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25.01.2002 - 

Quartalszahlen von Microsoft, Compaq und Apple geben einen Hoffnungsschimmer

Windows XP: Gradmesser der IT-Branche?

MÜNCHEN (CW) - Die Frage, wann sich die IT-Industrie wieder erholt, dürfte definitiv erst in der zweiten Jahreshälfte zu beantworten sein. Einen anderen Schluss lassen die jüngsten Quartalsergebnisse von Microsoft, Compaq und Apple nicht zu - wenngleich Anzeichen zumindest für eine Erholung des PC-Marktes erkennbar sind.

Auf den ersten Blick war es eine hervorragende Bilanz, die Microsoft vergangene Woche für das zweite Quartal präsentierte. Einnahmen in Höhe von 7,74 Milliarden Dollar bedeuteten nicht nur einen im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode 18-prozentigen Zuwachs, sondern gleichzeitig neuen Umsatzrekord. Das war weitaus mehr als das, worauf sich die Analysten in ihren Prognosen (plus neun Prozent) eingestimmt hatten. Beim Ergebnis gelang der Gates-Company ebenfalls keine Punktlandung - allerdings unter negativen Vorzeichen. Mit einem Nettogewinn von 2,28 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Aktie wurden die Erwartungen der Wallstreet (49 Cent je Aktie) deutlich verfehlt. Bereinigt um Sonderaufwendungen von 660 Millionen Dollar für die laufenden Kosten des Kartellverfahrens lag zudem der operative Profit mit 2,84 Milliarden Dollar unter dem des zweiten Quartals im Vorjahr (3,19 Milliarden Dollar).

Microsofts Finanzchef John Connors führte die Rekordeinnahmen im abgelaufenen Quartal vor allem auf drei Produkteinführungen zurück: Windows XP, die Spielekonsole X-Box sowie das überarbeitete Internet-Portal Microsoft Network (MSN). Insbesondere die Verkäufe von Windows XP hätten alle Erwartungen übertroffen, hieß es. So seien seit dem weltweiten Launch des PC-Betriebssystems am 25. Oktober 2001 mehr als 17 Millionen Lizenzen an PC-Hersteller und OEMs ausgeliefert worden. Zum Vergleich: Das bisher erfolgreichste Microsoft-Produkt Windows 95 brachte es laut IDC 1996, also im ersten kompletten Jahr nach seiner Markteinführung, auf 19 Millionen registrierte Lizenzen. Auch die X-Box, die seit 15. November vergangenen Jahres im US-Markt vertrieben wird, ist mit bisher 1,5 Millionen verkauften Einheiten alles andere als ein Ladenhüter.

Dass Finanzanalysten trotzdem zurückhaltend auf die Zahlen der Gates-Company reagierten, hat mehrere Gründe. Zum einen relativiert sich bei näherer Betrachtung der Rekordumsatz der Redmonder im abgelaufenen Quartal deutlich. So dürften die auch im Vergleich zu Windows 98 und der Windows Millennium Edition um rund 300 Prozent höheren Anfangsverkäufe von Windows XP zum Großteil in den Consumer-Markt gegangen sein - nach Schätzungen von IDC trifft das für knapp 14 der bis dato 17 Millionen registrierten XP-Lizenzen zu. Mit anderen Worten: Unternehmenskunden zeigten sich bisher zurückhaltend, was den Umstieg auf das neue Windows-Release angeht. Für diese Annahme spricht auch, dass die Umsätze von Microsoft mit Desktop-Software in der letzten Berichtsperiode (2,45 Milliarden Dollar) gegenüber dem Vorjahr (2,48 Milliarden Dollar) rückläufig waren.

X-Box derzeit ein VerlustbringerÜberdies waren es nicht nur die Sonderaufwendungen für das Antitrust-Verfahren, die Microsoft den Gewinn verwässerten. So hat sich die Gates-Company nach Ansicht vieler Branchenkenner mit der X-Box auf einen extrem harten Preiskampf mit Sony, Nintendo & Co. eingelassen. Beim derzeitigen Verkaufspreis von knapp 300 Dollar nimmt Microsoft einschlägigen Schätzungen zufolge pro Einheit einen Verlust von 100 Dollar in Kauf, die 500 Millionen Dollar teure Werbekampagne zum Produkt-Launch noch gar nicht eingerechnet. Und auch bei den XP-Verkäufen tickt - bilanziell gesehen - unter Umständen eine Zeitbombe. Knapp 30 Prozent der im zweiten Quartal ohnehin nicht berauschenden XP-Umsätze im Firmenkundengeschäft basieren laut Microsoft auf mehrjährigen Verträgen mit Lizenzstaffelung. Das heißt, ein Großteil dieser Einnahmen wurde bereits jetzt verbucht. Zieht der Enterprise-Markt bei Desktop-Software in den kommenden Monaten nicht an, hat Microsoft zwar in der Folge weitere garantierte Lizenzumsätze, doch mittelfristig mangels ausreichendem Neugeschäft auch ein, wie ein Wallstreet-Analyst trocken feststellte, "handfestes Problem".

Finanzvorstand Connors gab sich denn auch in seinem Ausblick für das dritte Quartal betont skeptisch. Man rechne für die am 31. März endende Berichtsperiode gegenüber dem Vorjahr zwar mit einem deutlichen Umsatzanstieg auf 7,3 bis 7,4 Milliarden Dollar - dies aber auch nur, wenn sich nicht alle "Marktparameter weiter verschlechtern". In diese Umsatzplanung bereits einkalkuliert sei dabei, so Connors, ein entsprechender Verkaufserfolg der X-Box in Asien sowie ein weiterer Rückgang des weltweiten PC-Markts im laufenden Quartal um fünf Prozent. Mit einer signifikanten Trendwende rechne man bei Microsoft frühestens mit Beginn des neuen Geschäftsjahres zum 1. Juli. Dann könnten sich die jetzt vollen Läger der PC-Hersteller leeren und damit auch Windows XP seiner Rolle als Katalysator der PC-Branche gerecht werden.

Dieser Sichtweise schlossen sich vergangene Woche auch die PC-Anbieter Compaq und Apple an, die gute Ergebnisse meldeten. So beendete Compaq das vierte Quartal mit einem Umsatz von 8,5 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von einer Milliarde Dollar oder 14 Prozent gegenüber dem dritten Quartal und einem Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht. Das Entscheidende dabei ist: Mit einem Reingewinn von 92 Millionen Dollar kamen die Texaner nach zuletzt verlustreichen Quartalen wieder in die schwarzen Zahlen. Compaq-Chef Michael Capellas machte dafür das gute Weihnachtsgeschäft mit PCs sowie eine wieder leicht gestiegene Nachfrage nach Servern verantwortlich und wertete Letzteres als erstes Anzeichen dafür, dass die Rezession in den USA und Europa noch in diesem Jahr beendet sein könnte.

Auch Macintosh-Spezialist Apple gab Anlass zur Hoffnung. Zwar setzte die Apfel-Company im abgelaufenen vierten Quartal 2001 mit 1,38 Milliarden Dollar etwas weniger als die angepeilten 1,4 Milliarden Dollar um, im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode bedeutete dies aber ein Wachstum von 37 Prozent. Der Gewinn lag bei 38 Millionen Dollar nach einem Vorjahresverlust von 195 Millionen Dollar. Für das laufende erste Quartal 2002 korrigierte Finanzchef Fred Anderson die Umsatzplanung aufgrund der hohen Erwartungen an den neu gestalteten Imac-Rechner nach oben. Statt bisher 1,4 sollen nun 1,5 Milliarden Dollar in den Büchern stehen. (gh)