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27.08.1976

Wie sieht die Programmierung in 10 Jahren aus?

Wird Programmieren zum Volkssport? Folgt man den Hardware-Marktprognosen, dann würden 1985 allein mit dem Programmieren der dann 4 Millionen MDT-Anlagen 200/o der deutschen Gesamtbevölkerung beschäftigt sein. Neue Methoden zur rationellen Softwareproduktion sind unabdingbar und müssen in den nächsten Jahren weite Verbreitung finden. Aber: "Trotz moderner Technik wird auch weiterhin mit Wasser gekocht werden." uk

Athavulf Tinter, Manager, Business Systems Deere & Company European Office

Ich erwarte bis 1986 keine wesentlichen Veränderungen in der Größe, in der Zusammensetzung oder in der Arbeitsweise von EDV-Entwicklungsabteilungen. Im Zusammenhang mit einer Neubauplanung meiner Firma habe ich gerade im Juli 1976 eine Personalplanung unserer Systemabteilung bis 1986 abgeschlossen und kam dabei zu folgender Schätzung:

1976: 12 Systemanalytiker; 17 Programmierer; 4 Supervisors.

1986: 20 Systemanalytiker; 25 Programmierer; l5 Angestellte für Systems Integrity, Data Structure, Data Management. Data Maitenance und andere, heute nicht selbständige Funktionen; 8 Supervisors.

Ich glaube, daß daran sowohl die wie Pilze aus dem Boden schießenden neuen Verfahren und Methoden wie Entscheidungstabellen in Analyse und Programmierung Normierte Programmierung, top down und Hipo als auch vollkommener Einsatz von TSO mit allen Möglickeiten nichts Grundlegendes ändern werden. Je mehr wir uns mit DB/DC-Anwendungen dem angestrebten perfekten MIS nähern um so weniger können auch high level languages für den Sachbearbeiter am Bildschirm eine grundsätzliche Veränderung des Aussehens oder der Arbeitsweise einer Entwicklungsabteilung bewirken.Sie befreien den Programmier von der Erstellung vieler Auswertungs- und Listprogramme, führen nicht dazu, daß die Fachabteilungen ihre Systeme selbst entwickeln, warten und verändern oder gar mit den Systemen anderer Fachabteilungen integrieren. Dafür sind sie letztlich auch nicht da. Systemanalyse und Systemdesign werden weiterhin der Kreativität und intimen Kenntnis firmeninterner Zusammenhänge beim Systemanalytiker und Programmierer vorbehalten bleiben. Die relativ geringe Zuwachsrate bei den Systemanalytikern hoffen wir zu kompensieren durch EDV-Koordinatoren in den Fachabteilungen, die dem Systemanalytiker besser vorbereitete Informationen liefern.

Dipl.-Math. Horst Hünke, Leiter des Instituts für Software-Technologie der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, St. Augustin

Eher als vorauszusagen, wie die Zukunft aussehen wird, möchte ich eine Abschätzung aufgrund erkennbarer Randbedingungen geben, wie sie aussehen muß, um bewältigt werden zu können.

Als Beispiel für eine solche Randbedingung diene eine der heute üblichen Projektionen für die Aufnahmefähigkeit des Marktes an DV-Anlagen für den Bereich der sogenannten MDT-Anlagen werden Schätzungen abgegeben, die eine Zahl von vier Millionen Anlagen im Jahre 1985 voraussagen. Falls für jede dieser Anlagen ein damit ganztägig ausgelasteter Programmierer erforderlich wäre, so wären - rechnet man die Famillenangehörigen mit - rund 205% der Bevölkerung der Bundesrepublik mit der Betreuung von MDT-Anlagen beschäftigt. Volkswirtschaftlich ist dies nicht vertretbar.

Um Programmieren als Volkssport zu vermeiden, müssen DV-Anbieter DV-Firmen und Software-Häuser schlüsselfertige Lösungen oder kombinierbare Fertig- oder Halbfertigprodukte bereitstellen.

Die Aufgaben der DV-Abteilungen der Anwender werden sich damit immer weiter weg von eigenständiger, nur auf einem Betriebssystem aufbauender Entwicklung bewegen; gemeinsam mit der Fachabteilung müssen auf der Grundlage einer Systemanalyse exakte Spezifikationen in einer geeigneten Sprache erarbeitet werden, die die Auswahl eines geeigneten Produktes oder zu kombinierender Teile ermöglichen. Die eigentliche Programmentwicklung wird, wenn auch, nicht mehr in der heutigen Form, von Spezialisten bei DV-Herstellern und Software-Häusern vorgenommen werden, die ihrerseits die exakten Produktspezifikationen mit der DV-Abteilung diskutieren. Software-Produkte ihrerseits müssen

ebenfalls exakt und für eine solche Vorgehensweise geeignet beschrieben

sein.

Die DV-Abteilung wird dann eine vermittelnde Rolle einnehmen und aufgrund ihrer DV-Kompetenz und ihrer Kenntnis der Erfordernisse des eigenen Unternehmens den Zusammenhang herstellen zwischen dem Bedarf der Anwender und den von Spezialisten früher bereitgestellten oder neu zu entwickelnden Lösungen.

Günter Mußtopf, Prokurist der SCS-GmbH, Hamburg

Die Programmierer der 50er Jahre, versehen mit dem Image eines Genies oder Künstlers, bestaunt oder belächelt, programmierten ohne Hilfsmittel nur in Maschinensprache.

Das darauffolgende Jahrzehnt war die hohe Zeit der Einzelkämpfer. Die oft umfangreichen Programme wurden anfangs überwiegend in Assembler-Sprachen, später in höheren Programmiersprachen, wie Cobol und Fortran, geschrieben. Abgesehen von EDV-Wissen und mathematischen Grundkenntnissen mußte der Programmierer meist nur ein Anwendungsgebiet beherrschen.

In den 70er Jahren führten die steigenden Leistungen und die sinkenden Preise der Hardware von Offline- zu Online-Lösungen. Gleichzeitig erfolgt oft der Übergang von Einrechner- zu Mehrrechnersystemen und hierarchischen Netzen. Immer mehr Teilaufgaben und damit auch Anwendungsgebiete werden in einem" Programmsystem vereint. Damit war oft auch der Übergang vom Einzelkämpfer oder der kleinen Arbeitsgruppe "Gleichgesinnter" zu größeren, sehr heterogenen Teams verbunden. Viele der Großprojekte scheiterten mindestens in dem Sinn, daß die geplanten Kosten und Termine weit überschritten wurden.

Eine Steigerung des Leistungsumfangs der heute verfügbaren Programmiersprachen in den 80er Jahren ebenso wie der Übergang von Compilern zu Generatoren wird jedoch die Schwierigkeiten in einigen Anwendungsgebieten mildern. In erfolgreichen Projekten liegt der Anteil, der Codierungsarbeit am Gesamtaufwand für Software unter 10 Prozent. Die kritischen Schwachstellen liegen primär im Systementwurf (Hardware

und Software), im Programmtest und in der Softwarepflege.

Ein Ausweg aus der Softwaremisere der 70er Jahre ist nur über eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen EDV-Spezialisten und Informatikern auf der einen und Anwendern auf der anderen Seite möglich. Während die erste Gruppe für die Bereitstellung von Verfahren und Werkzeugen verantwortlich ist, realisiert die andere unabhängig und eigenverantwortlich die Anwendungsprojekte. Die technischen Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Einsatz von EDV-Systemen für Programmentwurf, -realisierung und -pflege sind bereits heute weitgehend gegeben.