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09.10.1998 - 

Interview

"Wir entwickeln uns zum Meta-Directory-Anbieter"

CW: Herr Goldman, Ihr Unternehmen spricht im Messaging-Bereich verstärkt Internet-Service-Provider (ISPs) und Telefongesellschaften an. Verfolgen Sie ein neues Business-Modell?

Goldman: Jein, diese Entwicklung zeichnete sich schon innerhalb der letzten 18 Monate ab. Ursprünglich wandten wir uns mit unseren Messaging-Produkten an Unternehmenskunden. Als Netscape das Produktdesign erneut untersuchte, stellten wir fest, daß wir eine sehr skalierbare Lösung haben. Dies wünschen insbesondere ISPs und Telcos, aber Unternehmen nur zum Teil.

CW: Hatten Sie die falsche Zielgruppe angesprochen?

Goldman: Ja, wir haben erkannt, wo Netscape nicht erfolgreich war. In Unternehmen, deren IT-Abteilung als zentraler Service-Provider für die Anwender fungiert, hatten wir dagegen Erfolg.

CW: Worin unterscheidet sich Ihre Messaging-Strategie von Lotus, Microsoft und Novell?

Goldman: Nehmen Sie "Microsoft Exchange" als Beispiel. Wenn ein Unternehmen in jeder Zweigstelle einen Messaging-Server betreibt und diese nachts synchronisiert, dann ist das ein schönes Exchange-Szenario. Organisiert aber ein Unternehmen mit 100000 Mitarbeitern seine DV-Dienste einschließlich Messaging zentral in einem Rechenzentrum, dann benötigt es dort mehrere 100 Exchange-Server. Das gibt keinen Sinn, denn wir bewerkstelligen dies auf zwei Servern. Letztlich ist das aber eine organisatorische und firmenpolitische Frage.

CW: Sie sprachen über Exchange, wo ordnen Sie die anderen Mitbewerber ein?

Goldman: Die werfe ich in denselben Topf. Sie spielen in der gleichen Liga wie Exchange.

CW: Bewegt sich Netscape mit dem Fokus auf ISPs und Telcos nicht in das X.500-Areal?

Goldman: Auf Europa bezogen stimmt das, für die USA nicht.

CW: Bleiben wir auf dem europäischen Parkett. Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von X.500?

Goldman: Das in Europa zweifellos sehr populäre X.500 ist sehr stark auf E-Mail ausgerichtet. Netscape verwendet dagegen das Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) als Directory, das Sie für mehr als nur E-Mail benutzen können. In Sachen Messaging sei nur die Konvergenz von E-Mail und Voice-Mail erwähnt. Nicht umsonst unterstützen zahlreiche X.500-Hersteller mittlerweile LDAP und planen reine LDAP-Lösungen.

CW: Ihre Ansicht teile ich nicht, per se ist LDAP doch lediglich ein Zugriffsverfahren auf X.500.

Goldman: Ja, damit haben Sie recht. Netscape hat aber einen Verzeichnisdienst entwickelt, der speziell auf LDAP zugeschnitten ist. Zudem ist LDAP stärker skalierbar und weist eine bessere Performance als X.500 auf. Darüber hinaus ist LDAP einfacher zu implementieren und kein Alptraum für die Programmierer.

CW: Ist Netscapes LDAP noch eine reine Implementierung?

Goldman: Nein, wir haben einige Ergänzungen eingebaut. So verfügt LDAP von Haus aus über keine Replikationsmechanismen. Kehren wir zum Messaging zurück.

CW: Gerne, wenn wir über Messaging diskutieren, spielt aber zwangsläufig der Verzeichnisdienst im Hintergrund eine wichtige Rolle.

Goldman: Ja, die Directories haben eine wichtige Schlüsselrolle in vernetzten DV-Umgebungen. Sie speichern Informationen über einen Anwender, seine E-Mail-Adresse, bieten ihm Zugang zum Internet und verwalten seine Zugriffsrechte. Letztlich haben wir auch bei Netscape eine Directory-zentrierte Welt aufgebaut.

CW: Schön, Sie haben ein vorzügliches Directory, Novell ebenso, Microsoft besitzt irgendwann eines. Wie soll der Anwender all diese Directories pflegen?

Goldman: Diese Frage ist aus zwei Blickwinkeln zu beantworten. Im Internet empfiehlt sich die Verwendung von LDAP, da die Anwendungen sowieso neu geschrieben werden und deshalb keine Probleme mit Altprogrammen auftreten. Entsprechend wird sich in diesem Segment der Wettbewerb verschärfen. Anders sieht es dagegen im Intranet aus. Hier besteht ein riesiges Legacy-Problem, da Applikationen von SAP, Peoplesoft, Baan etc. eine Kombination aus Directory und Datenbankinformationen verwenden. Letztlich bleibt hier nur der Ausweg einer Synchronisation der einzelnen Verzeichnisdienste über ein zentrales Directory - von der Industrie als Meta Directory bezeichnet.

CW: Wohin geht die Reise von Netscape, wenn sich der LDAP-Wettbewerb verschärft?

Goldman: Wir entwickeln uns zum Anbieter eines Meta Direc- tory. Dies wird Anfang nächsten Jahres geschehen. Genaueres kann ich heute noch nicht sagen.