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12.01.1979 - 

Kosten-Nutzen-Analyse des Distributed Processing

Wiftschaftlichkeitsrechnung generell unterentwickelt

Von Professor Dr. A.-W. Scheer*

SAARBRÜCKEN - Nach einer soeben an meinem Lehrstuhl durchgeführten Untersuchung begründen 72 Prozent der befragten Großunternehmungen die Einführung von Distributed Processing- oder "Computer am Arbeitsplatz"-Systemen mit Kosteneinsparungen. Dagegen steht, daß 62 Prozent der Befragen den Stand der Wirtschaftlichkeitsrechnung bei EDV-Systemen für unzureichend erklären. Es stellt sich die Frage, auf welche Weise die Unternehmungen ihre Zielsetzung bei der Planung von DP-Systemen erreichen können, wenn sie nicht in der Lage sind, die Wirtschaftlichkeitsaspekte bei den Auswahlentscheidungen korrekt zu erfassen.

Auch Hersteller von EDV-Systemen geben nur in geringem Maße Unterstützung bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung. Zwar werden Programme zur Netzgestaltung und zur Ermittlung von Datenübertragungskosten angeboten; diese helfen aber nur bedingt. Ungeklärt bleibt beispielsweise, welche Hardware eingesetzt und welche Daten und Aufgaben wo gespeichert und gerechnet werden sollen.

Die grundsätzlichen Fragen bei DP-Systemen sind dabei nicht unbedingt EDV-spezifisch, sondern es geht um die alte Fragestellung, ob dezentral oder zentral organisiert werden soll. Aber auch diese Feststellung ist wenig hilfreich, da die Entscheidungen über Organisationsstrukturen in der Regel auch

nicht von detaillierten Wirtschaftlichkeitsrechnungen untermauert werden. Hier weist die Organisationslehre ein Manko auf; sie behilft sich mit der Aufzahlung und Beschreibung der Einflußgrößen. Diese sind auch für DP-Systeme schnell aufgezählt:

Für zentrale Datenverarbeitung sprechen:

- geringere Hardware- und EDV-Personalkosten durch Ausnutzung von Größendegressionen,

- größere Fähigkeiten des Systems,

- bessere Auslastung durch Ausgleich von Bedarfsschwankungen,

- leichtere Wartung wegen der örtlichen Konzentration,

- höheres Qualitätsniveau der EDV-Mitarbeiter,

- stärkere Integration der Datenverarbeitung.

Für dezentrale Datenverarbeitung sprechen:

- stärkere Einbeziehung des Endbenutzers und damit stärkere Motivation zur Nutzung der EDV,

- stärkere Ausnutzung des Wissens von Anwendungsexperten,

- Einsatz billiger Minicomputer unterschiedlicher Hersteller,

- Möglichkeit der Kapazitätsvariation in kleineren Einheiten,

- Verringerung der Systemantwortzeiten,

- Erhöhung der Systemzuverlässigkeit.

Mit der Aufzählung dieser Punkte ist aber die Entscheidung für eine der beiden strengen Alternativen noch nicht getroffen, geschweige denn eine Mischform, wie es das Distributed Processing ist,

gestaltet. Vielmehr müssen die aufgeführten Gesichtspunkte bewertet und zueinander in Beziehung gesetzt,

das heißt gewichtet werden.

Geeignetes Instrument

Hierzu ist die Methode der Kosten-Nutzen-Analyse auf den ersten Blick ein geeignetes Instrument.

Da die Gewichtung der Alternativen häufig auf Schätzungen beruhen, ergeben sich bei ihr aber vielfältige

Möglichkeiten, eine bereits vorgefaßte Meinung über den Ausgang des Entscheidungsprozesse zu "objektivieren". Die Kosten-Nutzen-Analyse setzt weiter voraus, daß die möglichen DP-Organisationsformen bekannt sind; nur dann können sie bewertet werden. Sie hilft also nicht bei der Gestaltung der Alternativen selbst, so daß man nicht sicher sein kann, eine der besten Alternativen erfaßt zu

haben.

Auch macht sich die generelle Unterentwicklung der Wirtschaftlichkeitsrechnung im Verwaltungsbereich bemerkbar. Es kann nicht auf die lange Tradition und die ausgearbeiteten Systeme von Kosten- und Investitionsrechnung zurückgegriffen werden, wie sie für den Produktionsbereich existieren.

So werden bei der Alternetivenbewertung häufig elementare Fehler gemacht, in dem zum Beispiel entscheindungsunabhängige (fixe) Kosten einbezogen werden.

Neuland betreten

Daß durch die rasche EDV-Entwicklung das bestehende Instrumentarium der Wirtschaftlichkeitsrechnung bei weitem überfordert wird, ist nicht verwunderlich.

Bei einer rationalen Entscheidungsfindung muß deshalb auch Neuland bei der Anwendung von Entscheidungshilfen betreten werden. So können etwa Simulationsstudien bei der Gestaltung der Organisationsstruktur helfen. Mit ihnen können einmal Auswirkungen auf die Anzahl der benötigten Arbeitsplätze und andere Kostenwirkungen wie Lagerbestände und Durchlaufzeiten relativ exakt ermittelt werden. Zum anderen gestatten sie es, daß eine größere Anzahl von Alternativen untersucht wird. Dadurch wird die Qualität des Entscheidungsprozesses erheblich verbessert.

Mit der Anwendung derartiger Verfahren sind allerdings größere Aufwendungen verbunden. Und hier zeigt sich die Crux: Will man für ein so kompliziertes Entscheidungsproblem, wie es die Gestaltung von Organisationsformen des Distributed Processing nun einmal ist, Entscheidungshilfen heranziehen, so ist man auf die Anwendung komplizierter und aufwendiger Verfahren angewiesen.

Trotzdem: Kosten im Stadium der Voruberlegungen sind besser angelegt als spätere Änderungs- und Folgekosten einer falsch getroffenen Entscheidung. Denn bei falscher Systemgestaltung bedeutet Distributed Processing lediglich Distributed Problems.

Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.