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13.05.1988

Wilhelmshavener Softwarehaus will stärker in die Rüstungsbranche einsteigen:ADVOrga vertraut auf Verteidigungsaufträge

13.05.1988

MEPPEN/MÜNCHEN - Mit militärischer Unterstützung will sich die ADV/Orga gesundstoßen: In unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Waffenerprobungsstelle der Bundeswehr entsteht im emsländischen Meppen das "Competence Center Informatik". Schon 1989 erwarten die Wilhelmshavener Softwerker ein Geschäftsvolumen von 30 Millionen Mark; als Partner werden Rüstungsbetriebe gesucht.

"Auf Abstieg programmiert", "ADV/Orga hat sich verprogrammiert - solche Schlagzeilen sollen künftig nicht mehr in der Wirtchaftspresse zu lesen sein, wenn es nach Helmut Merkel geht. Das Vorstandsmitglied der ADV/Orga F.A. Meyer AG bedient sich dazu eines Rezepts, das auch in den USA als probat gilt: Die zuverlässigsten Aufträge sind die des Militärs. Deshalb will Merkel nun im Rüstungsgeschäft expandieren, und zwar mit Rückendeckung aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB). Zu dieser Behörde bestehen gute Kontakte: ADV/Orga ist einer der wesentlichen Softwarepartner der Bundesmarine.

Die Finanzierung des Projekts ist gesichert - und zwar mit Garantien von staatlicher Seite. Staatssekretär Professor Manfred Timmermann von der Bonner Hardthöhe kündigte laut Lokalzeitung "Meppener Tagespost" an, daß mit Investitionen in einer Größenordnung von bis zu 40 oder 50 Millionen Mark entsprechend dem "schrittweisen Aufbau" gerechnet werden könne.

Zunächst werde die Meppener Einrichtung als Pilotprojekt uneingeschränkt unterstützt. Was an privatwirtschaftlicher Finanzierung nötig ist, kommt auch nicht von den Wilhelmshavenern allein, denn Elektronik- und Waffenhersteller, etwa MaK, Krauss-Maffei, Dornier oder MBB, sollen als Gesellschafter beteiligt werden.

ADV-Vorstand Merkel: "Seit Jahren sehen wir doch, wo die Entwicklung hingeht. Die Waffensysteme werden intelligenter, die Elektronik verschmilzt damit. Große Turnkey-Projekte können wir nur dann abwickeln, wenn wir das Elektronik-, das Hardware- und das Softwarewissen zusammenbringen." Ursprünglich hatte das Militär die Absicht, in Meppen eine Einrichtung in eigener Regie anzusiedeln. Aus dem Plan einer Wartungswerkstatt für den "Leo" wurde das Konzept einer wehrtechnischen DV-Dienststelle - die bis dato "materialorientierte" Erprobungsstelle braucht Software-Know-how. Aus eigener Kraft - so gab auch der Bonner Staatssekretär in Mappen der Tagespresse zu Protokoll - sei so ein Vorhaben für die Bundeswehr nicht mehr zu schaffen, weswegen nur der Ausweg bleibe, die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu intensivieren. Kooperationen in ähnlicher Form sind nicht neu; so hat das Beschaffungsamt bereits bestimmte Dienstleistungsfunktionen in privater Form "ausgegründet" - sprich: nicht hoheitliche Aufgaben an Unternehmen übertragen.

Software könne zwar von Privaten entwickelt werden, erklärt Merkel, ihre Pflege aber sei von militärischem Personal zu übernehmen. In der Praxis geht es hier allerdings eher um das Dienstverhältnis als um den Einsatzort: Bundeswehrmitarbeiter und Privat-Softwerker werden gemeinsam im CCI arbeiten; schon heute beschäftigt ADV/Orga Ex-Zeitsoldaten, die einst an Bundeswehrhochschulen studiert haben.

Obwohl im Rüstungsbereich in der Regel Sicherheit vor Ausschreibung geht, sprechen die Beteiligten von "echten Einsparungsansätzen". Merkel, der statt von Ausschreibungen von "öffentlichen Vergabeverfahren" spricht, sieht die Rationalisierung darin, daß das Zentrum entgegen bisheriger Praxis bereichsübergreifend arbeiten soll: sowohl für Marine als auch für Heer und Luftwaffe. Es gehe darum, so Merkel, "die bestehenden Ansätze auf den verschiedenen Gebieten zu verallgemeinern".