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25.02.2000 - 

Ixos-Chef Hans Strack-Zimmermann im CW-Gespräch

"Wir brauchen uns nicht zu emanzipieren"

MÜNCHEN - Die Ixos AG, bekannt als Spezialist für Archivlösungen im SAP-R/3-Umfeld, hatte in den letzten Monaten eher Gegenwind - sowohl an der Börse als auch im Markt, wo es zeitweise zu Umsatzeinbrüchen kam. Immer wieder werden dem Unternehmen Schwierigkeiten bei der Abnabelung von SAP unterstellt. Ein Weg, der angesichts neuer Technologietrends jedoch notwendiger denn je ist. CW-Redakteur Gerhard Holzwart unterhielt sich darüber mit Vorstandschef und Chief Technology Officer (CTO) Hans Strack-Zimmermann.

CW: Im Herbst vergangenen Jahres hat Ihr Unternehmen für negative Schlagzeilen gesorgt. Das Lizenzgeschäft war im ersten Quartal massiv eingebrochen, unter dem Strich blieb ein sattes Minus übrig. Ist dies rückblickend als einmaliger Ausrutscher zu werten oder doch eher Ausdruck der strategischen Falle, in die sich Ixos nach Ansicht vieler Branchenkenner durch die langjährige Abhängigkeit vom ERP-Anbieter SAP begeben hat?

Strack-Zimmermann: Jetzt haben Sie viel Diskussionsstoff in eine einzige Frage gekleidet. Wir haben inzwischen die neuesten Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht, und Sie sehen mich hier völlig entspannt sitzen. Besagte Ergebnisse und auch das, was wir an Auftragseingängen und Produktankündigungen in der Pipeline haben, sprechen für sich. Insofern würde ich in der Tat beim ersten Quartal von einem Ausrutscher sprechen.

CW: Was war dann für den Misserfolg im vergangenen Sommer ausschlaggebend?

Strack-Zimmermann: Zunächst einmal muss man wissen, dass wir keine Standalone- oder Peripherie-Systeme, sondern strategische und damit geschäftskritische Archivlösungen liefern.

CW: Weil Ixos und seine Kunden von R/3 abhängig sind.

Strack-Zimmermann: Weil wir produkttechnisch in so gut wie jeder ERP-Umgebung zu Hause sind. Und weil wir in Sachen elektronisches Archiv halt auch immer noch der beste SAP-Solution-Provider und die Kunden mit SAP nicht schlecht bedient sind. Aber meine Aufgabe ist es nicht, für unseren Partner in Walldorf zu sprechen. Sie haben nach den Ursachen für den Einbruch im ersten Quartal gefragt und ich nenne Ihnen zwei Gründe: Die Anwender hatten im letzten Sommer mit dem Y2K-Problem wirklich andere Sorgen und deshalb einige wichtige Projekte aufgeschoben. Zudem haben wir in dieser Phase unseren Vertrieb in den USA auf eigene Beine gestellt, was nicht ohne Auswirkungen blieb. Letzteres haben wir, dass gebe ich zu, ein bißchen unterschätzt.

CW: Sie meinen die in den USA ausgelaufene Vertriebspartnerschaft mit der SAP, in der viele den großen und endgültigen Bruch mit Walldorf sahen.

Strack-Zimmermann: Was einfach nicht stimmt. Wir hatten ein ursprünglich auf ein Jahr befristetes Vertriebsabkommen, das dann nochmals um ein Jahr verlängert und nun einfach nur in gegenseitigem Einvernehmen beendet wurde.

CW: Als Sie aber nicht mehr im Windschatten der SAP segeln konnte, bekamen Sie im US-Markt kräftig Gegenwind.

Strack-Zimmermann: Ich weiß nicht, ob man es so plakativ formulieren sollte. Wir haben in den USA in den vergangenen zwei Jahren konsequent unseren eigenen Direktvertrieb ausgebaut - und uns damit vergleichbar wie in allen übrigen Regionen aufgestellt. Dann kam es zu Startschwierigkeiten, in deren Folge wir schnell handeln mussten und unter anderem das komplette Management ausgetauscht haben. Ixos hat, wenn wir die SAP einmal beseite lassen, einen so hohen Auslandsanteil am Umsatz wie kaum ein anderes deutsches Softwareunternehmen. Allein das US-Geschäft trägt im Durchschnitt mehr als ein Viertel zu unseren Einnahmen bei. Wenn es hier zu Problemen kommt, wirkt sich das sofort signifikant aus.

CW: Sind die Probleme im US-Markt jetzt behoben?

Strack-Zimmermann: Ich kann mich hier nur wiederholen. Schauen Sie sich das zweite Quartal an - auch im Hinblick auf unser US-Geschäft. Im übrigen hatten wir auch Pech und konnten aus bilanztechnischen Gründen einen Sieben-Millionen-Dollar-Auftrag von Procter & Gamble nicht mehr im ersten Quartal fakturieren.

CW: Kommen wir zurück zum Verhältnis zu SAP. Beobachtern drängt sich seit längerem der Eindruck auf, dass sich Ihr Unternehmen nicht nur vertriebstechnisch, sondern auch, was die Produktstrategie angeht, von Walldorf emanzipieren möchte.

Strack-Zimmermann: Das sind Legenden, die sich immer wieder im Markt bilden. Wir brauchen uns nicht zu emanzipieren, weil wir nie abhängig waren. Wir haben in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet und werden dies auch in Zukunft tun. Wir ergänzen einander - und das in vielen Bereichen. Viele der so genannten Experten wissen offenbar nicht, dass beispielsweise die Basis-Engine für Mysap.com eine gemeinsame Entwicklung beider Firmen ist. Ixos ist also nicht nur eine Software-Company mit einem florierenden Lizenzgeschäft, sondern in aller Bescheidenheit auch eine der innovativsten Technologieschmieden in Deutschland.

CW: Wenn Sie sich so prima mit SAP verstehen, warum bieten Sie dann zunehmend Produkte jenseits der SAP-Welt an?

Strack-Zimmermann: Wo ist das Problem? Vielleicht sollte man an dieser Stelle mit ein paar Sätzen erklären, was derzeit im Markt vor sich geht. Es gab und es gibt die R/3-Welt oder vergleichbare Lösungen - transaktionsorientierte zentrale Systeme zur Unternehmenssteuerung. Seit geraumer Zeit reden wir aber auch über andere Dinge, Workflow zum Beispiel - auf der Basis von Systemem wie Microsoft Exchange oder Lotus Notes. Umgebungen also, wo man von fast jedem Arbeitsplatz aus Zugriff zu unternehmenskritischen Daten hat und haben muss. Und wir werden in Zukunft noch viel mehr über Anwendungsszenarien wie Customer Interaction und E-Business sprechen. Unternehmen beginnen damit, standortübergreifend mit Partnern und Kunden zusammenzuarbeiten - auf Internet- beziehungsweise XML-Basis.

Für jeden dieser Bereiche werden wir Lösungen zur Archivierung und zum Austausch digitaler Dokumente im Portfolio haben. Man kann es auch so ausdrücken: Früher war R/3 das zentrale ERP-System, heute ist es Teil einer Enterprise-Umgebung. Jetzt gibt es den einen oder anderen Zeitgenossen, der darin das große Zerwürfnis mit SAP sieht. Nüchtern betrachtet, ist dies aber nichts anderes als der Trend, dem wir - schon im Sinne unserer Aktionäre - Rechnung tragen müssen. Wir sind eine, wie man so schön sagt, Public Company und können uns keine Exklusiv-Veranstaltungen mehr leisten.

CW: Es gibt Gerüchte, wonach SAP an eigenen Lösungen im Bereich Archiv und Dokumenten-Management arbeitet.

Strack-Zimmermann: Das kann ich nicht bestätigen. Wir werden jedenfalls von uns aus diesen Markt nicht vernachlässigen. Wir gehen vielmehr davon aus, dass wir auch mit den Mysap.com-Anwendern gut ins Geschäft kommen werden. Aber eben nicht nur mit denen. Die Stärke von Ixos ist es, Systeme zu bauen, die Dokumente jahrelang vorhalten können - lange Zeit, nachdem die eigentliche Transaktion gelaufen ist. Das muss uns erst einmal jemand nachmachen - auch die SAP.

Lassen Sie mich dies aber auch noch von der quasi emotionalen Ebene trennen. Natürlich wird es auch andere Anbieter im Markt geben, und jeder wird beispielsweise seine XML-Schnittstellen offen gegenüber allen verfügbaren Marktplätzen und Portalen gestalten müssen. Das ist auch nichts Neues und Revolutionäres; das haben wir schon vor Jahren mit unserem immer als reine R/3-Lösung ettikettierten "Ixos-Archive" praktiziert.

CW: Ich will nicht noch einmal das verhagelte erste Quartal strapazieren. Einige Ihrer am Neuen Markt gelisteten Wettbewerber sonnen sich aber im Glanz ihrer Erfolge, melden ein Rekordergebnis nach dem anderen - samt einer entsprechenden Kursentwicklung der Aktie. Blicken Sie nicht mit Neid auf Ihre Konkurrenz?

Strack-Zimmermann: Neid ist kein guter Ratgeber im Geschäft. Ich kann nicht erkennen, dass wir strategisch oder finanziell in einer schlechteren Position als unsere Wettbewerber sind - ganz im Gegenteil. Dass wir zuletzt mit unserer Bewertung an der Börse nicht immer zufrieden waren, ist ein anderes Thema.

CW: Wie würden Sie denn Ihre Wettbewerber skizzieren?

Strack-Zimmermann: Es steht mir nicht an, anderen Marktteilnehmern Zensuren zu erteilen.

CW: So war das auch nicht gemeint. Aber interessant wäre eine Auskunft darüber, wem Sie im Markt am häufigsten begegnen.

Strack-Zimmermann: Wenn wir über Neue-Markt-Firmen reden, sind natürlich Easy Software, SER Systeme und CE Computer Equipment gemeint. Von den genannten Anbietern ist eigentlich nur Easy Software mit uns vergleichbar. Die Kollegen treffen wir bei den mittelständischen Kunden. SER und CE bieten eher Ablagesysteme mit ein bißchen Workflow an. Das hat wenig mit unserem Geschäft zu tun. Spätestens wenn SAP ins Spiel kommt, sieht die Sache ohnehin wieder ganz anders aus.

CW: Jetzt wuchern Sie wieder mit dem Pfund, das angeblich keines mehr ist.

Strack-Zimmermann: Ich fürchte, wir haben uns vorher missverstanden. Ich habe nicht zum Ausdruck bringen wollen, dass das SAP-Geschäft für uns keine Bedeutung mehr hat. 65 Prozent Marktanteil in diesem Bereich sprechen Bände. Das ist eine Position, die wir nicht aufgeben wollen. Das ist umgekehrt aber auch eine Verantwortung, der man nicht allein mit dem Verkauf von Lizenzen gerecht wird - sondern mit professionellem Service. Auch unter diesem Gesichtspunkt unterscheiden wir uns von unseren Wettbewerbern. Auf die wir übrigens außerhalb Deutschlands so gut wie überhaupt nicht treffen.

CW: Was ist mit Filenet?

Strack-Zimmermann: Ein etablierter Player in der Dokumenten-Management-Szene. In den USA ist dieses Unternehmen auf jeden Fall ernst zu nehmen.

CW: Einige Ihrer Wettbewerber haben auch durch eine publicityträchtige Akquisitionsstrategie von sich reden gemacht und dadurch zusätzliche Wachstumsphantasie für ihre Aktie erzeugt.

Strack-Zimmermann: Unser Prinzip ist es seit jeher, Produkte selbst zu entwickeln, um auch eine fundierte Lösungs- und Systemintegrations-Kompetenz bieten zu können. Wir wissen, wovon wir reden, wenn wir beim Kunden sind. Dies alles in Kombination mit einem stark ausgeprägten Direktvertrieb, unserer zweiten Stärke. Daran wird sich nichts ändern. Deshalb frage ich mich, welchen Sinn es machen soll, jeden Monat einen Wettbewerber oder Komplementäranbieter zu übernehmen.

CW: Schließen Sie damit einen Zukauf definitiv aus? Kritiker werfen Ihnen ja immer vor, seit dem Börsengang untätig auf einer prall gefüllten Kriegskasse zu sitzen.

Strack-Zimmermann: Auch hier kann ich nur wiederholen, was ich schon mehrmals gesagt habe. Ausschließen kann und möchte ich gar nichts. Aber es muß passen - in jeder Hinsicht. Und wir sehen uns hier unter keinerlei Zeitdruck.

CW: Kommen wir zum Schluss noch einmal auf das E-Business zu sprechen. Welche Herausforderungen sehen Sie hier für Ihr Marktsegment?

Strack-Zimmermann: Allgemein könnte man wohl über den Handel und die Beschaffung von Waren über das Internet reden, also von dem, was die Weltwirtschaft generell verändern wird. Technisch ließe sich das vielleicht auf die Formel reduzieren, dass XML-Dokumente zwischen Kunden und Lieferanten ausgetauscht werden. Für Firmen wie Ixos bedeutet dies, dass der direkte Internet-basierte Dokumentenaustausch zwischen Geschäftspartnern neue Dienstleistungen hervorbringen wird. Denken Sie nur an Themen wie Internet-Versteigerungen, elektronische Rechnungslegung oder digitale Kataloge.

CW: Seit Wochen ist in diesem Zusammenhang auch von der Gründung einer Internet-Tochter die Rede. Angeblich ist es Ihnen nur dadurch gelungen, unzufriedene Entwickler bei der Stange zu halten.

Strack-Zimmermann: Ersteres stimmt, die zweite Aussage nicht. Ich weiß nicht, woher diese Gerüchte stammen.

CW: Warum dauert es so lange, eine neue Tochtergesellschaft zu gründen?

Strack-Zimmermann: Es geht nicht um einen publicityträchtigen Eintrag ins Handelsregister, sondern um einen fundierten Markteintritt mit einer kompletten Mannschaft und verfügbaren Produkten. Wenn die Zeit dafür reif ist, werden wir es mitteilen.

NEUE MÄRKTE IM VISIER

Vom reinen (SAP)-Zulieferer zur Internet-Firma - so soll die neue Erfolgsstory der Ixos AG aussehen. Anders als ihre am Neuen Markt gelisteten Wettbewerber im Archiv- und Dokumenten-Management-Bereich galt die Münchner Softwareschmiede zuletzt nicht unbedingt als Liebling der Börsianer. Die angeblich Y2K-bedingte Krise im ERP-Markt schlug voll auf die Ixos-Bilanz durch. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2000 (Ende: 31. Oktober 1999) mußte das Unternehmen einen Fehlbetrag von knapp neun Millionen Mark verbuchen, der Umsatz war im Vorjahresvergleich um nur drei Prozent auf 37,7 Millionen Mark geklettert. Schon im darauffolgenden zweiten Quartal konnte Ixos allerdings wieder bessere Zahlen melden. Die Einnahmen verbesserten sich gegenüber dem zweiten Quartal des Fiskaljahres 1999 um 32 Prozent auf rund 60 Millionen Mark; mit einem Nettogewinn von gut vier Millionen Mark schrieb man auch wieder schwarze Zahlen.

Vieles spricht dafür, dass Ixos durch das Auslaufen der Vertriebspartnerschaft mit SAP in den USA im ersten Quartal nachhaltig in Schwierigkeiten geraten ist. Viel spricht aber auch dafür, dass die Münchner - wie ihre Wettbewerber - härteren Zeiten entgegengehen. Digitale Archive, Dokumenten-Management, Knowledge-Management, Workflow - die Grenzen der Technologie- und Produktwelten werden zunehmend fließender. Auch die zwischen den Anbietern. Immer mehr große Player wie IBM und Microsoft drängen in diesen Markt, der lange Zeit als "lukrative Nische", zugleich aber als einer der Wachstumsbereiche schlechthin galt. Beobachter gehen deshalb in den nächsten beiden Jahren von einer Konsolidierungswelle aus. gh

Ixos und das E-Business

Internet im Visier: Dokumentenaustausch auf XML-Basis - dort vor allem sieht Ixos die Zukunft. Quelle: Ixos AG