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15.10.2004

Windows-Handy SDA im Praxistest

Das erste Windows-Smartphone von T-Mobile offenbart seine inneren Werte wie die transparente Anbindung an die Windows-Welt erst bei genauerem Hinschauen.

Von CW-Redakteur Jürgen Hill

Nachdem Windows-Smartphones lange Zeit nur in Form von Vaporware durch die Medienlandschaft geisterten, ist es nun endlich so weit. T-Mobile offeriert mit dem "SDA" das erste Modell mit dem Betriebssystem Windows Mobile. Die COMPUTERWOCHE unterzog das Gerät einem Praxistest.

Die erste Begegnung mit dem neuen SDA war nach dem Rummel um Microsofts Einstieg ins Geschäft mit Handy-Betriebssystemen schlichtweg eine Enttäuschung: Auf dem Tisch lag ein Gerät, das im Design stark an die Handy-Klassiker "T610" und "T630" von Sony Ericsson erinnerte. Auch das erste Einschalten löste keinen Begeisterungssturm aus, denn Kalender, Browser, Adressbuch, eingebaute Kamera oder MP3-Player (beim SDA als Windows Media Player) offerieren heute eigentlich alle aktuellen Handy-Modelle.

Versteckter Speicher-Slot

Auch die Haptik und das Handling überzeugten nicht: Die Zifferntasten erwiesen sich als wenig griffig und hatten einen indifferenten Druckpunkt. Missraten ist zudem die Positionierung des Slots für die optionale Speicherkarte im Mini-SD-Format zum Speichern von MP3-Files, Dokumenten oder Fotos. Der Slot verbirgt sich nämlich im Geräteinneren, so dass zum Speicherwechsel erst einmal die Gehäuserückwand abgenommen und dann der Akku ausgebaut werden muss. Besser hat dies beispielsweise Motorola bei seinem zum Jahresende angekündigten Windows-Smartphone gelöst. Hier befindet sich der Mini-SD-Einschub seitlich außen am Gehäuse.

Stabiles Betriebssystem

Nach den ersten praktischen Telefonversuchen mit dem SDA machte sich denn auch Ratlosigkeit in der Redaktion breit: Warum sollte dieses Handy mit Windows-Betriebssystem, wie von Analysten kolportiert, eine Gefahr für die etablierten Player wie Symbian oder Nokia darstellen? Denn auf den ersten Blick hielten wir ein Gerät in der Hand, das nichts anderes machte als alle modernen Mobiltelefone der Welt: den Telefonbenutzer unterwegs mit einigen Zusatzfunktionen zu unterstützen.

Andererseits überraschte das SDA Kollegen positiv, die mit Blick auf das Windows-Telefon hämisch fragten: "Wie oft ist es denn schon abgestürzt?" Während der zweiwöchigen Teststellung stürzte das Smartphone allen Unkenrufen zum Trotz kein einziges Mal ab.

Die Anknüpfung an Gewohntes ist einer der größten Pluspunkte des SDA: In einer Windows-dominierten Welt mit XP am Arbeitsplatz und Pocket-PC in der Tasche erscheint einem das Bedienungskonzept des Windows-Smartphones vertraut und selbstverständlich. Der einzige Unterschied ist, dass zum Navigieren in den Menüs anstelle einer Maus vier Bedientasten unterhalb des Displays oder der integrierte Mini-Joystick verwendet werden.

Seine wahren inneren Werte offenbart das SDA dann auf den zweiten Blick, etwa beim Synchronisieren mit dem Desktop-Rechner. Im Gegensatz zu vielen intelligenten Handys benötigt das SDA hierzu keine spezielle Software, sondern benutzt mit "Active Sync" (ab Version 3.71) die gleiche Software wie die Pocket-PCs zum Abgleich etwa von Terminen und Adressen mit Outlook. Ist das Geräte einmal per USB-Kabel von Active Sync als Smartphone erkannt, kann die Synchronisation auch über Bluetooth erfolgen. Mit der unterschiedlichen Zuordnung von Adressfeldern in Outlook und im Telefon, wie beispielsweise beim "K700" von Sony Ericsson, muss sich der SDA-Anwender nicht abmühen. Das Windows-Smartphone fügt sich wie ein IT-Device transparent in die Windows-Welt ein - allerdings nur im Microsoft-Imperium, denn Benutzer von Lotus Notes oder anderen Mail- und Adress-Clients lässt Microsoft im Regen stehen. Unabhängig von der Geschmacksfrage, ob Active Sync ein gelungenes Sychronisationswerkzeug darstellt, ist dessen Implementierung auf dem SDA vorerst zukunftssicher: Neben IPv4 unterstützt das Smartphone auch die neuere Version IPv6.

Die enge Verbindung mit der Windows-Welt zeigt sich auch in den Tiefen des Handy-Betriebssystems, denn der User kann die gleichen Benutzerprofile und -konten wie auf dem PC zum Beispiel für Exchange und Passport verwenden sowie über das integrierte Zertifikats-Management seine Client- und Root-Zertifikate verwalten. Zum sicheren Fernzugriff auf Unternehmensinformationen erlaubt das Handy die Verwendung von Virtual Private Networks (VPNs) mit IPsec/L2TP, und für die Mail-Abfrage steht zudem Secure Socket Layers (SSL) zur Verfügung. SSL ist auch im Browser nutzbar, der zudem in Sachen Sicherheit den Standard Wireless Transport Layer Security (WTLS) unterstützt.

Gewohntes Bedienkonzept

Alle diese Optionen verbergen sich jedoch hinter unscheinbaren Icons oder schlichten Bezeichnungen wie "Einstellungen". Deshalb ist der User, wenn er das Potenzial des Windows-Smartphones voll ausschöpfen will, auf ein ausgefeiltes Handbuch angewiesen. Die englische Bedienungsanleitung, die unserem SDA, einem Vorseriengerät, beilag, war bei diesen komplexen Konfigurationsarbeiten keine Hilfe.

Des weiteren ist beispielsweise kein Hinweis darauf zu finden, dass mit dem SDA auch Mails im Push-Verfahren zugestellt werden können. Gerade diese Methode führen die Blackberry-Verfechter immer wieder als Vorteil ihres Systems gegenüber den Windows-Devices an, da hier Datenverkehr und damit Kosten bei unnötigen Authentisierungsvorgängen mit dem Mail-Server vermieden werden. In Kombination mit Exchange 2003 und Windows Mobile 2003 ist dies mit Hilfe eines Tricks auch beim SDA möglich: Der Server wird so konfiguriert, dass er beim Eintreffen einer E-Mail eine Shadow-SMS (für den Benutzer nicht sichtbare SMS) an das SDA sendet. Als Reaktion auf diese SMS setzt das Smartphone dann die Authentisierung in Gang und ruft die Mail ab. Auf diese Weise fallen deutlich weniger Daten an als bei einem automatischen Mail-Abruf alle zehn bis 15 Minuten. Als weitere kostendämpfende Maßnahme kann der Benutzer vorgeben, ob jeweils die gesamte Mail heruntergeladen wird und wie Mail-Anhänge behandelt werden. In der Praxis hat es sich beispielsweise bewährt, nur 5 KB einer Mail abzurufen, da dies meist reicht, um die wesentlichen Informationen zu erhalten. Und Mail-Attachments sollten unter Kostenaspekten nur übertragen werden, falls der Benutzer dies eigens verlangt.

Zuverlässiger Begleiter

Einmal sorgfältig konfiguriert, entpuppte sich das SDA unterwegs als zuverlässiger Begleiter, der in Sachen Termin- und Adressverwaltung eine echte Alternative zu den Pocket-PC-Telefonen darstellt. Zumal er mit Hilfe des eingebauten Joysticks bequem mit einer Hand bedienbar ist, während ein Pocket-PC in der Regel doch eher zwei Hände erfordert. Die Darstellung der Termine selbst erfolgt analog zur gewohnten Anzeige auf dem Pocket-PC.

Einen gemischten Eindruck hinterließ das SDA beim Surfen im Internet. Einerseits war es schlicht faszinierend, überall und zu jeder Zeit in die Tasche greifen und Informationen aus dem globalen Netz abrufen zu können, anderseits ruft GPRS als Übertragungsmedium im Zeitalter von Standleitungen und DSL keinen Geschwindigkeitsrausch hervor. Ferner kann der Browser, der zwar HTML, XHTML, CSS, Jscript 5.5, WML, WTLS und SSL unterstützt, keine Frames darstellen. Ein Manko, das der Benutzer halbwegs ausgleichen kann, indem er die Browser-Darstellung auf einspaltig einstellt, so dass die Web-Inhalte zumindest untereinander auf dem Display angezeigt werden.

Geradezu masochistische Züge - so zumindest der Eindruck des Autors, der sich nicht mehr zur SMS-Generation zählt - muss der Benutzer besitzen, wenn er seine elektronische Post auf dem SDA wirklich als E-Mail beantworten will. Allein die Vorstellung, auf den Handy-Tasten eine längere Nachricht zu tippen, sorgte für Alpträume. Gleiches gilt für den Gedanken, dass ein Außendienstler über die mehrfachbelegten Tasten etwa einen Bestellvorgang eingeben soll. Zumal die entsprechenden Unternehmensapplikationen erst einmal neu kompiliert werden müssen, da normale Pocket-PC-Programme aufgrund des anderen Displays und Eingabe-Interface nicht auf dem Windows-Smartphone laufen. Laut Microsoft ist der Portierungsaufwand jedoch nicht allzu groß, da mit Hilfe der entsprechenden Software Development Kits (SDKs) lediglich das Graphical User Interface (GUI) der Programme angepasst werden müßte, ansonsten sei der Betriebssystem-Kernel ja gleich.

Fazit: Outlook für die Hosentasche

Aufgrund seiner Einschränkungen hinsichtlich der Eingabe dürfte sich das SDA im Alltag vor allem für Manager eignen, die auf Reisen in den E-Mail-Workflow eingebunden bleiben wollen, um auf wichtige Vorgänge dann telefonisch reagieren zu können. Für Außendienstmitarbeiter, Servicetechniker und andere Berufsgruppen, die häufiger interaktiv mit ihrem mobilen Device arbeiten, weil sie Daten oder Bestellungen eingeben, ist dagegen eher der neue MDA III von T-Mobile interessant.

T-Mobile/SDA

+ Nahtlose Integration in die Windows-Welt;

+ gewohntes Bedienkonzept;

+ zahlreiche Sicherheitsoptionen;

+ Outlook-Termine und -Adressen auf dem Handy;

+ gefälliges Design.

- Keine Unterstützung von Notes etc.;

- schlechte Haptik der Telefontasten;

- zur Erfassung von Texten nur bedingt geeignet;

- Speicherkarten-Slot unter dem Akku versteckt;

- Bedienungsanleitung geht auf Sicherheitsfunktionen nicht ausführlich ein.

Technische Daten SDA

Länge x Breite x Höhe in mm: 108 x 47 x 20

Gewicht: etwa 100 Gramm

Stand-by-Zeit: rund 140 Stunden

Sprechzeit: rund 4 Stunden

Akku: LithiumIonen-Akku, 1050 mAh

Frequenzbänder: Triband (900/1800/1900 MHz)

Display: TFT-Display (65 000 Farben, 176 x 220 Pixel)

Kamera: VGA (640*480)

Prozessor: Texas Instruments OMAP 200 MHz

Speicher: 32MB RAM, 64MB ROM

Externe Speichererweiterung: Mini-SD-Karte

Betriebssystem: Microsoft Windows Mobile 2003 Software für Smartphone

MMS: Foto- und Video-Messaging-fähig

E-Mail: POP3, IMAP4, SMTP,

Browser: Pocket Internet Explorer HTML, XHTML, CSS, Jscript 5.5, WML 2.0, WTLS, lPv6

Klingeltöne: WMA, MP3, WAV, AMR, MIDI, 32 polyphone Klingeltöne

Sprachfunktionen: Integrierte Freisprechfunktion, Sprachwahl, Sprachmemo

Konnektivität: Bluetooth, IrDa, USB

Synchronisation: Über Active Sync 3.71

Preis (ohne Vertrag): 369,95 Euro