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28.06.2002 - 

Microsoft will Sun beschwichtigen

Windows XP mit alter Java-Technik

MÜNCHEN (CW) - Um einen neuerlichen Rechtsstreit mit Java-Urheber Sun zu verhindern, integriert Microsoft seine mittlerweile veraltete und nur noch separat angebotene Java Virtual Machine (JVM) für kurze Zeit wieder ins Portfolio.

Nach verlorenem Rechtsstreit mit dem Java-Lizenzinhaber Sun Microsystems musste Microsoft im letzten Jahr die Weiterentwicklung seiner JVM einstellen. Während heutige JVMs bereits konform mit Versionsstand 1.4 des Java Development Kit (JDK) sind, blieb Microsofts Eigengewächs auf dem Versionsstand 1.1.4 stehen und gilt ebenso wie der Java-Compiler aufgrund Windows-spezifischer Veränderungen an den Programmier-Schnittstellen als nicht voll kompatibel zum Java-Standard.

Mit besagtem Gerichtsurteil behielt Microsoft jedoch eine Option, die eigene JVM in den seinerzeit verfügbaren Produkten bis Anfang 2008 weiterhin zu verwenden. Neue Produkte der Redmonder dürfen dagegen nur bis zum Jahr 2004 mit dieser Technik arbeiten.

Bei der Markteinführung von Windows XP im Herbst 2001 hat der Hersteller deshalb von vornherein auf die Integration der veralteten JVM in das neue Betriebssystem verzichtet.

Wer dennoch eine JVM brauchte, musste das mehrere Megabyte große Plugin separat bei Microsoft herunterladen und nachträglich installieren oder - was in der Programmierpraxis die Regel ist - sich etwa auf der Website von Sun gleich die derzeit aktuelle JVM für Windows XP als kostenlosen Download besorgen.

In diesem Vorgehen sieht Sun jedoch einen Vertragsbruch. Der Hersteller befürchtet, dass die Trennung von JVM und Betriebssystem viele Windows-Benutzer dazu verleiten könnte, sich komplett von Java zu verabschieden. Sun reichte deshalb im März 2002 neuerlich Klage ein und verlangt eine Entschädigung in Höhe von über einer Milliarde Dollar.

Anfang 2004 ist Schluss mit Java

Mit der Bündelung seiner alten JVM mit dem Service Pack 1 für Windows XP will der Softwareriese nun die drohende Verurteilung abwenden und der fast schon obsessiven Verfolgung durch Sun ein Ende machen. Microsoft bestreitet aber, dass der Schritt außerdem dazu diene, sein Image für das Antitrust-Verfahren aufzupolieren. Auch kündigte das Unternehmen an, dass es Anfang 2004 endgültig die Unterstützung von Java in seinen Betriebssystemen einstellen wolle, da ja dann das Nutzungsrecht für Neuprodukte ablaufe. Kunden sollten zudem keinerlei Support für die JVM wie etwa Bugfixes erwarten.

Java-Entwickler und Marktbeobachter sehen Microsofts Einlenken als reine Taktik. So hieß es in einschlägigen Internet-Foren, dass es den Redmondern nur recht sein könne, eine alte, zum Java-Standard inkompatible JVM-Version in Umlauf zu bringen, da dies dem Ansehen der eigenen Programmiersprache und Java-Konkurrenz C# und dem .NET-Framework zugute kommen werde. (as)