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05.01.1996 - 

DOS 7.0 und sein grafischer Aufsatz

Windows 95: Knarzendes Fenster findet nur muehsam seine Kaeufer

Das eben zur Neige gehende Jahr unterscheidet sich nur bedingt von den vorherigen. Die meisten Prognosen des Jahresanfangs erweisen sich im nachhinein als Flop. Zum Thema Betriebssysteme insbesondere, vielleicht weil - und da haben wir den Unterschied - der Anwender enorm dazugelernt hat. Neue Features werden staerker ueberprueft und immer dann gerne angenommen, wenn sie wirklich noetig waren und echten Nutzen brachten. Da PC-User jedoch sehr oft nur einen Bruchteil der moeglichen Funktionen wirklich ausreizen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein 100-MB-Betriebssystem mit Animationen und Sound-Untermalung nicht als unabdingbar angesehen wird.

Auch bisher waren Multitasking und OLE (Object Linking and Embedding) nicht gerade Begriffe, die dem normalen Windows-User leicht von der Zunge gingen. So haut auch Multithreading und preemptives Multitasking nur wenige vom Hocker.

Schon 1994 war Windows 95 ein durchaus medienwirksames Thema, und spaetestens seit den offiziellen Betaversionen des Jahresanfangs war das Thema Smalltalk-reif. So gab es kaum einen Computerfreak, der nicht schon ein halbes Jahr vor dem offiziellen Start mit Windows 95 experimentiert haette. Auch Betaanwendungen fuer das Beta-Betriebssystem gab es bald zuhauf.

Wer der Sache noch nicht traute und seinen Arbeitsrechner nicht mit Experimenten lahmlegen wollte, der konnte sich Windows-95- Literatur gleich kiloweise kaufen.

Durch die massiven Tests wurden bald die Probleme des 16/32-Bit- DOS/Windows-Kompromisses offengelegt. Befehle nach dem Motto "So legen wir die Kiste lahm" wurden gerne demonstriert und immer wieder abgedruckt. Und auch im Internet gibt es Material. Nomen est omen: alt.os.windows95.crash.crash.crash

Von all dem liess sich Microsoft nicht sonderlich beeindrucken. Um den erwarteten gewaltigen Ansturm zu koordinieren, wurden die Haendler schon Wochen vor dem denkwuerdigen 5. September 1995 gebeten, das Betriebssystem gleich palettenweise zu ordern, damit ja keine Engpaesse entstuenden. Diese gab es dann auch wirklich nicht, obwohl die Lagerhaltung nur von wenigen als notwendig angesehen wurde.

Anders als in Amerika blieben die Schlangen vor bundesdeutschen Laeden aus. Marktbeobachter wissen mittlerweile zu berichten, dass sogar Haendler Windows 95 schon wieder paketeweise an ihre Grosshaendler zurueckschikken, da der "Ansturm" nicht die erwartete Groessenordnung hatte.

Auch hierzulande ist ein Vierteljahr nach Einfuehrung des Betriebssystems noch kein Verkaufsdurchbruch in Sicht. Microsofts Presseabteilung ist zu keinerlei Stellungnahme bezueglich der Verkaufszahlen bereit, sie bleiben interne Verschlusssache.

Eins faellt jedoch auf: Urspruenglich hatte Microsoft nach eigener Aussage nur vier Tage intensiver Werbung geplant, um die freudige Nachricht ueber die Ankunft des neuen Betriebssystems in die Welt zu tragen.

Doch findet man den Win-95-Werbeblock bis heute in saemtlichen Medien.

Dass Unternehmen mit dem Umstieg zoegern und die Version 1.0 von Windows 95 nicht sofort installierten, war kaum anders zu erwarten. Doch auch in den Computerlaeden in der Muenchner Schillerstrasse - ein Einkaufsparadies vor allem fuer Privatleute - wird Windows 95 nur sehr zaghaft verlangt. Peter Schragmann von Compuplus berichtet, dass nur etwa 20 Prozent der neuen PCs mit Windows 95 verkauft werden. Immerhin fuenf Prozent der PCs erhalten NT als Arbeitsgrundlage, und der Rest arbeitet mit dem altbekannten DOS/ Win3-Gespann. Die Produktverteilung bleibt also im Hause Microsoft.

Das Anfang 1995 noch an Marktanteil gewinnende OS/2 wird im Massenmarkt nicht mehr verlangt. "OS/2 ist tot", so die Einschaetzung einiger Insider.

Auch an Peter Mair, Geschaeftsfuehrer der Immodata Gesellschaft fuer Unternehmensberatung, Muenchen, ist noch kein Kunde mit dem Wunsch nach einem baldigen Update auf Windows 95 herangetreten. "Die Unternehmen sind froh, wenn die Systeme laufen. Experimente sind nicht gefragt."

Doch bei aller zur Zeit vorhandenen Zurueckhaltung im Markt sehen die Prognosen - auch von unabhaengigen Instituten - rosige Zeiten fuer Microsoft auch in Sachen Windows 95 voraus. Die Gartner Group prophezeit, dass bis 1999 fast 100 Millionen Win-95-Einheiten verkauft sein werden. Von allen anderen PC-Betriebssystemen soll laut dieser Studie nur noch Windows NT einen signifikanten Anstieg erleben.

Auch die Firma Apple, deren Kunden den Satz "Windows 95 = Mac OS 89" gerne zitieren, wird nach dieser Studie nicht von den Microsoft-Aktivitaeten profitieren.

Windows - in welcher Variante auch immer - beherrscht den Markt. Und zumindest Microsoft duerfte es relativ egal sein, ueber welches ihrer Fenster der Profit hereinkommt. Denn eines haben alle gemeinsam: Das naechste Update kommt bestimmt.

*Edgar Koribalski ist freier Fachjournalist in Muenchen.