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22.01.1988

Windows ist der bessere Presentation Manager

OS/2 ist gegenwärtig in aller Munde, und obwohl die wenigsten jetzt schon wissen, ob ihnen das neue Betriebssystem der individuellen Datenverarbeitung etwas bringt, ist es für nahezu jeden DV-Manager Pflicht, die Pros und Kontras abzuwägen - soweit im Nebel euphorischer Hersteller-Announcements überhaupt verwertbare Fakten sichtbar werden. Der Autor dieses Kommentars, Vizepräsident für den Bereich Forschung bei der International Data Group, ist für seinen Teil bereits zu einem interessanten Ergebnis gekommen.

Der wichtigste Unterschied an IBMs OS/2 und der PS/2-Produktfamilie gegenüber dem bisherigen Industriestandard besteht darin, daß die grafische Benutzeroberfläche nunmehr integraler Bestandteil des Systems ist. Darüber hinaus signalisiert die Adaption von Microsoft Windows durch IBM für deren Presentation Manager ein durchgehendes Fundament für grafische Benutzerschnittstellen in der gesamten Welt der IBM-Kompatiblen.

Microsoft Windows 2.0, dessen Auslieferung im Dezember begonnen hat, ist ein wesentliches Element in der Entwicklung hin zu einer Standard-Anwenderschnittstelle für die Benutzer von IBM PCs und Kompatiblen. Zum Preis von 99 Dollar (hierzulande 438 Mark, d. Red,) bringt es ein exaktes Abbild des Presentation Manager auf den Bildschirm, und, der Umgang mit ihm gestaltet sich genauso wie mit dem wesentlich teureren IBM-Produkt.

Für praktische Zwecke erfordert Windows 2.0 zumindest ein schnelles Intel-System (vorzugsweise mit einem 80286 oder 80386 ausgestattet, aber ein 8086 tut es zur Not auch) mit EGA-Grafik. Das Programm läuft auch auf dem älteren IBM Color Graphics Adapter (CGA), aber die Auflösung läßt in diesem Fall viel zu wünschen übrig. Im Prinzip läßt es sich auch auf Maschinen mit dem 8088 und 4,77 Megahertz Taktfrequenz betreiben, aber trotz seiner drastisch verbesserten Leistung gegenüber früheren Versionen ist es dann für die meisten Anwender zu langsam.

Ein mit 6 MHz getakteter PC AT oder Kompatibler mit EGA-äquivalentem Bildschirm stellt jedoch ausreichende Leistung für die meisten Anwendungen unter Windows 2.0 bereit. Die schnelleren 8-, 10- und 12-MHz-AT-Systeme (und sogar 8-MHz-8086-Geräte wie das PS/2 Modell 30) eignen sich noch besser.

Bis zum Verfügbarkeit des OS/2 Presentation Manager im nächsten Herbst wird Windows 2.0 die einzige praktische Möglichkeit für Besitzer von 80286-Maschinen darstellen, auf grafische Benutzerschnittstelle zuzugreifen. Auch danach wird Windows 2.0 wahrscheinlich für viele Anwender die bessere Alternative bleiben. Die höheren Kosten für OS/2 und die dafür erforderlichen Ressourcen lassen die Kombination von Windows 2.0 und DOS für einige Zeit als

die praktischere Alternative erscheinen. Angesichts des Aufwandes, den die Aufrüstung eines Systems auf die für OS/2 erforderliche Ausbaustufe bedeutet, werden viele Anwender der genannten Kombination den Vorzug geben.

Ein 10-MHz-System mit dem 80286er mit 20-MB-Festplatte etwa ist kaum ausreichend gerüstet für OS/2, selbst wenn es die 3 bis 4 MB Arbeitsspeicher aufweist, die OS/2 benötigt, um überhaupt etwas Nützliches zu tun. Nun besitzen viele der installierten Systeme dieser Leistungsklasse lediglich 1 Megabyte Hauptspeicherkapazität oder noch weniger. Bei diesem Preis kommt Windows 2.0 um eine erkleckliche Summe billiger als die Zusatz-Hardware, die derjenige anschaffen muß, der OS/2 betreiben will.

Die Tatsache, da? Windows 2.0 die gleiche Anwenderschnittstelle bietet wie der Presentation-Manager - und das fast ein Jahr früher zu wesentlich niedrigeren Kosten - ist kein hinreichender Grund es zu kaufen. Sicher, einige User werden jetzt schon ein Gefühl dafür bekommen wollen, wie der Presentation Manager einmal aussehen wird. Wichtigere Gründe für den Einsatz von Windows 2.0 erscheinen jeden Monat, nämlich die wachsende Zahl exzellenter Anwenderprogramme, die unter Windows laufen und irgendwann einmal auch unter dem Presentation Manager zur Verfügung stehen werden.

Ganz ohne Frage wird die aufregendste und wichtigste Software der nächsten vier bis fünf Jahre für Windows und den OS/2 Presentation Manager geschrieben werden. Windows 2.0 bietet bei weitem den besten und wirtschaftlichsten Weg für den größten Teil der Anwender, schon jetzt den Nutzen aus dieser Software zu ziehen.

Wenn Sie nicht gerade zur Elite derjenigen gehören, die ein 80386-System ihr eigen nennen (in diesem Fall stellt Windows 386 eine noch bessere Alternative dar), möchte ich Ihnen folgenden Rat geben: Laufen (nicht gehen) Sie zum nächsten Computerhändler und holen Sie sich ein Exemplar von Windows 2.0. Es gibt keinen Grund, so viel zu verpassen, wenn der Eintrittspreis in die Zukunft so niedrig ist.