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25.04.2003 - 

Verstärkte Konkurrenz für Microsoft durch Linux und Java

Windows Server 2003 kommt

MÜNCHEN (ws) - Mit rund einem Jahr Verspätung entlässt Microsoft seinen neuen Windows-Server in den Markt. Dort trifft er auf ein ganz anderes Umfeld als noch sein Vorgänger: Linux gewinnt Marktanteile auf Intel-Maschinen, Java-Server erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, und Windows wurde zum bevorzugten Ziel von Hackern.

Mehr als drei Jahre nach der Freigabe von Windows 2000 bringt Microsoft den Nachfolger seines Server-Betriebssystems auf den Markt. Im Gegensatz zum Vorgänger gilt Windows Server 2003 als ein evolutionäres Upgrade, in dem viele bereits vorhandene Dienste überarbeitet wurden. Die meisten Verbesserungen und Neuerungen begegnen den drei wichtigsten Herausforderungen, mit denen Microsoft seit der Freigabe von Windows 2000 konfrontiert ist: Linux, Java und Sicherheitsproblemen.

Microsoft nimmt Linux ernst

Während Microsoft Ende der 90er Jahre die Bedeutung von Linux noch herunterspielen konnte, gilt das freie Betriebssystem dank Unterstützung durch große Hersteller mittlerweile als gefährlichste Konkurrenz für Windows. Laut internen Studien aus Redmond gehen die Firmenverantwortlichen davon aus, dass Linux Windows gleich von zwei Seiten bedroht. Zum einen macht sich der freie Unix-Clone zunehmend im unteren Segment breit, wo er als Datei-, Druck- und Web-Server Commodity-Dienste erbringt. Diese Aufgaben kann Linux durchgängig auf Basis freier Software erfüllen. Zum anderen wird dem Pinguin für Applikations-Server immer öfter der Vorzug vor proprietären Unix-Installationen gegeben. Dieser Trend geht zwar auf Kosten von Solaris, HP-UX oder AIX, verbaut Microsoft aber einen Markt, in dem sich der Softwareriese große Wachstumschancen für Windows ausrechnet. In diesem oberen Segment dominieren Linux-Lösungen auf Basis kommerzieller Middleware, Datenbanken oder betriebswirtschaftlicher Anwendungen.

Mit dem Windows Server 2003 reagiert Microsoft auf diese Entwicklungen und möchte sich Linux nach oben und unten widersetzen. Im Lowend versucht die Gates-Company, die Konkurrenz bei Commodity-Diensten durch verbesserte Implementierungen und Innovationen zu verschärfen. So soll das neue System als Datei-Server deutlich schneller arbeiten als Windows 2000 und damit die Performance des Open-Source-Konkurrenten "Samba" um 60 Prozent übertreffen. Immerhin gibt Microsoft zu, dass bisher der freie Rivale auf gleicher Hardware besser abschneidet als Windows. Ähnliche Maßnahmen sollen die Popularität von Linux als Web-Server brechen. Auch hier gestehen Firmenverantwortliche ein, dass zurzeit die Kombination aus Apache und Linux bei identischer Rechnerausstattung mehr Leistung erbringen kann als das hauseigene System. Unter Windows Server 2003 verpflanzte Microsoft die HTTP-Implementierung in den Kern des Betriebssystems. Dadurch soll die Performance des "Internet Information Server" in der Version 6.0 deutlich verbessert worden sein. Eine preislich reduzierte "Web Edition" für den neuen Server zielt auf einen auch kaufmännischen Erfolg gegen Apache.

Zu den Innovationen bei den Dateidiensten zählt der Softwareriese ein Versionierungssystem namens "Shadow Copy". Nach jedem Speichern eines Dokuments wird davon automatisch eine neue Version abgelegt. Bei unerwünschten Änderungen in einer Datei lassen sich daher frühere Varianten wiederherstellen. Auch zwei weitere Features sollen helfen, Dateidienste vom Image der bequemen Allerweltssoftware zu befreien und lästige Open-Source-Alternativen abzuschütteln. So soll Windows nicht nur als "Datengrab" für die gängigen Office-Dokumente dienen, sondern auch andere Medientypen wie Audio oder Video unterstützen. Die bereits mit Windows 2000 eingeführten und nun stark überarbeiteten "Media Services" bieten im Zusammenspiel mit XP-Clients deutlich verbesserte Streaming-Fähigkeiten. Als wesentliche Neuerung im Umgang mit elektronischen Dokumenten betrachtet man in Redmond zudem die Einführung einer digitalen Rechteverwaltung. Die "Microsoft Windows Rights Management Services" (RMS) schränken bei Bedarf die Nutzung von Informationen durch Dritte ein. So lässt sich etwa festlegen, ob Dateien gedruckt, bearbeitet oder per E-Mail weiterversandt werden dürfen.

Microsofts Bemühen, Datei- und Druckdienste aufzuwerten, kommt besondere Bedeutung zu. Sie sind immer noch die mit Abstand meistgenutzten Funktionen von Windows-Servern. Dies gilt besonders für die große Zahl noch aktiver NT-4-Systeme, deren Ablösung in vielen Unternehmen demnächst ansteht. Ihre Aufgabe kann Linux ohne weiteres auf Basis freier Software erbringen - umso wichtiger ist es für Microsoft, Anwender mit interessanten neuen Funktionen vom Aufstieg zum Windows Server 2003 zu überzeugen. Kontraproduktiv scheint dabei indes das vor zwei Jahren eingeführte Lizenzmodell zu sein. NT 4 gilt demnach als nicht mehr Update-fähig, es sei denn, Anwender haben dieses Recht bis Mitte 2002 extra erworben. Unternehmen müssten andernfalls die teurere Vollversion des neuen Windows erstehen.

Gegen die Unix-Anbieter

Im oberen Segment geht es für die Gates-Company nicht um die Verteidigung einer starken Position, sondern um die Erringung von Marktanteilen gegen die etablierte Unix-Konkurrenz. Die dort geforderten Tugenden wie Skalierbarkeit, Verlässlichkeit und Stabilität trauen viele Anwender Microsoft nicht so recht zu, obwohl Windows 2000 gegenüber NT in dieser Hinsicht deutliche Verbesserungen brachte. Auch mit dem neuen Release verspricht der Softwareriese wieder diesbezügliche Fortschritte. Im Vergleich zum Aufsteiger Linux reklamiert Microsoft eine bessere Verwaltbarkeit seines Systems. Das gelte nicht nur für das umfassende Client-Management, sondern treffe auch auf die im Rechenzentrum erwünschten Monitoring-Funktionen zu. Dabei kommt dem Microsoft Operations Manager (MOM) eine zentrale Bedeutung zu. Microsoft will alle Server-Produkte mit MOM-Agenten ausstatten, das eigentliche Management-System muss indes separat erworben werden.

Überarbeiteter Verzeichnisdienst

Zu den Infrastrukturdiensten, die in puncto System-Management eine wesentliche Rolle spielen, zählt ohne Zweifel das Active Directory (AD). Mit Windows 2000 in der Version 1.0 eingeführt, erhält es im Windows Server 2003 eine gründliche Überarbeitung. So lassen sich jetzt Domänen umbenennen, das Verzeichnis kann auf bis zu 5000 Server repliziert werden - bisher herrschte hier ein Limit von 200 Maschinen. Strategisch interessant scheint in diesem Zusammenhang, dass Microsoft vom ursprünglichen Anspruch abrückt, mit dem AD einen unternehmensübergreifenden Verzeichnisdienst etablieren zu wollen. Vielmehr soll es sich zukünftig primär auf die Verwaltung von Netzressourcen konzentrieren. Für die Authentifizierung von Benutzern im Rahmen einzelner Anwendungen arbeitet Microsoft an der Variante AD/Application Mode. Die bisher dem AD zugedachte Schirmfunktion sollen indes die "Metadirectory Services" übernehmen, die im Lauf des Jahres in der Version 2003 erscheinen.

Linux gewinnt als Applikations-Server sicher an Bedeutung, weil eine Reihe von renommierten Softwarehäusern wie SAP oder Oracle ihre Anwendungen auf das freie System portieren. Die Entwicklung neuer Software für den Enterprise-Einsatz hingegen spitzt sich im Wesentlichen auf zwei Programmiermodelle zu: Java und Windows/.NET. Dank der Unterstützung durch praktisch alle namhaften Anbieter etablierte sich Linux mittlerweile als eine der wichtigsten Java-Plattformen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Applikations-Servern auf Basis der Java 2 Enterprise Edition (J2EE) zu, die fast alle auch in Linux-Ausführungen vorliegen.

Microsoft betrachtet sich ebenfalls als wichtigen Player im Markt für Applikations-Server, auch wenn die Company von vielen Anwendern nicht als solcher wahrgenommen wird. Dabei bietet der Windows-Hersteller die für J2EE-Server typischen Funktionen als Teil des Betriebssystems an. Diese Aufgaben teilen sich der Internet Information Server (IIS), die .NET Common Language Runtime (CLR) sowie die "Enterprise Services". Mit seiner Unterstützung für Active Server Pages (ASP) dient der IIS primär der Erzeugung von Web-Oberflächen, während die CLR als Ablaufumgebung für "Managed Code" als Gegenstück zur Java Virtual Machine (JVM) firmiert. Die CLR konnte schon unter Windows 2000 nachinstalliert werden und gehört in der Version 1.1 zum Lieferumfang des neuen Servers. Hinter den Enterprise Services verbirgt sich im Wesentlichen COM+, das Dienste für die objektbasierende Transaktionsverarbeitung anbietet. Dazu zählen ein Transaktionsmonitor und eine nachrichtenorientierte Middleware (MS MQ) zur asynchronen Verarbeitung von Anfragen.

Abb: Windows in der Zange

Druck von zwei Seiten: Linux soll vielschichtiger als Windows sein - oder unkomplizierter. Quelle: Microsoft