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21.05.1999 - 

Am 1. Januar 2000 wird Bilanz gezogen

Wie wirkt sich ein gescheitertes Y2K-Projekt auf die Karriere aus?

SAN MATEO (IDG) - Am 1. Januar 2000 wird sich zeigen, ob die Projekte zur Datumsumstellung, kurz Y2K genannt, gelungen sind. Johan Rindegard befragte für die US-amerikanische CW-Schwesterpublikation "Infoworld" IT-Experten zu den Konsequenzen, die Erfolg oder Mißerfolg auf die Karrieren der veranwortlichen Informiker haben könnten.

"Geht ein Jahr-2000-Projekt schief, richten sich die Konsequenzen nach der Ursache des Mißerfolgs", meint Alan Russell, ein leitender IT-Spezialist bei Air Products and Chemicals in Allentown, Pennsylvania. "Hat das Unternehmen keinen strikten Zertifizierungsprozeß durchgemacht, liegt die Schuld in der IT-Abteilung", so Russell. Sei das Problem indes auf einen Programmierfehler zurückzuführen, der behoben werden kann, wäre angesichts des Umstellungszeitdrucks eine gewisse Toleranz gegenüber Ungenauigkeiten angebracht. Finde sich der Fehler in Bereichen, die nicht umbedingt der IT-Abteilung zugeordnet sind - etwa in Embedded Systems -, werde es schwierig, den Informatikern die Schuld in die Schuhe zu schieben - selbst dann, wenn sie tatsächlich dafür verantwortlich sein sollten.

Die Reaktion auf nicht pünktlich fertiggestellte Umstellungsprojekte und deren Auswirkungen auf die Karriere einzelner Mitarbeiter hängen nach Ansicht von Bob Cohen vom Management ab. Für den Vice-President of Communications bei der Information Technology Association of Amerika in Arlington, Virginia, ist die Unternehmenskultur auch ausschlaggebend für das Gelingen oder den Mißerfolg von Y2K: "Gut geführte Betriebe haben das Risiko gesenkt, indem sie ausreichend Mittel, Zeit sowie Verhandlungsspielraum gewährten. Unternehmen können von ihren Angestellten nur dann gute Arbeit verlangen, wenn sie selbst effektiv organisiert sind."

Schlecht geführte Betriebe gehen indes das Risiko des Mißerfolgs ein. Schuld daran sind nach Cohens Beobachtung das Fehlen funktionierender Arbeitsabläufe, weniger Geld, knappe Zeitvorgaben und ein enormer Druck auf die IT-Mitarbeiter - ohne Rücksicht auf die Folgen. "Gerade diese Unternehmen", so Cohen, "betrachten das Y2K weniger als ein Management-Problem und neigen dazu, die Schuld auf andere abzuwälzen."

US-Analyst: Kaum ein Profi wird seinen Job verlieren

Stellt sich die Frage, ob beim Auftauchen von Y2K-Fehlfunktionen die Karrieren von Projektmitarbeitern gefährdet sind. Massenweise Entlassungen wird es angesichts der Knappheit von IT-Spezialisten nicht geben. Bei der Prognose für einzelne Mitarbeiter, die durch das Scheitern der 2000-Umstellung die Geschäfte lahmlegen, gehen die Meinungen auseinander. Nach der Vorhersage von Lou Marcoccio von der Gartner Group in Westboro, Massachusetts, wird kaum ein IT-Experte seinen Job verlieren: "Die Nachfrage ist zu groß. In zwei Jahren werden bereits 55 Prozent der erforderlichen IT-Fachkräfte fehlen." Möglicherweise werden Unternehmen, in denen Y2K-Fehler auftreten, diese Probleme angesichts des großen Projektumfangs als weniger gravierend einstufen. "Die meisten Betriebe sehen genau die enormen Anstrengungen und Opfer, die die Mitarbeiter für das Y2K-Projekt erbracht haben", so Marcoccio. Sie würden daher nicht zu Sündenböcken abgestempelt werden.

Einige Beobachter gehen davon aus, daß so manche Schuldige am Scheitern des Projekts einfach zur Tagesordnung übergehen. "Projekt-Manager sind bekannt für ihr Talent, Niederlagen als Siege zu verkaufen", so Dick Mills, Kolumnist der Online-Publikation "Westergaard Online" ironisch. "Sie erklären das Projekt zum überwältigenden Erfolg und starten sofort mit dem nächsten Vorhaben, das alles in den Schatten stellt." Jeder im Unternehmen stimme schnell zu, weil niemand etwas mit Mißerfolgen zu tun haben wolle.

Es gibt jedoch auch Warnungen. "Auch wenn man die Schuld am Scheitern der Umstellung nicht offiziell einem Mitarbeiter zuschiebt", schätzt Russell, "haftet doch der Makel eines mißlungenen Projekts - gerade von solch sichtbarer Tragweite - an seiner weiteren Laufbahn." Auch wenn nicht offen darüber geredet werde, sei alles über den Berufsweg bekannt. Die Aura des Versagens sei deshalb nicht mehr aufzulösen.

Alles in allem ist es schwierig, präzise vorherzusagen, wie sich Mißerfolge bei Y2K-Projekten auf die Karriere einzelner Mitarbeiter auswirken. Genauso unbekannt ist indes, inwieweit erfolgreiche Jahr-2000-Projekte zu einem Karriereschub führen. Marsha Woodbury, Director of IT an der University of Illinois, ist skeptisch: "Jeder, der dieses Projekt erfolgreich leitet, wird dennoch unterbewertet." Marcoccio dagegen sieht beste Karrierechancen für erfolgreiche Y2K-Mitarbeiter: "Gute Informatiker werden immer heiß begehrt sein.