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22.08.1997 - 

Interview

"Wir behaupten uns gegen die Konkurrenz"

Nach dem Verkauf der Digital-Video-Sparte an die kalifornische Pinnacle Systems existiert die Miro Computer Products AG als eigenständiges Unternehmen nicht mehr. Zuvor wurden bereits das Monitorgeschäft sowie der Bereich Grafik und Multimedia an den koreanischen KDS-Konzern veräußert.

CW: Vor nicht allzu langer Zeit galt Miro noch als einer der wenigen deutschen IT-Hersteller, der sich gegen die Konkurrenz aus Fernost und Nordamerika behaupten konnte. Inzwischen sind sämtliche Unternehmensteile an ausländische Firmen verkauft. Wie kam es dazu?

Kühn: Wir verteidigen uns nach wie vor erfolgreich gegen die ausländische Konkurrenz. Der Digital-Video-Bereich, jetzt unter dem Dach von Pinnacle Systems, ist heute Weltmarktführer. Verändert hat sich lediglich die Form der Finanzierung. Wir wollten die Videosparte entweder in den USA an die Börse bringen oder einen strategischen Partner finden.

CW: Ihr Vorstand Georg Blinn hat gegenüber der CW von massiven Liquiditätsproblemen gesprochen. Miro war diesen Angaben zufolge gezwungen, einen Investor zu finden.

Kühn: Der Digital-Video-Bereich ist in sich hochprofitabel. Es gibt hier keine Liquiditätsprobleme. Für diese Sparte hätten wir in den USA auch eine andere Lösung, etwa einen Börsengang, finden können. Mit Pinnacle als Partner hat sich eine Konstellation ergeben, die Synergieeffekte und damit Zukunftsperspektiven bietet.

CW: Bei den Grafik- und Multimedia-Produkten, mit denen Miro groß geworden ist, scheint die Situation nicht so rosig gewesen zu sein.

Kühn: Dieser Bereich hat sich letztes Jahr aus verschiedenen Gründen nicht positiv entwickelt. Es gab beispielsweise diverse Wechsel im Vorstand. Außerdem fehlte es an Konzeption und Gradlinigkeit, was die Produkte betrifft.

CW: Im April 1997 wurde Miro unter dem Dach einer Holding in selbständig agierende Geschäftseinheiten aufgeteilt. Damals hieß es, man wolle sich künftig auf die Kernkompetenzen Digitales Video, Grafik und Multimedia konzentrieren. Hat diese Umstrukturierung nicht den gewünschten Erfolg gebracht?

Kühn: Doch. Wir haben schon Ende vergangenen Jahres dem Vorstand und dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, die Organisation so umzustellen, daß wir in den USA börsenfähig werden. Dieser Weg hat sich als richtig erwiesen.

CW: Es ging dabei also um eine deutlichere Trennung der Geschäftsbereiche?

Kühn: Ja. Innerbetrieblich haben wir schon früher mit der Umstellung begonnen. Der nächste Schritt war die Separierung der Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten in Europa. Wenn in einem Unternehmen kein Fokus erkennbar ist und die Vertriebsleute die gesamte Bandbreite der Produkte erklären müssen, kann das nicht den gewünschten Erfolg bringen.

CW: Die Digital-Video-Sparte mit Sitz in Braunschweig soll künftig auch Pinnacle-Produkte vermarkten. Welche Überschneidungen gibt es dabei?

Kühn: Pinnacle kommt aus dem Broadcasting- und dem professionellen Desktop-Bereich. Miro plaziert seine Videoprodukte im unteren und mittleren Segment. Deshalb gibt es kaum Überschneidungen. Im Entry-Bereich existieren mit unserer "Video- Director"-Serie zwar einige Produkte, die eventuell einen Konflikt hervorrufen können. Wir haben aber beschlossen, daß wir bei dem Nachfolgeprodukt der Miro-Technologie den Vorzug geben werden. Mittelfristig kann es in gewissen Bereichen natürlich zu Konsolidierungen kommen.

CW: Pinnacles CEO Mark Sanders hat erklärt, er sei vor allem auch an den Distributionskanälen Miros in Europa und Asien interessiert. Besteht nicht die Gefahr, daß Miro zum Vertriebsbüro für Produkte der US-Mutter verkommt?

Kühn: Nein. Man muß hier unterscheiden. Zum einen gibt es den Entwicklungsbereich mit einem vierzigköpfigen Ingenieurteam in Braunschweig, das ein unschätzbares Kapital darstellt. Im Silicon Valley ist es außerordentlich schwierig, Ingenieure zu kriegen. Andererseits hat sich Pin- nacle mit Miro natürlich auch Vertriebsmöglichkeiten in Europa und Asien gekauft. Wir haben diese Strukturen über Jahre aufgebaut und werden sie auch in Zukunft beibehalten.

CW: Welche Auswirkungen hat die Veräußerung der Digital-Video-Sparte auf die Produktionsstandorte?

Kühn: Wir haben Produktionsstätten in Taiwan, Schottland, China und Braunschweig. Dabei wird es bleiben.