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19.03.1999 - 

Windows 2000/Wichtigste Neuerungen im Überblick

Windows 2000 wartet mit enormer Funktionsfülle auf

MÜNCHEN (ws) - Mit Windows 2000 nimmt Microsoft einen neuen Anlauf, um den Sprung in die Rechenzentren der Unternehmen zu schaffen. Entsprechend soll der NT-Nachfolger um zusätzliche Enterprise-Funktionen erweitert werden. Aber auch für die zahlreichen anderen Einsatzgebiete versieht die Gates-Company ihr Betriebssystem-Flaggschiff mit einer Menge neuer Features. Im Moment läßt sich freilich noch nicht absehen, wie viele der versprochenen Verbesserungen wirklich den Weg in das endgültige Produkt finden.

Die Änderungen, die Windows 2000 gegenüber NT bringen soll, umfassen neben den zahlreichen neuen Features auch die bei Upgrades übliche Produktpflege. Microsoft stellt damit die Behebung von häufig beanstandeten NT-Mängeln in Aussicht. Einige davon wurden allerdings schon durch vier Service Packs für NT 4.0 beseitigt.

Eine Reihe von NT-Defiziten, die Microsoft mit dem Nachfolgersystem ausräumen will, machen sich besonders beim unternehmenskritischen Einsatz bemerkbar. Ein Ärgernis für Systemverwalter ist es beispielsweise, daß NT schon wegen geringfügiger Konfigurationsänderungen neu gestartet werden muß, was die Verfügbarkeit des Systems insgesamt reduziert. Windows 2000 soll diesbezüglich besser werden und die Anzahl der notwendigen Neustarts stark verringern. Als Dienst laufende Anwendungen sollen zudem bei Absturz oder Fehlschlag automatisch neu aktiviert werden.

Ein weiteres Minus von NT, den unbeschränkten Verbrauch von Server-Ressourcen durch Benutzer, soll die Einführung sogenannter Quotas beseitigen. Vorgesehen sind sowohl die Limitierung von Plattenplatz als auch der CPU-Auslastung auf Benutzerebene. Letztere soll sich über Job-Objekte regeln lassen, die alle von einem Benutzer gestarteten Prozesse zusammenfassen. Im Gegensatz zu Unix oder Netware konnten Anwender bisher unter NT beliebig viele Daten auf Server-Festplatten ablegen. Die neue Version des NT-Dateisystems (NTFS 5) kann nun ungezügeltem Platzverbrauch Einhalt gebieten. Zu den Neuerungen des File-Systems, das übrigens von NT 4.0 nicht gelesen werden kann, gehört auch die Fähigkeit, die Größe von Volumes dynamisch zu verändern, ohne daß dafür ein Neustart nötig wäre. Zudem lassen sich Laufwerke auch bei geöffneten Dateien herunterfahren. Neue Dateiattribute dienen der Indizierung von Dateien oder der Inhaltsverwaltung von MS-Office. NTFS 5 unterstützt zudem das in Windows 2000 integrierte hierarchische Speicher-Management, das wenig benutzte Dateien auf langsamere Datenträger auslagert. Über neue API-Funktionen lassen sich sogenannte Hard Links anlegen, wie sie schon länger unter Unix üblich sind. Allerdings kann der Windows Explorer voraussichtlich mit diesen Dateiverweisen nicht umgehen, sie funktionieren zudem nicht für Verzeichnisse.

Eine Neuerung, die professionellen Anwendern nicht nur an ihrem Schreibtisch, sondern auch unterwegs entgegenkommen soll, ist das verschlüsselnde Dateisystem (DFS). Es soll beispielsweise bei Verlust oder Diebstahl des Notebooks verhindern, daß Unbefugte Zugriff auf vertrauliche Daten erlangen. Das DFS ist Teil des umfangreichen Security-Subsystems von Windows 2000, zum dem auch eine Public Key Infrastructure (PKI) zur Verwaltung von Schlüsseln gehört. Das DFS soll für Benutzer transparent arbeiten und bei Schreiboperationen automatisch verschlüsseln, beim Lesen entschlüsseln. Codierte Daten eines Mitarbeiters kann der Systemverwalter über den hinterlegten Schlüssel wiederherstellen, dies setzt aber die Nutzung des Active Directory voraus. Innerhalb von Arbeitsgruppen können gemeinsame Schlüssel vergeben werden, so daß Dokumente durch mehrere Personen bearbeitet werden können. DFS arbeitet aber voraussichtlich nicht mit der eingebauten Dateikomprimierung zusammen, sie kann nur für unverschlüsselte Daten aktiviert werden.

Verwaltungs-Tools werden zusammengefaßt

Microsoft betont stets die Vorzüge der grafischen Verwaltungs- Tools, die Windows im Vergleich zu Unix-Systemen angeblich einfacher administrierbar machen. Allerdings gestehen Firmenvertreter mittlerweile ein, daß diese GUI-Werkzeuge über das System verstreut und uneinheitlich zu bedienen sind. Unter Windows 2000 soll die Microsoft Management Console (MMC) alle Programme unter einer Oberfläche zusammenfassen, die sich bisher unter der Systemsteuerung, unter "Start/ Programme/Verwaltung" oder wie das Diagnose-Tool "Winmsd" bloß im Dateisystem befinden. Bei der MMC handelt es sich um einen Container, in den auch Drittanbieter über eine COM-Schnittstelle ihre Management-Utilities, die "Snap-ins", einklinken können.

Die Konfiguration des Netzwerks, der Remote Access Services (RAS) und von Virtual Private Networks (VPNs), die bisher an unterschiedlichen Orten erfolgte, soll im Ordner "Verbindungen" zusammengefaßt werden.

Neben der interaktiven Systemverwaltung durch grafische Werkzeuge können Administratoren nun auch unter Windows wiederkehrende Aufgaben durch Scripts automatisieren. Seit einiger Zeit bietet Microsoft eine Scripting-Lösung für NT sowie Windows 95 und 98 an. NT-und Windows-95-Anwender müssen die entsprechenden Systemerweiterungen nachinstallieren, bei Windows 2000 sollen sie wie bei Windows 98 zum Lieferumfang gehören. Die Architektur besteht aus drei Bausteinen: Ablaufumgebungen für Script-Sprachen, sogenannte Scripting Hosts; verschiedene Scripting Engines (Sprachinterpreter) und Objektbibliotheken, die als Proxy für den Zugriff auf die verschiedene Betriebssystems- und Applikationsfunktionen dienen oder eigene Routinen enthalten. Insgesamt soll die Kombination aus Scripts und dem Objektmodell COM das DOS-Relikt der Batch-Dateien endgültig obsolet machen.

Schon lange angekündigt, soll die nächste Version von Microsofts proprietärem Komponentenmodell COM+ mit Windows 2000 Wirklichkeit werden. Auffälligste Änderung ist die Integration des Microsoft Transaction Server (MTS) und des Message Queue Server (MS MQ). Damit können zukünftig alle COM-Komponenten innerhalb eines Transaktionskontextes ablaufen und bei Bedarf auch asynchrone Kommunikation in Anspruch nehmen. Hinzu kommt eine In Memory Database (IMDB), die das Caching von Daten auf der mittleren Anwendungsstufe übernimmt und so mehrstufige Appliaktionen beschleunigen kann.

COM+ soll unter Windows die Basis für verteilte, mehrstufige Anwendungen werden. Um die Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit derartiger Applikationen zu erhöhen, wird COM+ die automatische Lastverteilung über mehrere Server beherrschen. Ein solches Windows-2000-Cluster kann maximal aus acht Knoten bestehen. Diese bei Web-Applikations-Servern gängige Funktionalität mußten COM- Entwickler in der Vergangenheit über Zusatzprodukte wie "Midas" von Inprise (ehemals Borland) nachrüsten.

Ein Wermutstropfen für Programmierer ist jedoch, daß das Load Balancing für COM-Objekte nicht transparent erfolgt. Anwendungen müssen explizit "balancierbar" gemacht werden. Dennoch verspricht Microsoft Entwicklern, daß unter COM+ die Programmierung von Komponenten aufgrund des höheren Abstraktionsniveaus insgesamt einfacher wird.

Die größten Anstrengungen unternimmt Microsoft bei Windows 2000 wohl für die eingebauten System-Management-Funktionen. Deren Dreh- und Angelpunkt soll das "Active Directory" werden, das dem umständlichen und schlecht skalierbaren Domänenkonzept von NT nachfolgen soll. Für das automatische Einrichten von Anwendungen müssen Administratoren diese über das Verzeichnis publizieren. Die benutzerspezifische Anpassung der Installation erfolgt über "Policies", die ihrerseits wieder im Active Directory hinterlegt werden (siehe den Beitrag von Marcellus Buchheit, Seite 110).

Im Active Directory sollen nicht nur Informationen über Benutzer und Netzressourcen hinterlegt werden, Microsoft möchte zudem die Entwicklergemeinde dazu anhalten, zukünftig die Anwendungskonfiguration im Windows-Verzeichnis zu speichern (siehe dazu den Beitrag von Michael Beigl und Christian Segor auf Seite 115). Kritiker befürchten indes, daß damit im Active Directory der Wildwuchs fortgesetzt wird, der heute schon in der Registrierdatenbank herrscht. Unbedachte Änderungen des Schemas lassen sich nicht mehr rückgängig machen, unklar ist auch, wie die "Jet"-Datenbank mit den wuchernden Datenmengen zurechtkommt. Gefördert wird die Aufblähung des Verzeichnisses durch die dort vorgesehene statische Vererbung.

Dies macht sich beispielsweise bemerkbar, wenn bestimmte Aufgaben der Benutzerverwaltung delegiert werden sollen. Soll Herr Meier alle Konten der Organisationseinheit (OU) "Produktion" verwalten dürfen, dann ergänzt das Active Directory dort jedes User-Objekt um einen entsprechenden Eintrag - anstatt einen solchen Verweis nur auf der Ebene der OU vorzunehmen und ihn an alle darin eingebetteten Objekte dynamisch zu vererben. Bei 1000 Nutzern und einer angenommenen Größe des Eintrags von 512 Bytes kommt so schon rund ein halbes MB zusammen. Ein allzu voluminöses Verzeichnis erhöht bei der Replikation außerdem die Netzlast.

Neben dem aufwendig verwalteten Fat Client kann Windows 2000 standardmäßig auch Terminals bedienen. Während NT eine eigene Multiuser-Version namens "Terminal Server Edition" kennt, beruht das Nachfolgesystem auf einem einheitlichen Kernel, der diese Dienste für alle Server-Ausführungen umfaßt (siehe Artikel von Michael Pietroforte, Seite 101).

Schon seit Jahren ist bei Microsoft davon die Rede, die Windows- 3.x/95/98-Produktlinie mit NT zu einem einheitlichen Betriebssystem für alle Einsatzgebiete zu verschmelzen. Dies scheint nun mit Windows 2000 einzutreten, auch wenn die Gates- Company zuletzt wieder verlauten ließ, daß Windows 98 vielleicht doch weiterentwickelt wird. Zur Ungewißheit um die Zukunft von Windows trägt auch bei, daß bisher für den Client-Einsatz nur Windows 2000 Professional, aber keine Consumer-Variante angekündigt wurde.

Dennoch verspricht die Feature-Liste von Windows 2000, daß der NT- Nachfolger auch in die Nischen von Windows 98 vordringen kann. Ein Vorzug des kleineren 32-Bit-Systems war bis dato die bessere Abwärtskompatibilität mit DOS- und 16-Bit-Windows-Programmen. Windows 2000 soll in diesem Punkt gleichziehen und eine DOS- Unterstützung erhalten, die vollständig mit dem in Windows 9x benutzten DOS 7 kompatibel ist. Während NT auf Notebooks immer noch eine Rarität ist, möchte Microsoft auch die mobilen Anwender mit Funktionen für das Power-Management (ACPI) von Windows 2000 überzeugen. Während NT vor allem Treiber für High-end-Komponenten mitbrachte, soll Windows 2000 durch eine insgesamt größere Hardware-Unterstützung glänzen. Beim Universal Serial Bus (USB) wird es den Plänen des Herstellers zufolge sogar Windows 98 übertrumpfen.

Windows 2000 unterstützt Plug and play

Das System kann demnach auch Drucker und Modem über diese Schnittstelle ansprechen. Eine zentrale Bedeutung bei der Ablösung des kleineren Windows kommt beim NT-Nachfolger den Plug-and-play- Funktionen zu. Das Fehlen der automatischen Hardware-Erkennung inklusive selbständiger Treiberinstallation verwehrte NT eine größere Verbreitung bei Privatanwendern, Windows 2000 soll mit diesem Defizit aufräumen. Für eine Migration unerläßlich freilich ist die Unterstützung des FAT-32-Dateisystems, das NT nicht lesen kann. Entsprechend mühselig ist die Umstellung, wenn sich das Profi-System nicht auf Win-98-Partitionen installieren läßt und davon auch keine Daten übernehmen kann. Windows 2000 soll einen Treiber für die erweiterte FAT-Version enthalten.

Das für die Ablösung eines Consumer-OS wichtige Grafiksubsystem soll auch bei Windows 2000 noch nicht grundsätzlich überarbeitet werden und inkonsistent bleiben. So verteilen sich dessen Dienste auf das Graphic Device Interface (GDI), Direct Draw und Direct 3D. Das bereits in die Jahre gekommene GDI hat den Ruf, langsam zu sein und Standards wie JPEG oder MPEG schlecht zu unterstützen. Entscheidene Änderungen soll Microsoft zufolge der bisher noch nicht näher beschriebene Nachfolger von Windows 2000 mit "GDI+" bringen. Windows 2000 wird aber mit einer Reihe von GUI- Verbesserungen aufwarten (siehe Kasten).

Zahlreich sollen auch die neuen Funktionen im Netzbereich sein. Geplant sind erweiterte Router-Features, beispielsweise auch für ISDN. Unterstützung ist überdies vorgesehen für ATM, ADSL, Gigabit Ethernet und den 802.11-Rahmentyp für drahtlose Kommunikation. Neben "Wake on LAN" soll Windows 2000 über die meisten gängigen Modems auch ein "Wake on Ring" beherrschen.

Geplante GUI-Neuerungen

Anwendungsaktivierung unterbricht nicht aktiven Vordergrund-Fokus,

-Tastaturkürzel-Unterstriche nur bei gedrückter Alt-Taste, -selten genutzte Einträge werden aus dem Startmenü ausgeblendet, -Standarddialoge sind größenverstellbar, -Single-Click in Dateilisten, -Liste der zuletzt geöffneten Verzeichnisse (bisher nur Dokumente), -automatische Erweiterung von angefangenen Verzeichnis- und Dateinamen, -neuer Schriftartentyp "Open Type" vereint True-Type und Adobe Type 1 -Unterstützung für halbtransparente Fenster und Bitmaps (bereits in Windows 98 vorhanden), -mehrere parallele Monitore für Ausgabe (auch schon Feature von Windows 98), sowie -Hilfen für Sehbehinderte: "Magnifier" (zeigt vergrößerte Bildschirmausschnitte), Bildschirmtastatur und Narrator (liest Texte vom Bildschirm vor). Behinderten-Funktionen erfordern die Unterstützung durch Anwendungen und sind zukünftig Voraussetzung für das Logo "Windows kompatibel".

Angeklickt

Nicht von ungefährt bringt es Windows 2000 auf rund 40 Millionen Zeilen Quellcode. Diese schlagen sich in einer enormen Funktionsfülle nieder, die dem NT-Nachfolger alle erdenklichen Einsatzgebiete eröffnen sollen. Neben der geplanten Beseitigung von notorischen NT-Defiziten integriert Microsoft neue oder bisher separat vertriebene Dienste in das System. Beispiele sind Active Directory, die Terminal-Services oder COM+.