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Interview

"Windows NT bedeutet vor allem viel Arbeit"

24.12.1999
Mit Ray Lane, Chief Operating Officer von Oracle, sprach Don Tennant, Redakteur der "Computerworld Hongkong"

CW: Was halten Sie von der Beweisaufnahme im Fall Microsoft?

Lane: Sie ist zutreffend. Wir hatten schon lange das Gefühl, daß Microsoft das Recht bricht. Microsofts Vergehen besteht darin, das aus dem Windows-Monopol stammende Geld zu verwenden, um andere Geschäfte zu etablieren.

Auf unseren Konferenzen gibt es kaum eine Firma, die nicht folgendes Microsoft-Angebot in der Tasche hat: "Hier sind 10000 Dollar, hier eine Million, wir bezahlen das Marketing und alle sonstigen Kosten. Sie brauchen nur Ihre Software auf unsere Plattform zu portieren."

CW: Wie beurteilen Sie die Verteidung von Microsoft?

Lane: Bill Gates wehrt sich immer auf dieselbe Weise: Es gehe um Innovation, Windows habe das offene Internet erst ermöglicht und Netscape bis zu einem Verkaufswert von zehn Milliarden Dollar wachsen lassen. Das soll Netscape allen Ernstes Windows zu vedanken haben - unglaublich.

CW: Verdankt nicht auch Oracle Microsoft mit Windows NT eine lukrative Massenplattform?

Lane: Windows NT bedeutet für uns viel Arbeit. In der Unix-Welt entwickeln wir für Suns Solaris-Betriebssystem und portieren ohne großen Aufwand auf andere Plattformen. Für NT müssen wir dagegen eine völlig eigene und aufwendige Entwicklung betreiben. Natürlich hat uns das einen neuen Markt beschert. Aber hätten wir ihn wirklich gebraucht?

CW: Ist das Ihr Ernst?

Lane: Wenn wir das Geschäft nicht mit NT gemacht hätten, dann mit etwas anderem. Es geht um die Kunden, und die hätten wir nicht allein gelassen. Wir können unsere Software auch auf Linux verkaufen. Daß das kein Massenmarkt ist, liegt am Microsoft-Monopol.

CW: Wie sehen Sie die Zukunft von Linux?

Lane: Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist außergewöhnlich gut, der Markt wächst wie verrückt, die Anhängerschaft ist kaum zählbar und die Beliebtheit bei Software-Entwicklern unübertroffen. Linux zu ignorieren wäre dumm. Dabei geht es nicht um Freeware, sondern darum, Geld zu machen, insbesondere mit Support.

CW: Wie sieht es mit Windows CE aus?

Lane: Windows-Kunden werden ihre bisherigen PC-Anwendungen dorthin bringen wollen. Aber es gibt in diesem Markt viel Wettbewerb, deshalb wird der Erfolg hinter dem von Windows zurückbleiben. Trotzdem wird es eine gewichtige Rolle spielen. Microsoft geht in keinen Markt, in dem es nicht en masse verkaufen kann.

CW: Wie stehen Sie im Vergleich zu Informix und Sybase?

Lane: Der Datenbankmarkt hat sich gewandelt. Diese Firmen sind für uns nicht mehr relevant. Sybase konzentriert sich auf Software für mobile Rechner jeder Art und macht dabei keine schlechte Figur. Informix versucht dagegen unsinnigerweise, im Geschäft für Internet-Datenbanken mitzuhalten. Dort heißen unsere Konkurrenten aber eindeutig IBM und Microsoft. Allerdings hat Microsoft einige Skalierungsprobleme.

CW: Und Big Blue?

Lane: Die IBM tritt mit UDB immer aggressiver und erfolgreicher auf. Das Unternehmen ist seit langen Jahren ein Partner von uns, aber die Konkurrenz entfremdet uns zunehmend voneinander. Ich weiß nicht, ob sich das für die IBM auf Dauer auszahlt.

CW: Und wie sieht es im Markt für betriebswirtschaftliche Software aus?

Lane: SAP ist natülich der Hauptkonkurrent - schon wegen der großen Installationsbasis. Aber während unsere Wachstumszahlen um 20 Prozent hochgingen, sind die von der SAP auf 20 Prozent gesunken. Peoplesoft und Baan sind dagegen so ziemlich aus dem Rennen. Dort läuft alles durcheinander. Bei Peoplesoft mußte das Management ausgewechselt werden, und Baan wird von Finanzproblemen geplagt.

CW: Bringen wir noch ein paar weitere Firmen ins Spiel. Waren Sie als CEO für Hewlett-Packard (HP) und Compaq im Gespräch?

Lane: HP ist ein tolles Unternehmen, aber interessieren würde mich dort nur das Server-Geschäft, das dort vielleicht ein Viertel ausmacht. Hinzu käme der PC-Bereich und vor allem das Verkaufen von Druckern - für mich keine sehr attraktive Perspektive.

CW: Hat man Ihnen den Job formal angeboten?

Lane: Bei HP ja, bei Compaq nicht.

CW: Letzte Frage: Ist es nicht frustrierend, ständig die Nummer zwei hinter Larry Ellison zu sein?

Lane: Klar. Manchmal will ich mir nicht die Zeit nehmen, meinen Chef zu überzeugen, sondern selbst entscheiden. Aber ich weiß wer der Boß ist. Zudem versteht Larry mehr von Produkten.