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14.06.1996 - 

Anwenderschulung/Betretenes Schweigen in Unterschleißheim

Windows 95 bescherte den Ausbildern kaum ein Geschäft

Ob Windows 3.1, Windows für Workgroups, Windows 95 oder Windows NT, Anwender sind der Dominanz von Microsoft inzwischen fast hoffnungslos ausgeliefert. Dennoch wehrt sich der mündige User vor einem allzu forschen Zugriff auf seine Finanzen - vor allem in der Industrie. Solange nicht alle Vorbehalte gegenüber einer kostenintensiven Migration in ein neues Betriebssystem vom Tisch sind, können sich die Vertriebsbeauftragten der DV-Anbieter die Beine in den Bauch stehen.

In überschaubaren Projekten testen die Anwenderunternehmen die Produktfrischlinge zuerst auf Herz und Nieren. Nicht stabil und fehlerfrei, zuwenig einsetzbare Anwendungsprogramme, schlechte Kosten-Nutzen-Bilanz, lautet auch hinsichtlich Windows 95 die vernichtende Kritik. Umstellungskosten für Datensicherung, Installation und Mitarbeiterschulung in Millionenhöhe schrecken viele ab.

Fehlende Nachfrage drückt das Angebot

Dennoch setzen einige industrielle Anwender auf den Win-95-Zug, weil sie die von der Anbieterseite in schillernden Farben gezeichnete Zukunft nicht verpassen wollen. Doch wer glaubt, nunmehr einer fette Beute witternden Schulungsbranche in die offenen Arme zu laufen, muß sich eines besseren belehren lassen. Bei der Frage nach entsprechenden Kursen hüllt man sich dort in betretenes Schweigen.

"Noch zu früh", sagen die einen. "Zu geringe Nachfrage", heißt es im Klartext hinter den Kulissen. Selbst hinter Kleinanzeigen wie "Biete Win-95-Schulung" verbergen sich oft Enttäuschungen: Informatikstudenten im vierten Semester offerieren Schnellkurse in ihrer Wohngemeinschaft - für mittelständische Unternehmen keine Empfehlung.

Von der ermüdenden Recherche aufs äußerste genervt, greift der verzweifelte Autor zum Strohhalm - in Unterschleißheim müßte man doch wissen, wer in Sachen Windows-95-Schulung überzeugende Referenzen vorzuweisen hat. Doch weit gefehlt. Nicht einen einzigen Windows-95-Trainingsanbieter nannte die verantwortliche Referentin beim Namen - weil sie es nicht durfte.

Wo käme man denn hin, denken sich wahrscheinlich die Gates-Adlaten im Norden Münchens, legte man die Karten auf den Tisch. Es wäre ja auch zu peinlich, käme dabei heraus, daß nur eine handvoll Schulungsfirmen Kurse für das sich angeblich so gut verkaufende "Superduper-Betriebssystem" anbieten.

Die Funkstille in der Schulungsgilde dokumentiert etwas, was Microsoft niemals zugeben würde: Die Unternehmen, die die Ausbildungsinstitute beschicken, laufen nicht in Scharen zu Windows 95 über. Folge: Microsofts Euphorie ist bei den Trainern nicht angekommen.

*Max Leonberg ist freier Autor in München.