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Grenzen der Standardisierung:


30.11.1979 - 

Wie universell ist Software von der Stange?

Der Umfang des ISIS-Katalogs schwillt von Jahr zu Jahr. Man sollte annehmen,

daß immer mehr Software von der Stange zur Verfügung steht. Schaut man sich dagegen die lnstallationszahlen an, so sind nur wenige Pakete mehr als fünfzigmal installiert.

Nur von wenigen Paketen kann also behauptet werden, daß sie sich universell als Software von der Stange bewährt haben. Wenn jedoch so viel Software zur Verfügung steht, warum hat sich dann der Kauf dergleichen noch nicht weiter durchgesetzt? Nur bei Systemsoftwareprodukten wurden bisher höhere Installationszahlen erreicht. Diese sind aber sehr oft nur der internationalen Verbreitung der Software zu verdanken. Systemsoftware berührt den DV-Anwender im Normalfall nicht. Aus diesem Grunde möchte ich meine Betrachtung auf Anwendungssoftware beschränken.

Trendwende

In den zurückliegenden 20 Jahren wurden viele Anwendungen auf den Computer übertragen. Während die Anwender der sechziger Jahre sehr stark dazu neigten, Fachabteilungen den Möglichkeiten der Datenverarbeitung unterzuordnen. Speziell, wenn es um die Übernahme bestimmter Arbeitsabläufe auf die Datenverarbeitung ging.

Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren umgekehrt. Die Datenverarbeitung wird zu einem Dienstleistungsbetrieb, der die Wünsche der Fachabteilungen erfüllen soll. Da diese Wünsche bei den meisten Unternehmen sehr vielfältiger Natur sind, bedingt diese Tatsache ein sehr allgemeines Software-Standardpaket, um allen Wünschen gerecht werden zu können. Ein umfangreiches Standardpaket bedeutet aber gleichzeitig, daß bei jeder durchgeführten Verarbeitung zahlreiche Programmzweige durchlaufen werden beziehungsweise selektiert werden müssen, die nur speziell für bestimmte Zusatzbedingungen geschrieben wurden. Ist also ein Softwarepaket gefunden, das alle Anforderungen erfüllt, so kann dieses bereits wieder ausscheiden, weil Kernspeicherbedarf und Verarbeitungszeiten aufgrund des Leistungsumfanges der zur Verfügung stehenden Computeranlage nicht durchgeführt werden können. Dort, wo ein Softwarepaket für eine Computeranlage geeignet ist und gute Durchlaufzeiten bietet, scheidet es vielleicht wieder aus, weil einige Anforderungen in diesem Paket nicht erfüllt werden können. Änderungen an einem Softwarepaket, um es hausinternen Wünschen anzupassen, sind jedoch sehr viel teurer, als wenn von vornherein ein auf die hausinternen Belange abgestimmtes System entwickelt wird.

Gibt es Software von der Stange?

Aus diesem Grunde bin ich der Meinung, daß es "richtige" Software von der Stange erst dann geben wird, wenn:

1. Zur Verfügung stehende CPU-Zeit und Kernspeicher keine Probleme mehr darstellen (selbst nach Ankündigung der letzten CPU-Neuheiten dürften auch in den nächsten Jahren hier noch Probleme liegen), und

2. die Software von außen gesteuert werden kann; das heißt über Parameter kann der Benutzer auf einfache Weise die von ihm gewünschten Bildschirm- und Listen-Layouts definieren. Aufgrund der vom Benutzer gestellten Anforderungen baut dieses System selbst seine Datenbanken auf.

Ein Softwarestandardpaket muß sehr stark interpretativ arbeiten. Aus diesem Grunde muß unbedingt die unter Punkt eins erhobene Forderung erfüllt sein. Um Daten künftig variabler speichern zu können, wird man sicherlich auch die nächste Generation von Datenbanksystemen abwarten müssen (Relational Databases). Erst dann wird es möglich sein, universelle Software von der Stange zu liefern.

Heute müssen die Grenzen der Standardisierung dort gezogen werden, wo der Anwender seinen Anforderungskatalog mit den Möglichkeiten der angebotenen Software vergleicht. Er muß hier die Entscheidung treffen, ob er vielleicht ein Standard-Softwarepaket einsetzt, das nur 80 Prozent seiner Anforderungen erfüIlt, oder ob er sich für eine Eigenlösung entscheidet, mit der er vielleicht 96 Prozent der Anforderungen in der Fachabteilung abdecken kann.

Stärker als bisher sollten Anwender künftig jedoch die Wartungskosten eines Systems bei Standard-Software-Entscheidungen berücksichtigen. Setzt man die gesamten Entwicklungskosten bis zur Übergabe eines Systems in die Produktion mit 100 Prozent an, so sind die Folgekosten während der normalerweise vier bis sechs Jahre befragenden Laufzeit eines Anwendungssystems mit 200 bis 400 Prozent anzusetzen. Würden bei der Entscheidungsfindung die Wartungskosten bereits vorher berücksichtigt werden, die bei einem Standardpaket sicherlich niedriger anzusetzen sind als bei einem selbstgeschriebenen System, so wären in der Vergangenheit sicherlich entsprechend mehr Entscheidungen für "Software von der Stange" ausgefallen.

*Ernst H. Kelting ist Geschäftsführer der MSP Manageinent Software Products GmbH.