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12.08.1988

Wie sieht die Zukunft des Rechenzentrums aus? Norbert Heinemann Leiter des Kommunalen Gebietsrechenzentrums Starkenburg (KGRZ), Darmstadt

Kommunale Gebietsrechenzentrum Starkenburg (KGRZ) nahm im Oktober 1970 seinen Betrieb und damit das Dienstleistungsangebot für die südhessischen Verwaltungen auf, zu einem Zeitpunkt also, als Batch-orientierte Betriebssysteme wie MFT und später MVS die Betriebsweise vorschrieben. Dies bedeutete einen hohen Manpower-Einsatz im Rechenzentrum. Automatisierungs- und Optimierungsprogramme standen kaum zur Verfügung.

Als die zu verarbeitenden Datenmengen progressiv anstiegen und die Verwaltungen als Herren der Daten direkteren und schnelleren Zugriff auf die Daten forderten, war die Einführung der Online-Verarbeitung zwangsläufig. Dies führte zu einem Bedarf an Hilfen zur Verbesserung der Verfügbarkeit, Betriebssicherheit und des Datenschutzes.

So wurden Programme zur Band-, Plattenplatz- und Outputverwaltung eingesetzt. So war es dem KGRZ beispielsweise möglich, dramatisch gestiegene Anforderungen mit nur unwesentlich steigender Personenzahl zu erfüllen. Schon Mitte der 7Oer Jahre war der Rund-um-die-Uhr-Betrieb mit all seinen Engpässen eine absolute Notwendigkeit, auch hier wird noch in drei Schichten gefahren. Aufgrund seiner speziellen Struktur des Arbeitsprofils hat sich das KGRZ nie für den Einsatz eines Produktionssteuerungs-programmes entscheiden können.

Heute sind die Vorarbeiten geleistet, um in Kürze eine Reduzierung des Schichtbetriebes zu erreichen. Durch eine sinnvolle Kombination von schnellen Platten, Kassettenbandeinheiten und verschiedenen Hilfsprogrammen sowie einer wesentlichen Änderung der internen Ablauforganisation wird ein hoher Anteil der Gesamtlast bedienerlos gefahren werden. Letztlich wird ein geringer Teil der RZ-Mitarbeiter den Datenfernverarbeitungs-Betrieb mit mehr als 700 Arbeitsplätzen betreuen, während der größere Teil sich um die verbleibende und kaum noch zu reduzierende Batch-Last kümmert.

Aus heutiger Sicht wird dies die personelle Basis der nächsten Jahre sein. Mit dieser Entwicklung ist auch die Notwendigkeit der Verbesserung der fachlichen Qualifikation verbunden, die Mitarbeiter sind gefordert, Weiterbildungsangebote zu nutzen. Für den motivierten Mitarbeiter ist dies sicher ein sehr positiver Aspekt. Die Zukunft des KGRZ liegt in der Rolle eines System- und Softwarehauses, in dessen Rechenzentrum all die Funktionen vereint sind, welche nicht wirtschaftlich zum Anwender delegiert werden können. Die Verknüpfung der zentralen Dienste mit der Intelligenz vor Ort und die Bereitstellung aller nötigen Betriebsmittel bestimmt die zukünftige Arbeitsweise unseres Hauses. An diesem Konzept wird heute sehr intensiv gearbeitet.

Dr. Georg Bayer

Leiter des Rechenzentrums der Technischen Universität Braunschweig

Zu einem Hochschulrechenzentrum gehören traditionell die Bereiche Systembetreuung, Maschinenbedienung, Anwendungsbetreuung, Kommunikation und eventuell weitere. Der Bereich der Maschinenbedienung hängt stark mit den Bereichen Systembetreuung und Kommunikation zusammen. Man kann sich Bestrebungen denken, diese Verbindungen weitgehend abzubauen und die Maschinenbedienung zu reduzieren. Würde man dann den Rechner, seine unmittelbare Umgebung und Bedienung noch "Rechenzentrum" nennen wollen? Nur wenn man das will, kann das Rechenzentrum der Zukunft zur One-Man-Show werden.

Ich sehe aber die oben genannten Bereiche weiterhin als integrale Bestandteile eines Hochschul-Rechenzentrums, bei anderen DV-Anwendern mögen die Schwerpunkte anders liegen, mag das Rechenzentrum anders definiert sein. Die Entwicklung des Rechenzentrums ist weiterhin breit und vielfältig.

Die Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter hängen von ihnen selbst ab und davon, wieweit es neben den Tagesaufgaben gelingt, den Entwicklungsnotwendigkeiten zu folgen. Für Maschinenbediener liegt die Zukunft dort, wo sie dem Anwender über die reine Maschinenbedienung hinaus Service bieten können. Das könnten einfache Wartungsaufgaben sein, Beratung für Kommunikation und andere. Das Rechenzentrum der Zukunft wird sich strukturell nicht sehr wandeln, seine bisherigen Aufgaben werden aber durch neue stark vermehrt, insbesondere in den Bereichen Systembetreuung und Kommunikation.

Bernd Lantermann

Geschäftsführer Cap Gemini Deutschland, München

Eigentlich läßt sich die Frage nach der RZ-Zukunft nur so beantworten: Es kommt darauf an! Es kommt darauf an, was man unter

dem Begriff "Rechenzentrum" subsumiert und was nicht. Es kommt darauf an, ob man eine der typischen IBM-Installationen betreibt, ob man ein Industriestandard-orientiertes RZ hat (Unix), ob man sich eine schlüsselfertige Lösung hat hinstellen lassen oder ob man dezentrale Anwendungen forciert (IDV). Es kommt auch darauf an, ob der Bedarf an RZ-Leistung so schnell wächst, daß er eine mögliche sinkende Tendenz beim Personalstand überkompensiert.

Schon diese wenigen Beispiele lassen erkennen, daß die Zahl der Einflußfaktoren, die es in Betracht zu ziehen gilt, enorm groß ist, zumal auch sie selbst alles andere als Konstanten sind und einer Entwicklung unterliegen. Eine Tendenzaussage ist dennoch möglich: Die Rationalisierung macht nirgends halt; und deshalb ist auch das RZ völlig zu Recht eines der Objekte der Rationalisierungs-bemühungen in den Unternehmen.

Die Praxis hat mit der Mechanisierung und Automatisierung der RZ-Abläufe schon längst begonnen - wenn man es genau nimmt, schon seit Jahrzehnten. Seit neuestem aber - deshalb ist die Frage nach der RZ-Zukunft auch ins Bewußtsein der Fachwelt gerückt - treffen mehrere Entwicklungslinien aufeinander, die allesamt den Trend zu Personaleinsparungen unterstützen, verstärken, beschleunigen.

Eine Auswahl:

- Es kostet immer weniger, Computerleistung zu erwerben. Es kostet immer mehr, Mitarbeiter zu beschäftigen und fortzubilden.

- Die Hard- und Softwaresysteme werden zusehends konsistenter und "kompatibler".

- Die Benutzeroberflächen werden komfortabler und gleichen sich immer mehr aneinander an.

- Am Markt sind bereits Standardpakete mit Expertensystem-Charakter erhältlich, die den Operator entlasten und partiell ersetzen.

- Die Anwendungsentwicklungssysteme einschließlich der Sprachen der vierten und fünften Generation haben einen Leistungsstand erreicht, der die unter dem Schlagwort "Anwendungsstau" bekanntgewordene Misere spürbar entspannen wird.

Dies und vieles andere bereitet der Rationalisierung den Weg. Wen also wird es treffen? Den Systemprogrammierer? Den Anwendungsprogrammierer? Den Organisator? Den Operator? ... Hier wird die Prognose extrem schwierig, da individuelle Besonderheiten und unvorhersehbare Sonderentwicklungen ins Kalkül mit einbezogen werden müßten. Daher nur der Erfahrungssatz: Die Rationalisierung "erobert" zunächst stets die Bereiche der einfacheren Tätigkeiten; und das würde bedeuten, daß sich in erster Linie die Operatoren Gedanken machen müßten. Aber wie gesagt - es kann auch anders kommen, völlig anders.

Festzuhalten aber bleibt: Jeder im RZ, der "wach" ist, der sich aktiv um seine berufliche Qualifikation kümmert, kann der kommenden Entwicklung getrost ins Auge sehen. Er hat, da die Bedeutung der Informationsverarbeitung noch zunehmen und eine steigende Nachfrage nach vernetzter Computerleistung auslösen wird, gute Karten, eine in jeder Hinsicht befriedigende Beschäftigung zu finden. Er muß ja nicht gleich Informationsmanager werden. Aber gerade auf diesem Niveau werden schon heute und erst recht in Zukunft viele gute Leute gebraucht.

Das RZ der Zukunft wird mehr noch als bisher ein lupenreiner Dienstleistungsbetrieb sein, der Computerleistung anbietet, in dem Menschen erst dann nicht mehr benötigt werden, wenn der Computer von sich aus "alles" kann und die Menschen ergo in einem Quasi-Schlaraffenland leben. Bis dahin braucht es noch ein Weilchen.

Hans-Peter Stöckl

Technischer Leiter des Rechenzentrums der Fachhochschule Furtwangen

Abhängig von den technologischen Veränderungen der "Computerwelt" muß die Existenz eines Rechenzentrums provozierend formuliert "in Frage gestellt werden". Der sowohl im kommerziellen als auch im technisch-wissenschaftlichen Bereich etablierte Moloch RZ mit seinen teuren Spezialisten und metastasisch beschafften Equipments ist so manchen Finanzbossen und Entscheidungsträgern schon lange ein Dorn im Auge.

Hat die "Intelligenz am Arbeitsplatz" der PCs und Workstations (vernetzt oder nicht) einen informationspolitischen Raum geschaffen, so sind auch triviale Dinge wie langfristige Planung und abteilungsübergreifende Add-on-Beschaffung in den Bereich des Spekulativen gerückt. Die vor etwa zwei Jahrzehnten aufgebaute Elfenbeinturmmentalität der RZ-Mannen trägt nicht unwesentlich zu dem nun zu hörenden Argument "Das können wir selber" bei. Diese Einstellung kann durchaus ein Alkahest für die Zukunft einer "Abteilung Rechenzentrum" sein.

Was kommt dann? Netzwerkspezialisten, Datenbankadministratoren, Systemmanager und Handy-Men "verteilen" sich im gesamten Unternehmen, lösen nach dem Leuchtturmwärterprinzip Probleme und werden vermutlich bei Investitionsplanungen ungehört bleiben.

Es liegt also heute an den RZ-Verantwortlichen, wie sie die Arbeit ihrer Crew innerbetrieblich "verkaufen" - denn eins ist sicher - man sollte aufhören von CIM zu reden, wenn nicht innerhalb eines Unternehmens eine gut geführte Gruppe (ein RZ also) herstellerunabhängig die Weichen für die Informationstechnik einer Organisation stellt und sich wirtschaftlichen Innovationen aufgeschlossen gegenüber zeigt.