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Schwache Geschäftsfelder werden quersubventioniert

Windows und Office retten Microsofts Bilanz

22.11.2002
MÜNCHEN (CW) - Erstmals in seiner Firmengeschichte hat Microsoft Geschäftsergebnisse einzelner Sparten vorgelegt. Sie zeigen, dass der Konzern in neuen Marktsegmenten wie Unterhaltung oder betriebswirtschaftliche Software Verluste schreibt. Interessieren dürfte das Zahlenwerk auch die EU-Kartellwächter.

Professionelle Marktbeobachter wussten es schon immer: Microsoft nutzt seine hohen Gewinne aus dem Verkauf von Windows- und Office-Produkten dazu, neue Märkte zu erobern. Überraschend kam für viele, dass der weltgrößte Softwarehersteller nun erstmals die operativen Ergebnisse seiner sieben Geschäftsbereiche auf den Tisch legte.

Aus einer Mitteilung an die US-amerikanische Börsenaufsicht für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres (Stichtag 30. September) geht hervor, dass die Gates-Company in vier Divisionen Verluste schreibt. Mit 177 Millionen Dollar weist die Home and Entertainment Division, zu der die Spielekonsole X-Box gehört, den höchsten Fehlbetrag aus. Im lukrativen Spielemarkt konkurriert der Konzern vor allem mit Sony und Nintendo.

Rote Zahlen schreibt auch der Bereich Business Solutions, der die mit Great Plains und Navision erworbenen betriebswirtschaftlichen Softwareprodukte verantwortet: Einem Quartalsumsatz von 107 Millionen Dollar steht ein operativer Verlust von 68 Millionen Dollar gegenüber. Die erst kürzlich gegründete CE/Mobility Division (Software für Handheld-Computer und Mobiltelefone) verbucht ein Minus von 33 Millionen Dollar. Schon seit längerem schwächelt auch die MSN-Einheit (Internet-Dienste). Sie verliert 97 Millionen Dollar bei Umsätzen von 531 Dollar Millionen Dollar.

Mit Abstand am profitabelsten arbeitete die Client-Division. Aus dem Verkauf von Betriebssystemen für Desktop-PCs und Notebooks generierte die Gates-Company satte 2,48 Milliarden Dollar Gewinn, wohlgemerkt in einem Quartal. Legt man den angegebenen Umsatz von 2,89 Milliarden Dollar zugrunde, ergibt sich eine atemberaubende Profitmarge von 85 Prozent. Auch das Geschäft mit Office-Produkten brummt. Die zuständige Knowledge Worker Division weist einen Profit von 1,88 Milliarden Dollar und Umsatzerlöse von 2,39 Milliarden Dollar aus; der Verkauf von Server-Systemen bringt dem Konzern aus Redmond hingegen unterm Strich "nur" 519 Millionen Dollar.

Die Zahlen des Desktop-Monopolisten dürften auch die Kläger im EU-Kartellverfahren interessieren. Sie werfen dem Konzern vor, unter Ausnutzung seiner dominierenden Stellung im Desktop-Segment andere Märkte wie den für Server-Betriebssyteme beherrschen zu wollen. Als kartellrechtlich relevant stufen die Europäer zudem die Verknüpfung des "Media Players" mit dem Windows-Betriebssystem ein.

Schon mehrmals hatte die EU-Wettbewerbskommission deutlich gemacht, dass das hiesige Verfahren nicht mit dem kürzlich beendeten Monopolprozess in den USA vergleichbar sei. Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte dem "Handelsblatt", das milde Urteil des US-Gerichts könne für die EU kein Maßstab sein. (wh)