei Auslösen automatisch die Feuerwehr alarmiert. Diese Anlage ist gekoppelt mit einem Rufgerät zur Polizei.

Als weitere Sicherung wurde der Ansaug-Stutzen der Klimaanlage so kaschiert, daß er von außen optisch nicht sichtbar ist. Wichtig ist auch der Besuchernachweis. Es kann kein Besucher in das Gebäude, ohne daß sein Weg und die Aufenthaltszeit genau kontrolliert wird. Er muß also auf dem schnellsten Weg vom Eingang zu der von ihm gewünschten Stelle.