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18.02.2000 - 

Vorwürfe: Kompatibilitätsprobleme und Sicherheitslücken

Windows 2000: Microsoft kämpft an allen Fronten

MÜNCHEN (CW) - Zur Markteinführung von Windows 2000 hat Microsoft keine gute Presse. Die Gartner Group mahnte zur Vorsicht beim Einsatz des Betriebssystems, Novell entdeckte ein angebliches Sicherheitsloch, und Michael Dell redete öffentlich Linux das Wort.

"Wir gehen davon aus, dass 25 Prozent aller mittleren und größeren Unternehmen Kompatibilitätsprobleme mit vielen ihrer Geschäftsanwendungen sowie mit der Interoperabilität zu anderen Systemumgebungen und der Netzinfrastruktur bekommen werden", erklärte Gartner-Analyst Michael Gartenberg. Zirka 15 Prozent der existierenden Windows-Applikationen müssten für den Einsatz in der neuen Windows-2000-Welt angepasst werden. Mit dieser Warnung kurz vor der offiziellen Freigabe von Windows 2000 am 17.Februar machte Gartenberg Microsoft keine Freude.

Frühestens nach dem ersten Bugfix, das die Softwareschmiede bereits vor dem Erscheinungstermin des neuen Betriebssystems für den Juni dieses Jahres angekündigt hatte, könnten Unternehmen den Umstieg auf das neue Betriebssystem riskieren. Der Gartner-Mann geht davon aus, dass höchstens 15 bis 20 Prozent der Kunden, die heute Windows NT, 95 oder 98 einsetzen, binnen Jahresfrist auf die für PCs und Workstations vorgesehene Variante "Windows 2000 Professional" umgestiegen sein werden. Ende 2001 rechnet er allerdings damit, dass 45 Prozent ein Upgrade vorgenommen haben.

Noch geringer, so die Analysten, ist in der Frühphase das Interesse an Windows 2000 im Server-Segment. In diesem Jahr würden voraussichtlich nur fünf Prozent der installierten NT-Server gegen Windows 2000 ausgetauscht. Einer Einführung gehe in aller Regel ein langer Evaluationsprozess voraus, da vor allem die Auswirkungen auf unternehmenseigene Netzwerke und die bestehende Anwendungsumgebung sorgfältig geprüft werden müssten. Im nächsten Jahr würden dann voraussichtlich 45 Prozent der installierten NT-Server-Basis auf Windows 2000 umsteigen.

Laut Gartenberg kann man Server-seitig noch vor Erscheinen der Service-Packs eins und zwei einen Umstieg riskieren, sofern keine geschäftskritischen Anwendungen betroffen sind. Wolle man Mission-critical-Applikationen nutzen oder neueste Features des Microsoft-Betriebssystems einsetzen, empfehle es sich, wenigstens das erste Bugfix abzuwarten.

Die Gartner Group hatte erst vor wenigen Wochen vor dem Einsatz des Verzeichnisdienstes Active Directory gewarnt (siehe CW 3/2000, Seite 1). Das Werkzeug, das als wesentlicher Bestandteil von Windows 2000 mit den Novell Directory Services (NDS) von Novell konkurriert, sei zu eng mit der Windows-Welt verwoben und könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt in heterogenen Umgebungen kaum eingesetzt werden. Darüber hinaus sei der Dienst komplexer als alle anderen vergleichbaren Produkte, seine Einführung erfordere eine intensive und teure Schulung der Mitarbeiter.

Bei Novell selbst war man angesichts der potenziellen Bedrohung durch Microsoft ebenfalls nicht untätig. Die Netzwerker fanden - offiziell bei Kompatibilitätstests von NDS und Windows 2000 - angeblich ein gravierendes Sicherheitsloch im Active Directory. Es betrifft die Utility, mit der den Netzadministratoren Rechte zugewiesen werden können.

Der Verzeichnisdienst von Microsoft basiert auf sogenannten Organisationseinheiten. Ihnen sind Netzwerkdienste auch aus dem Umfeld sensibler Anwendungen zugeordnet. Je nach Berechtigung haben Administratoren darauf Zugriff. Laut Novell können Administratoren, denen Zugangsrechte für eine bestimmte Organisationseinheit entzogen wurden, einfach eine andere Einheit aufsuchen und von dort aus in die verbotene Zone zurückkehren. Sie haben dann ungehinderten Zugang. Auf diese Weise könnten unautorisierte Personen auf sensible Daten, beispielsweise Gehaltslisten, zugreifen. Microsoft dementierte nun die Existenz der Sicherheitslücke. Mitarbeiter der Security-Abteilung hätten das gesamte Wochenende damit verbracht, den angeblichen Bug nachzustellen. Es sei nicht gelungen. Die Novell-Techniker hätten wohl einen Fehler gemacht, indem sie ihre Bemühungen ausschließlich auf die Analyse der Benutzerrechte (Object) konzentriert, dabei aber die übergeordneten "Owner"-Rechte nicht in ihre Untersuchung einbezogen hätten.

Neben Novell sorgte auch Michael Dell, Gründer und Chef des PC-Direktanbieters Dell, für Verunsicherung unter Microsoft-Kunden. Er äußerte sich ungewöhnlich verhalten zu den Perspektiven von Windows 2000. Dell prophezeite eine weiterhin rasant steigende Nachfrage nach dem Open-Source-Unix Linux und berief sich dabei auf das gegenwärtige Kaufverhalten bei der Hardware. Es signalisiere, dass sich zur Zeit kaum ein Unternehmen für ein Upgrade auf Windows 2000 interessiere.

Und schließlich schürte auch Microsoft selbst die Unsicherheit bezüglich des neuen Betriebssystems. Ein internes Memo, das nach Angaben des Brancheninformationsdienstes "Computergram" vergangene Woche an die Öffentlichkeit gelangte, deutet darauf hin, dass sich der Konzern übernommen haben könnte. Darin ist von mehr als 65000 bekannten Problemen die Rede, die sich zu Bugs auswachsen könnten - 28000 davon würden wahrscheinlich zu "echten Problemen" führen.

Die jüngsten Veröffentlichungen über Windows 2000 hatten einen deutlichen Kursrutsch der Microsoft-Aktie zur Folge. In Redmond dürfte jetzt die Sorge umgehen, dass der mit 1,5 Milliarden Dollar veranschlagte Windows-2000-Umsatz im nächsten Jahr nicht erreicht werden könnte. Setzen weniger Anwender als erwartet das neue System ein, wird auch der Umsatz mit zugehörigen Produkten wie "Office 2000", "Exchange 2000" und "SQL Server 2000" hinter den Erwartungen zurückbleiben. Microsoft dürfte dann gezwungen sein, die Ergebnisprognosen für das kommende Geschäftsjahr offiziell zu reduzieren.

Rätselraten

um die Windows-2000-KostenViele Anwender beschäftigen zur Zeit die Fragen: Zahlt sich der Einsatz von Windows 2000 aus? Wann ist mit einem Return on Investment zu rechnen? Die Antworten darauf könnten unterschiedlicher nicht sein. Erst drei Jahre nach Einführung der neuen Betriebssystem-Variante rechnet die Gartner Group damit, dass sich die Kosten amortisieren. Zuviel Geld müsse in Hardware, Software-Tools, Personal und Testläufe investiert werden. Pro Rechner sei mit Kosten von bis zu 2050 Dollar zu rechnen.

Einen Aufwand zwischen 970 und 1640 Dollar je Rechner erwartet dagegen die Giga Group. Trotz dieser Mehrausgaben zahle sich die Migration schon im ersten Jahr der Anwendung aus. Vice President Rob Enderle argumentiert, man müsse die positiven ökonomischen Auswirkungen in die Rechnung einbeziehen. Windows-2000-Rechner seien leistungsfähiger und ausfallsicherer als ihre Vorläufer. Die höhere Verfügbarkeit werde deutlich geringere Supportausgaben zur Folge haben.

Bill Gates feiert

Mit Windows 2000 möchte Microsoft einen neuen Schrittmacher für die IT-Branche vorstellen. Das System soll nicht nur die Basis für Microsofts Geschäfte im neuen Jahrtausend darstellen, sondern auch die gesamte IT-Wirtschaft ankurbeln. Das Risiko für Microsoft ist beträchtlich: Windows 2000 stellt die Basis nahezu aller wichtigen Zukunftsprodukte des Unternehmens dar.

Das Betriebssystem wird auf der Windows 2000 Expo in San Franzisko offiziell präsentiert. Um dem Spektakel einen würdigen Rahmen zu geben, wurde ein Manager angeheuert, der in den USA unter anderem die Verleihung des Grammy organisiert. Der Gitarrist Carlos Santana wird anlässlich der offiziellen Freigabe ein Konzert geben, darüber hinaus werden etliche Überraschungsgäste erwartet. Zirka 100 weitere Veranstaltungen finden gleichzeitig oder zeitversetzt rund um den Globus statt.