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Willkommene Boesewichte

18.02.1994

Es ist schon ein Kreuz, das Softwarehaeuser derzeit tragen muessen. Nicht nur, dass enger werdende Maerkte und kontinuierlich sinkende Margen an den Kraeften zehren. Noch dazu haben weltweit organisierte Softwarepiraten, so klagt Microsoft, allein in Deutschland jaehrlich rund 1,3 Milliarden Mark auf Kosten der Herstellern ergattert.

Allzu auffaellig stellt das Gates-Imperium derzeit Raubkopierer an den Pranger, trotz der Vorwuerfe, selbst wie ein Freibeuter in fremden Gewaessern zu wildern. Unweigerlich draengt sich der Verdacht auf, Microsoft wolle mit der lautstarken Anklage gegen die Piraten von der eigenen, oft sehr umstrittenen Unternehmenspolitik ablenken.

So weiss, wie es Microsoft-Steuermann Bill Gates wohl gern haette, ist die Weste seiner Company naemlich nicht. Schon mehrfach musste sich der Windows-Anbieter vor amerikanischen Gerichten verantworten.

Monopolistische Haltung und unlauterer Wettbewerb werden dem Marktfuehrer immer wieder nicht nur von der US-Kartellbehoerde Federal Trade Commission (FTC) zur Last gelegt. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet das Unternehmen auch in Europa. Das britische Unterhaus wirft dem Softwarekonzern beispielsweise vor, er bediene sich illegaler Lizenzierungspraktiken. Ramponiert wurde das Ansehen darueber hinaus durch die restriktive Schnittstellen- Politik sowie durch Knebelvertraege mit anderen Herstellern und Haendlern.

Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" richtet sich die Microsoft-Attacke diesmal nicht gegen die Konkurrenten Borland, Lotus, Wordperfect oder Novell, sondern gegen die Raubkopierer - willkommene Boesewichte. Den fuer die legale Jagd benoetigten Freibrief hat Microsoft bereits - in Form des verabschiedeten Urheberrechtsgesetzes vom 23. Juni des vergangenen Jahres.

Im Schulterschluss mit den Rivalen wetzt Bill Gates jetzt die Saebel, um sich als moderner Sir Francis Drake zum Retter der Lizenzsoftware aufzuschwingen und auf diese Art in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Ob sich aber die Kartellbehoerde von diesen Ablenkungsmanoevern taeuschen laesst, ist fraglich. Auch vor dem Ex- Monopolisten Big Blue haben amerikanische Regierungsbehoerden auf Dauer nicht die Segel gestrichen. Selbst Riesen sind nicht mehr unverwundbar.