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12.03.1999 - 

Wie verdient man an E-Commmerce?

Wie verdient man an E-Commmerce? Herstellerkonzepte für das Geschäft im Web

MÜNCHEN (gfh) - Unternehmen, die im Internet Geschäfte machen, ohne draufzahlen zu müssen, sind bisher rar. Für die großen Dienstleister und Hersteller, die ihren Kunden E-Commmerce- Lösungen aufdrängen, sieht die Situation weit rosiger aus.

Dienstleister wie Andersen Consulting verdienen sich mit der Einführung von E-Commerce-Projekten eine goldene Nase, die ihren Kunden zumindest derzeit oft rote Zahlen bescheren. Unter den Computerherstellern hat insbesondere der Internet-Propagandist Sun profitiert. Während die Server-Umsätze 1998 bei IBM und HP um zehn beziehungsweise 18 Prozent stiegen, konnte der Java-Erfinder um 30 Prozent mehr verkaufen. Auch Netzspezialist Cisco holt sich mit seinen Komponenten ein Stück vom E-Commerce-Kuchen. Unter den Branchengrößen verdient nur Microsoft in größerem Stil direkt am Verkauf via Web.

Gebrauchtwagen von Microsoft

Im Zentrum von Microsofts E-Commerce-Strategie steht das als proprietärer Online-Dienst gescheiterte Microsoft Network (MSN). Von dort aus werden Finanzdienstleistungen, Reisen, Grundstücke, Häuser und Autos verkauft. Die Gates-Company verdient dabei an jeder Transaktion. Dieses Geschäftsmodell soll darüber hinaus Kunden über die MSN-Dienste dauerhaft an Microsoft binden, so daß auch das Kerngeschäft mit Betriebssystemen und Anwendungen gestärkt wird. Diese kann man neuerdings über den Microsoft- Online-Shop http://shop.microsoft.com beziehen. Darüber hinaus ist das Unternehmen dabei, mit Qualcomm E-Commerce-Lösungen für kabellose Netze zu entwickeln. Doch das ist ebenso Zukunftsmusik wie das eben angekündigte "E-Commerce for Everyone", das mit einem XML-fähigen Server-Framework, E-Commerce-Lösungen und weiteren Features bis hin zur Lieferketten-Integration lockt.

Siemens: E-Commerce macht Hardware sexy

Im Produktbereich von Siemens macht man kein Hehl daraus, daß E- Commerce vor allem interessant ist, um darüber Rechner, Netzkomponenten und Geräte wie Web-fähige Handies zu verkaufen. Die eigentlichen E-Commerce-Lösungen entstehen unter dem Schlagwort "E-Speed" im Dienstleistungs-Bereich Siemens Business Services (SBS). Dort werden auf Basis von Softwarelösungen von Partnerunternehmen E-Commerce-Projekte beim Kunden geplant, umgesetzt und - so ein wichtiges Ziel - auch betrieben. Daneben versucht sich Siemens mit eigener Infrastruktur einen Namen zu machen. Zu nennen ist hier die Internet-Entwicklung auf Basis des Stromnetzes. Generell räumt das Unternehmen jedoch ein, daß im Internet-Bereich noch Lücken sind, die jetzt durch die Neuordnung des zuständigen Siemensbereichs und den Zukauf kleiner, aber innovativen Firmen geschlossen werden sollen.

Für die erste Akquisitionswelle in den USA hat Siemens rund 600 Millionen Dollar vorgesehen. Außerdem ist eine Beteiligung an der amerikanischen Netz-Company 3Com im Gespräch, mit dem die Münchner bereits ein Joint-venture für Multimedia-Netze verbindet.

Andersen: Technik für mehr Geschäft

Das Dienstleistungsunternehmen Andersen Consulting verfolgt einen umfassenden E-Commerce-Ansatz auf Basis von Hard- und Softwarekomponenten aus der IT-Industrie. Das Unternehmen integriert Geschäftsstrategien, Technik, Abläufe und die Mitarbeiter seiner Kunden. Daneben unterhält es Zentren, in denen Kunden ihre E-Commerce-Lösungen testen können. Diese Kernbereiche des E-Commmerce-Geschäfts werden durch die Einbindung anderer Bereiche wie das Management von Kundenbeziehungen und Zulieferketten des Unternehmens generell erweitert. Die Technik dient in diesem Konzept dazu, Geschäftsideen von Kundenunternehmen möglichst rasch und preisgünstig umzusetzen. Um hier die Erfolgsquote zu erhöhen, ist Andersen eine Reihe von Technologiepartnerschaften mit Firmen eingegangen, die Lösungen zum Beispiel für die Reisebranche oder das Customer-Relationship- Management beisteuern.

Bei IBM ist alles E-Business

IBM hat es geschafft, mit dem Marketing-Begriff E-Business Aufsehen zu erregen. Inzwischen offeriert das Unternehmen kaum mehr ein Produkt oder eine Dienstleistung, die ohne dieses Etikett auskommt. Doch selbst nach eigener Einschätzung ist es bislang nicht gelungen, daraus im Produktgeschäft Kapital zu schlagen. Insbesondere bei Entwicklungs-Tools und Infrastruktursoftware hinkt Big Blue Netscape und Microsoft hinterher. Besser sieht es bei der Hardware aus, dort ringt IBM mit HP und Compaq um die Marktführerschaft. Diese Probleme rühren nicht zuletzt daher, daß E-Business als Begriff zu vage ist, um tatsächlich Kunden anzulocken. Die Stärke der IBM liegt jedoch in der Fähigkeit, fast jede auf dem Markt verfügbare Technik mit bestehenden Geschäftsanwendungen und DV-Infrastrukturen integrieren zu können. Die auch intern geführte E-Business-Kampagne erhöht zudem das Bewußtsein, als Dienstleister dem Kunden nicht nur Technik, sondern Lösungen für deren Geschäftsideen anzubieten. Im Grunde verfolgt Big Blue im E-Commerce-Geschäft dasselbe Konzept wie der firmenintern oft als Hauptkonkurrent betrachtete Dienstleister Arthur Andersen. Ihm gegenüber hat IBM jedoch den Vorteil eigener Hardware und damit einer umfassenden eigenen Produktpalette für den Handel im Web.

Compaq/Digital verkauft Web-Hardware en masse

Mit der Übernahme von Digital Equipment (DEC) hat Compaq die Ausgangsposition für seine E-Commerce-Strategie drastisch verbessert. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, Web-fähige Rechner von Palmtop bis zum Superrechner zu verkaufen. Digital hat zu dieser Strategie die High-end-Systeme geliefert. Nach Unternehmensangaben sind schon jetzt rund 45 Prozent aller Web- Server Compaq-Digital-Rechner. Ansonsten engagiert sich Compaq auf möglichst vielen E-Commerce-Feldern. So will der Konzern mit Projekten und Fertigangeboten im Lösungsgeschäft mitmischen. Dank der mit DEC erworbenen Suchmaschine Altavista hat Compaq zudem gute Chancen, ein Web-Portal erster Güte zu etablieren. Als eigenständiges Unternehmen soll Altavista zudem überall auf der Welt lokale Portal-Sites aufbauen und Electronic Shopping ermöglichen. Schließlich experimentiert der Hardwarehersteller auch noch mit neuen Konzepten wie dem via Internet angebotenen kostenlosen Internet-PC, den nicht die Endkunden, sondern ein Werbepartner zahlt. Als problematisch erweist sich jedoch das Konzept der kürzlich gegründeten Konzerntochter Compaq.com, PCs direkt via Web zu verkaufen, weil die Händler mit Ladengeschäft darin eine gefährliche Konkurrenz sehen.

Zusatzgeschäft mit Cisco-Komponenten

Cisco Systems gehört zu den bedeutendsten Herstellern von Netzkomponenten. Im Bezug auf das Internet versteht sich das Unternehmen als Anbieter von Infrastruktur für "Networked Commerce". Um diese Rolle spielen zu können, umgibt sich Cisco mit Partnern, die E-Commerce-Lösungen auf Basis ihrer Produkte anbieten. E-Commerce ist für den Hersteller insofern lediglich ein Hebel, um für eine höhere Nutzung von Cisco-basierten Netzen zu sorgen. Darüber hinaus gehört das Unternehmen aber auch zu den treibenden Kräften hinter der Internet-2-Initiative und kauft gezielt Firmen, die sich auf Sprachübertragung auf Basis des Internet Protocol (IP) spezialisiert haben. Außerdem hat Cisco eine Internet Business Solution Group (IBSG) geschaffen, in der das Unternehmen seine E-Commerce-Erfahrungen mit Partnern wie Cambridge Technologies, Ernst & Young sowie KPMG austauscht, die wiederum Cisco-Komponenten bei ihren Projekten verwenden.

Infrastruktur von Sun Microsystems

Als einer der eifrigsten Internet-Propagandisten liefert Sun vor allem die Infrastruktur, auf der E-Commerce möglich wird. Neben der unausweichlichen Java-Technik zählen dazu Rechner, vielerlei Endgeräte, Middleware wie Application Server und seit dem Kauf von Netscape durch AOL auch Netscapes E-Commerce-Produkte. Von möglicherweise noch größerer Bedeutung sind die Kontakte zu den Anbietern betriebswirtschaftlicher Software. Die meisten R/3- Implementierungen laufen auf Sun-Systemen, die aber auch die Konkurrenten Oracle, Peoplesoft und Baan oft als Referenzplattform verwenden. Die Integration dieser Softwarepakete in E-Commerce- Lösungen - etwa mit Hilfe von Suns Applikations-Server - gehört zu den Hauptaufgaben bei derartigen Projekten.

Oracle: Anwendungen und Daten via Web

Oracle gehört mit der NC-Idee zu den Internet-Pionieren. Das große Interesse an diesem Bereich rührt daher, daß es beim Internet aus Sicht des Unternehmens um die Allgegenwart ungeheurer Informationsmengen geht. Das Unternehmen hält sich nun als Datenbank-Marktführer für berufen, diese Informationen schneller und besser zur Verfügung zu stellen als die Konkurrenz. In den USA ist Oracle zudem ein wichtiger Anbieter von betriebswirtschaftlicher Software, die künftig über Browser als Dienstleistung angeboten werden soll. Außerdem bietet Oracle E- Business-Programme für den Einkauf und für die Rechnungslegung an. Dieses Know-how vertieft der Anbieter durch den Zukauf von Branchenlösungen. Insgesamt positioniert sich Oracle damit als Anbieter von konkreten E-Commerce-Anwendungen.

EDS spezialisiert sich auf die Industrie

Der Dienstleister Electronic Data Systems (EDS) hat seine Aktivitäten für das Geschäft im Internet in der Electronic Business Strategic Business Line gebündelt. Dieser Geschäftsbereich wendet sich an Industriebetriebe und verspricht mehr Profit durch E-Commerce. Zum Angebot von EDS gehören

- interaktive Marketing-Dienste (Entwicklung neuer Vertriebskanäle für neue Märkte),

- digitaler Handel (Anbindung von Kunden und Zulieferern) und

- IT-Infrastruktur-Dienste (Design, Implementierung und Betrieb von Intra- und Extranets inklusive Mainframe-Integration).