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17.01.1997 - 

Neues Front-end für den Online-Dienst

Wincim 3 soll Compuserve attraktiver machen

Wincim 3.0, die neue Version des "Compuserve Information Managers" (CIM), wurde mit Spannung erwartet. Sie sollte nämlich angesichts der prekären Lage des Online-Dienstes Entscheidungen für die Zukunft erkennen lassen. Besonders sollte die schon länger angekündigte Umstellung auf offene Internet-Standards darin ihren Niederschlag finden.

Die Verluste des Compuserve Information Services (CIS) im dritten Quartal 1996 und ein weiteres Sinken der Börsennotierung schrieben Marktbeobachter unter anderem der stark verspäteten Auslieferung der neuen Client-Software zu. Ein schlechtes Licht auf Compuserve warfen zudem die Sperrung von News-Gruppen nach der polizeilichen Durchsuchung der deutschen Niederlassung in Unterhaching sowie die gescheiterte Umstellung der Gebührenabrechung auf D-Mark. Dazu kamen eine Reihe technischer Pannen.

Nach dem Aus für den Consumer-orientierten Dienst WOW (siehe CW vom 29. November 1996, Seite 6), gab Compuserve im November letzten Jahres bekannt, sich nun wieder auf seine angestammte Klientel, die Geschäftskunden, konzentrieren zu wollen und den stark wachsenden Consumer-Markt den werbestärkeren Konkurrenten America Online (AOL) und Microsoft Network (MSN) zu überlassen.

Dieser Schlingerkurs dürfte den Entwicklern der neuen Zugangssoftware Kopfzerbrechen bereitet haben. Sie sollten das Front-end ja auf die Ansprüche der anvisierten Kundschaft abstimmen. Tatsächlich wirkt der Wincim 3.0 angesichts der neuen Marschrichtung mit seinen üppigen Grafikelementen und seiner Multimedia-Betonung etwas überholt, da er - schon äußerlich an sein Gegenstück von AOL erinnernd - deutlich für den Consumer-Markt geschaffen scheint. Das Programm läuft nur auf Windows 95, das sich gerade im Geschäftsbereich noch nicht endgültig gegen Windows 3.1 durchgesetzt hat. An der deutschsprachigen Macintosh-Version wird noch gearbeitet.

Über zwanzig Jahre konnte der Online-Dienst professionelle Ansprüche mit den hauseigenen Protokollen und Programmen befriedigen, gerät aber jetzt durch offene Standards unter Druck.

Diesem Trend nachzukommen und gleichzeitig die unbestreitbaren Vorteile eines proprietären Netzes, nämlich Datensicherheit und die Möglichkeit finanzieller Transaktionen, weiterhin zu bieten, lautet die Aufgabe für die neue Software. Technisch löst sie dies über ein Browser-Plug-in für die Remote Passphrase Authentication (RPA), die neue Verschlüsselungstechnologie des Informa- tionsdienstes. Damit kann man auch auf kostenpflichtige Seiten und Dienste zugreifen, die über Hypertext Tranfer Protocol (HTTP) angeboten werden.

Compuserve muß sich gegenüber Standards öffnen

Ein zunehmender Teil des Angebotes wird nun auf HTML-Seiten offeriert, wie es seit Mitte 1996 erklärtes Ziel des Unternehmens ist, doch bei einigen Menüpunkten gelangt man nicht nur in die alte Forendarstellung, sondern unversehens noch in die ganz alte Terminalemulation des Dienstes. Für den Zugriff auf Angebote, die bereits im HTML-Format vorliegen, ruft das neue Wincim wie schon in früheren Versionen einen externen Web-Browser auf. Der Anwender hat dabei die Wahl zwischen dem "Microsoft Internet Explorer", der zum Lieferumfang gehört, und dem Konkurrenzprodukt "Navigator" von Marktführer Netscape. Das notwendige RPA-Browser-Zusatzprogramm existiert nur für Windows 95, noch nicht jedoch für Macintosh-Rechner.

Zwar hat Compuserve mittlerweile durchgängig auf das Point-to-Point Protocol (PPP) umgestellt, an einigen Punkten wird aber deutlich, daß die Migration zu den neuen Standards insgesamt zu lange dauert. So wird der neue Wincim auf der Server-Seite noch immer nicht durch die lange angekündigte Öffnung des Mail-Systems für das Mail-Protokoll POP3 begleitet. Insbesondere für deutsche Benutzer ist es außerdem ein Ärgernis, daß ISDN immer noch nicht direkt über das Common-ISDN-API unterstützt wird, sondern nur durch eine lizenzierte Lite-Version des Fossil-Treibers "Cfos", also eine COM-Port-Emulation. Die schleppende Einrichtung der deutschen Einwählpunkte auf ISDN (zwölf V.110 und sieben X.75) und die zahlreichen technischen Probleme beim Einwählen lassen gerade bei den professionellen Verwendern von Online-Diensten wenig Freude aufkommen, obwohl diese wohl immer noch einen Großteil der ISDN-Kunden stellen. Immerhin ermöglicht Compuserve nun flächendeckend in Deutschland über die T-Online-Nummer einen Zugang zum Ortstarif, der sowohl schnelle Modems als auch ISDN mit X.75 unterstützt, wobei die Benutzung des Zugangs nur einen Dollar pro Stunde mehr kostet.

Dateiablage mit Vorgängerversion inkompatibel

Änderungen nahmen die Entwickler der Client-Software auch an der Dateiablage vor, die nun aber mit jener des Wincim 2.0.1 nicht mehr kompatibel ist. Ein mitgeliefertes Programm erlaubt eine Konvertierung der alten Bestände auf das neue Format. Das neue Wincim ist außerdem Multitasking-fähig, das heißt, ein Download blockiert nicht mehr wie bisher das ganze Programm. Außerdem kann der Anwender, solange er online ist, in einer "Erledigungsliste" zusammenstellen, welche Online-Tätigkeiten er ausgeführt haben will. Diesen Wunschzettel arbeitet die Software dann im Batch-Modus ab.

Wer sich an die Vorgängerversion von CIM endlich gewöhnt hat und wenig Interesse daran findet, für prinzipiell gleiche Aufgaben ein Programm zu verwenden, dessen Hardware-Anforderungen deutlich gestiegen sind (immerhin benötigt es zur Installation 65 MB freien Plattenspeicher), kann auf den Wincim 2.5 ausweichen, eine Weiterentwicklung der 16-Bit Version. Dem Vernehmen nach sind darin die wirklichen Innovationen wie RPA implementiert, wobei aber auf die grafisch aufgemotzte Oberfläche verzichtet wird.

*Fotis Jannidis arbeitet als freier Autor in München.