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02.06.2006

"Wir Deutschen sind notorisch risikoscheu"

Claudia Erben, Geschäftsführerin des Forums Kiedrich, fordert in einem CW-Gespräch einen Mentalitätswandel der Hochschulabsolventen.

CW: Laut dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) beklagen deutsche Gründungsexperten ein eher negatives Unternehmerbild. Woran liegt das ?

Forum Kiedrich

Das Forum Kiedrich ist ein Gründer- und Mentorennetzwerk, das junge, innovative Unternehmen mit Know-how-Transfer unterstützt. Zweimal jährlich veranstaltet Forum Kiedrich einen Gründermarkt, auf dem Jungunternehmer ihre Geschäftsideen Mentoren, Business Angels und Unternehmern vorstellen. Ziel des Netzwerkes ist es, dauerhafte Kontakte zwischen den Neugründern und den Mentoren einzuleiten. Forum Kiedrich ist seit 2001 als GmbH eingetragen und wird maßgeblich aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds über das Land Hessen sowie von der Oracle Deutschland GmbH als Hauptpartner, der Messe Frankfurt als Hauptsponsor und der Avaya GmbH & Co. KG, der CSC Ploenzke AG, der Plönzke Holding AG, der Nassauischen Sparkasse, dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen und der Agentur Storymaker unterstützt. Das nächste Treffen findet am 24. Juni 2006 in Wiesbaden statt.

ERBEN: Wir Deutschen sind notorisch risikoscheu - jedenfalls im Allgemeinen. Die meisten wollen an die Hand genommen werden. Ein Gründer, der bewusst Risiken eingeht, verstört. Er konfrontiert uns mit der eigenen Mutlosigkeit und wird deshalb wohl abgewehrt. Ich glaube, dass wir eine Kultur der Selbständigkeit erst leben können, wenn wir in Deutschland die Regulierungswut abbauen und den Einzelnen stärker in die Verantwortung nehmen.

CW: Was machen andere Länder anders, die besser abschneiden - wie die angelsächsischen Länder?

ERBEN: In Deutschland schielen Berufseinsteiger nach wie vor nach der sicheren Anstellung am besten beim Staat oder in einem Konzern. Wir suchen immer noch jemanden, der uns hilft, unser Schicksal zu meistern. In den USA glauben die meisten fest daran, dass sie ihr Glück selbst schmieden können, und schieben die Verantwortung für ihr Schicksal nicht dem Staat zu. Wenn in den USA jemand sein Unternehmen in den Sand setzt, werden ihm seine Erfahrungen angerechnet. In Deutschland wird er geschnitten und bekommt in der Regel sehr schwer einen erneuten Kredit. Denn auch die Banken scheuen hierzulande das Risiko.

CW: Was wäre aus Ihrer Sicht kurzfristig in Deutschland zu ändern?

ERBEN: Die Rahmenbedingungen sollten für Gründer verbessert werden. So sollten Gründer in den ersten beiden Jahren Steuererleichterungen erhalten. Sie müssen von der Gesellschaft für ihren Mut belohnt werden, denn in der Regel setzen sie alles auf eine Karte. Daneben sollte hierzulande selbständiges Denken und Handeln bereits im Kindergarten und der Grundschule gefördert werden. Relativ leicht ließe sich betriebswirtschaftliches Grundlagenwissen oder zumindest ein Verständnis für den technischen und wirtschaftlichen Kontext in den Schulunterricht integrieren. Und vor allem auch in Projekten, in denen die Jugendlichen erfahren, wie verantwortungsvoll und selbstbestimmt diese Form der Erwerbstätigkeit ist. Sie sollten für sich die Erfahrung machen können, was es im Leben wert ist, für sich wirklich Verantwortung zu übernehmen.

CW: Wie sieht es mit der Gründung wachstumsstarker Unternehmen in Deutschland aus?

ERBEN: Was den Anteil an Gründern wachstumsstarker Unternehmen an der Gesamtbevölkerung betrifft, ist Deutschland laut GEM im internationalen Vergleich Mittelmaß. Zwar ist der Anteil wachstumsstarker Unternehmensgründungen mit 1,02 Prozent an der erwachsenen Bevölkerung, im Vergleich zu 5,4 Prozent von Gründern allgemein sehr gering. Doch zeichnen diese für die große Mehrheit der durch Gründungen neu geschaffenen Arbeitsplätze verantwortlich. Dies ist wiederum eine wichtige ökonomische und soziale Herausforderung Deutschlands. Und wenn die befragten Experten laut GEM die Fähigkeiten der Menschen in Deutschland zur Gründung und Führung eines wachstumsstarken Unternehmens als besonders negativ beurteilen (Rang 30 von 35), dann müssen wir noch viel tun.

CW: Was hilft Gründern in der Anfangsphase?

ERBEN: Den Jungunternehmern fehlt es häufig nicht nur an allgemeinem Gründungs-Know-how, sondern auch an dem für ihre Unternehmung nötigen Fachwissen. Hier sind Netzwerke und Anlaufstellen sehr wichtig - diese gibt es in den meisten Kommunen bereits. Gründer sollten diese Unterstützungsangebote nutzen. Denn ein erstaunlich hoher Prozentsatz von Gründern macht sich in einem Fachbereich, von dem er keine Ahnung hat, selbstständig. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ein hoher Prozentsatz dieser Gründungen keinen Bestand hat. Ich bin sicher, dass viele Insolvenzen verhindert werden können, wenn im Vorfeld genau geprüft wird, wo Know-how fehlt und wie dieses beschafft werden kann. Wer seine eigenen Defizite erkennt und etwas dagegen tut, ist erfolgreicher. Auch als Unternehmer. Und je mehr erfolgreiche Gründer wir in Deutschland haben, desto eher werden wir einen im Verwandten- und Bekanntenkreis haben und hautnah miterleben, welche Herausforderungen diese Menschen täglich meistern und welche Befriedigung die meisten daraus schöpfen. Vielleicht ermutigt das dann auch mehr Menschen, sich für diesen Weg zu entscheiden. (hk)