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06.07.1984

Wildwestroman der Mikrocomputerbranche

Einer Marketing-Weisheit zufolge fühlen sich DV-Anwender bei IBM - und an IBM-Computern - geborgen, denn "in der Masse stirbt's sich leichter". Wie es scheint, beginnt bei einem Teil der Klientel, nämlich dem PC-Interessentenkreis, die Freude am - bloß theoretisch möglichen - Gruppenuntergang nachzulassen. Man gehört schließlich zu den Individualbenutzern.

Mit spürbaren Aussetzern laufe derzeit der Verkauf des "Personal Computers" (PC), hört man aus den Vereinigten Staaten, wobei sich Marktanalysten darüber einig sind, daß die PC-Flaute nicht nur jahreszeitlich bedingt ist (das vielzitierte Sommerloch!), sondern auch auf eine gewisse Marktsättigung zurückgeführt werden kann.

Das heißt: Wer auf Teufel komm raus zu den ersten IBM-PC-Benutzern gehören wollte, ist bereits abgefrühstückt. Einhelliges Urteil: Die Zeit der stürmischen Expansion des PC-Marktes ist erst einmal vorbei. Tatsache ist, daß im Januar 1984 jeder vierte über den amerikanischen Computerhandel verkaufte Mikro aus IBM-Produktion stammte, im März dagegen nur noch jeder sechste das IBM-Emblem trug. Mit einer Verdreifachung der Produktionskapazität für den PC (geplanter Ausstoß in diesem Jahr: rund zwei Millionen Einheiten) hatte die IBM eindeutig nicht das Gefühl für das richtige Maß und optimales Timing.

Als Folge sind die PC-Vertriebskanäle verstopft, ordern die Händler zurückhaltender. Neue Komplikationen drohen, nachdem bekanntwurde, daß ein PC-Nachfolger, genannt "PCI", schon im Herbst 1984 auf den Markt kommen soll (Seite 1). Daß in den USA die Preise für sämtliche PC-Modelle um bis zu 23 Prozent gesenkt wurden, kann wohl nur als Gegensteuern einer alarmierten IBM, als Ankurbelungsmaßnahme gewertet werden.

Der Sachverhalt offenbart zweierlei: Zum einen stößt die Akzeptanz der sogenannten "Personal Computer" schneller an Grenzen, als selbst die sonst so prognosesicheren IBM-Strategen vorausahnen konnten. Zum anderen sind die Preissenkungen des Marktführers ein Signal für die Anbieter IBM-kompatibler Systeme, den Gürtel enger zu schnallen.

Die PC-Nachahmer werden in jedem Fall Preiskorrekturen vornehmen müssen, einige - wie Eagle, Corona, Columbia oder Leading Edge - haben dies bereits getan. Solche Anpassungen sind ohne Verlustrisiko natürlich nur möglich, wenn genügend Luft ist in den Mikrocomputerpreisen. Gerade dies aber muß, was die Kompatiblen betrifft, mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Es ist ja nur zum Teil so, daß die Compaqs und Coronas von der relativen Schwäche des Marktführers profitieren, der ja immer noch zulegt, nur eben nicht so viel, wie ursprünglich festgelegt. Nutznießer sind überdies Apple oder Wang - und das tut der IBM besonders weh. Vor diesem Hintergrund bekommt die Preissenkung ein anderes Gewicht. Die Konsequenz, auf die man sich einzurichten hat, heißt Marktbereinigung. Das PC-Omnium (". . . und raus bist Du") kann gestartet werden.

Bisher galt: Die PC-Story ist der Wildwestroman der Mikrocomputerbranche. Man erkennt die Starken an der IBM-PC-Kompatibilität, die Schwachen an der "Originalität" - und am Schluß siegt immer die IBM. Dies ist freilich, wie die jüngsten Ereignisse um IBMs Kleinsten zeigen, noch längst nicht ausgemacht.