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27.06.2006

Will Oracle Red-Hat-Linux übernehmen?

Wenn Larry Ellison sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er nicht mehr locker. Diese Eigenschaft haben Mitarbeiter, Kunden, aber vor allem Konkurrenten immer wieder erleben dürfen. Dieses Mal geht es um Linux. Schon im April hatte er gegenüber der Presse erklärt, Oracle fehle eine eigene Linux-Distribution. Jetzt hat er noch einmal nachgelegt (siehe Seite 1) und Red Hat ins Visier genommen. In einem Pressegespräch machte er keinen Hehl aus seinem Interesse an der Red-Hat-Distribution und wies außerdem darauf hin, dass Linux-Produkte kein Urheberrechtsschutz genießen. „Wir könnten das ganze Red Hat System nehmen und sagen, jetzt übernehmen wir das. Red Hat könnte nichts dagegen tun, außer einen besseren Support anzubieten als wir.“

Diese Äußerungen kommen sehr nahe an die Ankündigung einer „kalten“ Übernahme heran. Entweder will der Oracle-Boss Red Hat selbst und die Enterprise-Kunden des Unternehmens mit solchen Aussagen verunsichern oder er hat tatsächlich vor, sich die Red-Hat-Distribution einzuverleiben. Einen Testballon zumindest hat er mit dieser Attacke steigen lassen. Wenn die Branche ob seines skrupellosen Vorgehens über ihn herfällt oder seine Rechtsanwälte ihn bezüglich des geistigen Eigentums anders belehren, kann er immer noch einen Rückzieher machen und sagen, man habe ihn falsch verstanden. In der Tat drückte Ellison sich vage aus. Auf die Frage, ob Oracle Red Hat übernehmen wolle, sagte er weder ja noch nein, sondern führte den mangelnden Support für Enterprise-Kunden ins Feld.

Letzteres bestreitet Red Hat vehement. Dirk Kissinger, Senior Manager EMEA Marketing von Red Hat, versucht den Ball flach zu halten, wenn er sagt, dass Red Hat „zur Zeit nicht abschätzen könne“, worauf Ellison mit der Ankündigung, ein Support Center für Red Hat Enterprise Linux aufzubauen, abziele.

Mit einer Einschätzung können wir weiter helfen: Ellison will ein Betriebssystem um seine Vision vom kompletten Software-Stack für Oracle erfüllt zu sehen, der vom Betriebssystem über Datenbanken, Middleware bis hin zu den Applikationen reicht. Es stellt sich aber die Frage, ob er die Rechnung nicht ohne den Open-Source-Wirt gemacht hat. Wer sagt ihm denn, dass sich die Anwender mit einem „Oracle Red Hat“ anfreunden können und nicht eine andere Distribution suchen, die nicht komplett in der Hand eines mächtigen Anbieters liegt?

Diese Kolumne finden Sie auch im Blog der COMPUTERWOCHE unter blog.computerwoche.de. Dort können Sie Ihre Meinung abgeben und sofort veröffentlichen. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.