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23.05.2014 - 

Computacenter-Chef Reiner Louis

"Wir erleben eine spannende Phase"

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Wie viele Dienstleister und Systemhäuser ist auch Computacenter gefordert, sich angesichts von Trends von Cloud Computing und der Digitalisierung der Fachbereich neu auszurichten. Reiner Louis, Sprecher der Geschäftsführung bei Computacenter, gibt im Interview mit der CP-Schwesterpublikation Computerwoche Einblicke in das Vorhaben.
Reiner Louis Computacenter: "Wir beraten und integrieren, aber wir betreiben keine Public Cloud und auch keine eigenen Spezialinfrastrukturdienste."
Reiner Louis Computacenter: "Wir beraten und integrieren, aber wir betreiben keine Public Cloud und auch keine eigenen Spezialinfrastrukturdienste."
Foto: Computacenter

Cloud Computing schafft eine direkte Kundenbeziehung zwischen Hersteller und Kunde? Welche Rolle kann dazwischen noch das Systemhaus spielen?

Reiner Louis: Cloud Computing wird definitiv den Markt und die Rolle der Systemhäuser verändern. Man muss aber nach Kundensegmenten unterscheiden. Im Geschäft mit Großkunden und dem gehobenen Mittelstand werden Leistungen differenzierter betrachtet.

Nehmen Sie das Bespiel Office 365 von Microsoft. Damit Großkunden solche Cloud-Leistungen nutzen und integrieren können, brauchen sie einen Aggregator, der diese Aufgaben übernehmen kann, und der nicht nur die Microsoft-Welt kennt, sondern auch die Angebote von Google, Amazon und der sonstigen Anbieter.

Hinzu kommt das Thema der Private Cloud. Auch die muss jemand für die Unternehmen umsetzen - konzipieren, aufbauen und vielleicht auch betreiben - und auf Wunsch mit Public-Cloud-Angeboten verweben. Die Anforderungen großer Kunden gehen über die Leistungen der Standardprodukte hinaus.

Partnerbeziehungen überdenken

Dennoch steigt das Interesse auch in großen Unternehmen an Public-Cloud-Lösungen. Das hat Auswirkungen auf Ihr Geschäft.

Louis: Cloud Computing verändert natürlich die Partnerbeziehungen, und zwar - aus unserer Sicht - in zwei Richtungen: Zum Kunden, weil er eine neutrale Instanz für die Beratung sucht. Hier ergeben sich Räume für uns, die unsere Position sogar noch verbessern, etwa in der Systemintegration.

Zudem wird sich die Beziehung zum Partner ändern. Das beginnt schon mit der Frage, wer unsere Partner künftig sind: Sind es IBM, HP, Microsoft, Oracle und SAP oder auch Amazon und Google?

Sicher ist, dass das Beziehungsgeflecht deutlich intensiver betreut werden muss, als bisher. In dieser Rolle fühlen wir uns wohl, die wollen wir ausfüllen und das können wir auch.

Wie schlägt sich das konkret auf das Geschäftsmodell nieder? Ist Computacenter künftig Full-Service-Provider für Cloud-Angebote?

Louis: In der Tat, wenn Sie das gesamte Offering rund um Public-Cloud-Dienste ausklammern.

Wieso? Wenn Kunden das nachfragen, können Sie es denen nicht verweigern.

Louis: Nein, aber Computacenter wird selbst keine Public-Cloud-Services zur Verfügung stellen. Wir beraten und integrieren, aber wir betreiben keine Public Cloud und auch keine eigenen Spezialinfrastrukturdienste.

Berührungspunkte zu diesen Diensten haben wir in unserer Rolle als Aggregator, in der wir Cloud- und Infrastrukturleistungen von großen Playern zusammenführen und großen Kunden zur Verfügung stellen. Dazu brauchen wie Expertenwissen, wie Kunden eine Cloud-Lösung von Microsoft nutzen, wie sie eine SAP-Infrastruktur Cloud-fähig machen können oder ob sie Amazon Web Services sinnvoll einzusetzen können.

Darüber hinaus bieten wir Private-Cloud-Modelle an und entwickeln sie ständig weiter. Dafür haben wir in den vergangenen zwei Jahren das Geschäftsmodell und die notwendigen Tool-Infrastrukturen entwickelt.

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Wer ist das beste Systemhaus?

Machen Sie mit bei unserer Umfrage zum besten Systemhaus 2014. Unter allen Teilnehmern verlosen wir Lenovos neues ultraleichtes ThinkPad X1 Carbon Ultrabook im Wert von 1150 Euro sowie ein weißes iPad mini mit 16 GB für rund 290 Euro.



Zusammen mit der Schwesterpublikation "Channelpartner" sucht die COMPUTERWOCHE wie jedes Jahr auch 2014 wieder die besten Systemhäuser Deutschlands. Dazu können Kunden der Systemhäuser ihre Partner in insgesamt acht Kategorien wie beispielsweise Server, Mobility und Infrastruktur bewerten. Um die Kundenfreundlichkeit der Systemhäuser zu beurteilen, können Anwender ihre Partner unter mehreren Aspekten bewerten:

• Wie gut wurde im Vorfeld des Projekts beraten?

• Wie beurteilen Sie Projekt-Management, Kommunikation und Reaktionszeiten?

• Wie kompetent waren die Mitarbeiter des Systemhauses?

• Wurden die Termine eingehalten?

• War das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen?

• Wie intensiv war die Betreuung nach Projektende?

Die Sieger werden im August auf dem Systemhauskongress Chancen 2015 gekürt. Im vergangenen Jahr konnten sich Dualutions, IT-Haus und Allgeier gegen starke Konkurrenz behaupten (siehe Die besten Systemhäuser 2013 ). Helfen Sie uns dabei, für Transparenz im Markt zu sorgen! Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit für unseren Fragebogen!

Hier geht es zum Fragebogen.

Fachbereiche schaffen IT nicht aus Lust und Laune an

Ein weiterer aus Systemhaussicht bedenklicher Trend ist die Verlagerung der IT-Budgets in die Fachbereiche. Dort sind die IT-lastigen Systemhäuser schlecht verdrahtet. Wie stemmen Sie sich gegen diese Entwicklung?

Louis: Ich bin davon überzeugt, dass diese Entwicklung vom CIO gemanaged werden muss. Der Trend ist auf Defizite zurückzuführen, weil die klassische IT zu langsam, zu träge und wenig effizient ist, dass sie die Bedarfe der Fachbereich nicht abdecken kann.

Die Fachbereiche schaffen IT-Lösungen nicht aus Lust und Laune an, sondern weil etwas Wesentliches fehlt.

Unsere Aufgabe besteht nicht darin, zukünftig ausschließlich die Fachbereiche zu adressieren, sondern wir wollen in erster Linie den IT-Leitern helfen, die Anforderungen besser schneller und effizienter zu erfüllen.

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Reiner Louis

Reiner Louis verantwortet als Sprecher der Geschäftsführung bei Computacenter das gesamte Geschäft in Deutschland. Er kam 1994 als Leiter Kundendienst zu Computacenter.

Er war der erste, der bei Computacenter Service-Management-Systeme entwarf und implementierte. Zudem leitete er verschiedene Projekte zur Servicezentralisierung. Nach einem vierjährigen Intermezzo bei den Wettbewerbern Bechtle und Wincor Nixdorf kehrte Louis 2008 zu seinem alten Arbeitgeber zurückgekehrt, um die 500 Personen starke Consulting-Mannschaft, das Hersteller-Management sowie das Managed-Service und Outsourcing-Geschäft zu leiten. 2012 übernahm er die Verantwortung für den Vertrieb des IT-Dienstleisters. Seit 1. Juli 2013 ist er Sprecher der Geschäftsführung.

Reiner Louis hat Betriebswirtschaftslehre an der der Uni Mannheim studiert. Er lebt in Hamburg, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Die Fachbereiche kennen allerdings die Anforderungen besser als die zentrale IT.

Louis: Es ist absolut notwendig, einen guten Kontakt zu den Fachbereichen zu haben, um die Bedarfe zu verstehen. Unsere Ausrichtung wird immer sein, dem CIO und den IT-Abteilungen zu helfen. Wir wollen nicht am CIO, am IT-Leiter und an der IT-Organisation vorbei andere Bereiche ansprechen, auch wenn dort zunehmend IT-Budgets verwaltet werden.

Wie bauen Sie Kompetenz in Sachen Marketing, Digitalisierung und Industrie 4.0 auf, um die Bedarfe zu verstehen?

Louis: Wir haben im kleinen Umfang branchenorientierte Strukturen. Das gilt für öffentliche Auftraggeber und Automobilhersteller plus deren Zuliefer-Industrie. Hier arbeiten wir intensiv daran, die Anforderungen der Fachbereiche zu erkennen und die Sprache der Kunden zu sprechen. Parallel dazu verfolgen wir IT-Schwerpunktthemen, über die wir unsere Kunden adressieren.

Das Wachstumspotenzial liegt im Ausland

Was meinen Sie damit?

Louis: In der IT-Welt wird derzeit überall der SMAC-Stack diskutiert, also die Themen Social, Mobile, Analytics und Cloud Computing. Diesen Stack muss man im eigenen Portfolio abbilden.

Wir haben daraus Schwerpunktthemen für unser Portfolio definiert. Eines ist etwa Mobility, ein anderes betrifft alle Aufgaben rund um den Servicedesk. Dabei geht es darum, deutlich mehr Kompetenzen in den Servicedesk zu bringen und Self-Service-Angebote zu entwerfen.

SMAC, Digitalisierung, Internet der Dinge, Industrie 4.0 und, und, und.... Täuscht der Eindruck, oder steht der IT- und Systemhausbranche ein besonders gravierender Umbruch bevor?

Louis: Nein, der Eindruck täuscht nicht. Die ganzen Themen halten in der Tat besondere Herausforderungen bereit. Wir haben keine Angst davor. Im Gegenteil, die Entwicklung bietet uns Chancen, sich selbst zu hinterfragen, sich gegen Konkurrenten abzugrenzen, neue Strategien zu entwerfen oder mit Kunden intensive Diskussionen zu führen.

Der massive Umbruch wird stark von den Bedürfnissen der User vorangetrieben. Es gibt ein Missverhältnis zwischen dem, was die Anwender von der IT-Infrastruktur und den Applikationen verlangen, und dem, was die IT liefert, obwohl die Möglichkeiten, die Bedürfnisse zu erfüllen, da sind. Diesen Konflikt gilt es zu lösen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Anbieter erfolgreich sein werden, die dabei helfen können, die IT für Unternehmen schnell zu machen, um Themen zügiger aufzugreifen und umzusetzen.

Es ist eine spannende Phase. Wir leben in einer Ära, die uns lange in Erinnerung bleiben wird.

Die deutsche Systemhauslandschaft ist nach wie vor sehr heterogen. Erwarten Sie eine Konsolidierung? Wenn ja, welche Rolle wird Computacenter spielen?

Louis: Wenn Sie das Ranking der Systemhäuser vor zehn Jahren mit dem heutigen vergleichen, dann werden Sie erkennen, dass die Konsolidierung schon lange Realität ist. Wie weit sie fortschreiten wird, hängt unter anderem auch von der Bereitschaft der Beteiligten ab, sie voranzutreiben.

Im deutschen Systemhausmarkt gibt es zwei große Anbieter und einen, der durch Akquisitionen aufholt. Danach kommt lange, lange nichts - bezogen auf den Jahresumsatz. Auch das ist ein Zeichen für eine Konsolidierung.

Die entscheidende Frage für uns lautet: Passt eine Übernahme zur Ausrichtung? Um sie zu beantworten, schauen wir über die Grenzen von Deutschland hinaus und weniger darauf, welches deutsche Systemhaus wir kaufen können. Wenn überhaupt, wird letzteres eher eine Frage der Gelegenheit als eine nach der strategischen Ausrichtung sein. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, um das Volumen zu steigern. Und die Integration von kleineren Häusern muss man wollen und können.

Unser Ziel ist es, die inhaltliche Seite zu stärken und uns weiter international auszurichten.

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