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27.05.1994

Windows-Cocktail aus Mac-, Unix- und OS/2-Zutaten Microsofts Chicago verbindet Mac-Optik mit Netzfunktionen

Die Microsoft-Manager in Redmond gaben sich bislang ueberzeugt: "Chicago" (Windows 4), Microsofts Hoffnungstraeger, kommt noch in diesem Jahr. Doch auf dem ersten "Chicago Reviewers Workshop" Mitte Mai 1994 in den USA steckten die Verantwortlichen beim PC- Softwaregiganten zurueck. Ausgeliefert werde erst, wenn das Produkt komplett ist. Beobachter rechnen mit der Markteinfuehrung nicht vor 1995. David Rosenthal hat das Desktop-Betriebssystem unter die Lupe genommen.Wer mit Chicago arbeiten will, muss sich zunaechst mit seinem Benutzernamen und Passwort anmelden. Diese Angaben werden an das Netzwerk und andere Anwendungen weitergereicht. Sie dienen auch zum Laden der persoenlichen Systemeinstellungen. Im Vergleich zu Windows 3.x praesentiert sich die Benutzeroberflaeche von Chicago grundlegend anders. Der Desktop-Hintergrund dient - aehnlich wie bei Macintosh-Rechnern - als allgemeine Ablage. Zwischen Programmen, Ressourcen und Dokumenten wird jetzt nicht mehr unterschieden. Es handelt sich schlichtweg um "Objekte", deren Funktion (zum Beispiel Drucken, Kopieren, Einrichten) ueber die rechte Maustaste zur Verfuegung stehen. Der Doppelklick ist nicht mehr noetig, jedoch moeglich.Zentrales Element ist die "Taskbar", eine jederzeit sichtbare Befehlsleiste, die direkten Zugriff auf alle aktiven Vorgaenge (Programme) ermoeglicht. Ganz links befindet sich der "Start"-Knopf: Er zeigt ein Menue mit einer Liste der verfuegbaren Anwendungen, den 15 zuletzt benutzten Dokumenten, den Systemeinstellungen, Such-, System- und Hilfefunktionen.Auf dem Desktop befindet sich das Symbol "My Computer", das ueber Fenster Zugriff auf die Ressourcen (Festplatte) des PCs bietet. Verzeichnisse werden wie beim Mac als Arbeitsmappen dargestellt, die wiederum zu neuen, selbstaendigen Fenstern fuehren. In ihnen erscheinen - anders als bei Windows 3.1 - auch Dokumente. Die Fenster und ihre Steuerelemente sind in Chicago ebenfalls etwas anders gestaltet. So wird beim Verschieben von Anfang an der gesamte Fensterinhalt bewegt. Das System selbst verwendet Truetype-Schriften.Ist ein Netzwerk vorhanden, erscheint unter "My Computer" die "Network Neighborhood" (Netzwerk Nachbarschaft). Sie erlaubt den Zugriff auf die am haeufigsten benutzten Server, die anderen Netzressourcen und die freigegebenen Rechner der Kollegen. Ein "Mapping" der Server auf einzelne Laufwerke ist nicht mehr noetig. Weitere Desktop-Objekte kann sich der Benutzer durch ein Drag and drop des gewuenschten Objektes aus einem der Fenster anlegen. Anstatt das Objekt zu kopieren, kann er eine logische Verbindung ("Shortcut"), eine Art Zeiger auf die Originaldatei, erstellen (Macintosh-Benutzern unter dem Begriff "Alias" bekannt). Soll sie per E-Mail verschickt werden, genuegt das Versenden des platzsparenden Shortcuts (technisch gesehen ein OLE-Objekt). Das Empfaengersystem spuert anschliessend die Datei im Netzwerk automatisch auf. Chicago unterstuetzt "lange" Dateinamen sowohl auf der eigenen Oberflaeche als auch in der "DOS-Box". Die Begrenzung der Dateinamen auf acht Zeichen und eine Erweiterung um weitere drei gehoert somit endgueltig der Vergangenheit an.Datei- und Programm-Manager wurden im "Explorer" kombiniert: Mit ihm kann der Benutzer auf saemtliche Ressourcen im System zugreifen, inklusive der lokalen Speichermedien, Netzwerk, Drucker oder Messaging- Dienste. Links im Fenster wird grafisch die Ressourcenhierarchie angezeigt, rechts das gewaehlte Objekt im Detail. Das koennen etwa der Inhalt eines Ordners sein, die Symbole zum Aendern der Systemeinstellungen oder die anstehenden Druckerjobs. Die Dateisuchfunktion wurde ausgebaut, ein Multiformat-Viewer ist hinzugekommen, Notepad und Write im RTF-Editor und OLE-Container "Wordpad" zusammengefasst.Alle Einstellungen (Hardware, Benutzer, Programme, System) und "Vorschriften" werden in einer hierarchischen Registrierdatenbank ("Registry") gespeichert, die zu Zwecken der Systemverwaltung und des Supports fernwart- und abfragbar ist. Die bisher ueblichen INI-Dateien haben demnach ausgedient.Eine vollautomatische Selbstkonfiguration des PCs soll die eingebaute Unterstuetzung von Plug and play ermoeglichen. Wird im oder am Rechner eine Plug-and-play-taugliche Hardware- Erweiterung entdeckt, so laedt Chicago automatisch den entsprechenden Treiber. Das funktioniert im uebrigen nicht nur fuer Soundkarten, SCSI-Adapter oder dergleichen. Wird beispielsweise ein Notebook im laufenden Betrieb in eine LAN-Docking-Station eingeschoben, laedt Chicago die Netzwerktreiber automatisch nach. Auch kann etwa die Bildschirmaufloesung im laufenden Betrieb geaendert werden, jedoch nur soweit, als dies der Monitor wirklich unterstuetzt. Systemeinstellungen und Treiberinformationen sind neu an einem Ort zusammengefasst. Chicago unterstuetzt die fuer Laptops relevanten Stromsparfunktionen. Chicago enthaelt einen universellen Mail-Client, den "Info Center Viewer". Er kann auf jedes MAPI/CMC- taugliche Messaging-System zugreifen und ueber Gateways auf externe Dienste wie Compuserve. Auch Telefaxe und Voice-Mail werden unterstuetzt. Fuer Mitteilungen benutzt Chicago nun das RTF-Format, das Textformatierungen unabhaengig vom verwendeten Backend-Server zulaesst. Feste Felder lassen sich definieren. Zur Kompatibilitaet wird jede Mitteilung auch im ASCII-Format mitgefuehrt. Chicago wird mit einem eigenen Workgroup-Post-Office ausgeruestet sein. Alternativ zum Info Center Viewer kann der Explorer zum Abfragen der Post benutzt werden. Objekte aus den Postordnern lassen sich per Drag and drop direkt auf das Netzwerk oder die Festplatte kopieren. Erweitert wurde Chicago schliesslich auch im Bereich Multimedia. "Video for Windows" ist standardmaessig eingebaut. Das Betriebssystem wird beispielsweise eingelegte CD-ROM-Titel automatisch abspielen und via DCI zeitraubende Bildoperationen auf die Grafikhardware auslagern koennen.Systemvoraussetzungen fuer Chicago

Die Gates-Company positioniert Chicago als Nachfolger von Windows 3.x und Windows for Workgroups 3.x. Zielgruppe sind dabei hauptsaechlich Unternehmen. Das Produkt unterstuetzt - ebenso wie Windows NT - die 32-Bit-Technologie, wird aber zunaechst nur fuer die CPUs von Intel verfuegbar sein und nicht die Sicherheitsfunktionen wie der grosse Bruder NT aufweisen. Auch ist Chicago nicht unbedingt fuer den Server-Einsatz gedacht. Als Minimalkonfiguration fuer das Betriebssystem benoetigt der Anwender Microsoft zufolge einen Rechner mit 386er CPU und 4 MB RAM. Ein System mit einem 386DX-Prozessor oder hoeher soll "eine mindestens gleich gute oder bessere Leistung" bieten als mit Windows 3.1. Mit 8 MB RAM arbeite Chicago rund zehn Prozent schneller.32-Bit- Architektur mit 16-Bit-Elementen

Chicago ist zwar ein 32-Bit-Betriebssystem, enthaelt jedoch "aus Gruenden der Kompatibilitaet" noch 16-Bit-Komponenten wie etwa das Windows- und Menue-Management und einen Teil der Grafikmaschine. Der Kernel selbst ist voll 32-Bit-tauglich und arbeitet im Protected Mode, genauso wie die Treiber. DOS- und Win-32- Anwendungen laufen unter preemptivem Multitasking, nicht jedoch bestehende 16-Bit-Windows-Anwendungen, die sich ein und denselben Adressraum teilen muessen. Win32-Programme und Chicago koennen Multithreading nutzen, etwa zum gleichzeitigen Laden mehrerer Dateien. Jede Anwendung verfuegt ueber eine eigene Message-Queue und ist gegen den Absturz anderer Anwendungen einigermassen gesichert. Waehrend sich Win-16-Anwendungen gegenseitig zum Absturz bringen koennen, ist das System selbst relativ abgeschottet. Normalerweise laufen jedoch 16-Bit-Windows-Anwendungen unter Chicago. Die Fenster werden im neuen Look dargestellt. Wurden bei der Programmierung Windows-Standarddialoge verwendet, so koennen die "alten" Applikationen dort ohne Anpassung die neuen Funktionen von Chicago nutzen, wie etwa im Dateibereich.