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18.02.2000 - 

Interview

Wir haben dazugelernt

Mit Gerhard Schmid, Vorstandsvorsitzender der Mobilcom AG, sprach CW-Redakteur Gerhard Holzwart

CW: Sie haben sich in den zurückliegenden Wochen mehrmals pointiert zur Übernahme von Mannesmann durch Vodafone geäußert. Vielen Branchenkennern drängte sich dabei der Eindruck auf, dass Sie Ihr Unternehmen ebenfalls auf eine Fusion vorbereiten wollen.

Schmid: Nein. Es ist beileibe nicht so, dass ich quasi stündlich auf einen großen Investor warte, um mich anderntags zur Ruhe zu setzen. Richtig ist, dass ich Schwierigkeiten mit dem Begriff feindliche Übernahme habe. Entweder gibt das Angebot Sinn, dann muss man es annehmen. Oder es kommt gar nicht zu einer Offerte - weil es beiden Seiten keine Vorteile bringt. Insofern fand ich die Argumentation von Mannesmann nicht sehr logisch.

CW: Der Mobilcom-Gründer und -Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid hat es hier aber auch etwas leichter, weil er nicht in dem Maße von institutionellen Anlegern abhängig ist.

Schmid: Es geht nicht um den Privatmann Gerhard Schmid, sondern um den Vorstandsvorsitzenden, der in erster Linie den Aktionären gegenüber verantwortlich ist. Ich nehme zur Kenntnis, dass Mobilcom bei einigen Finanzanalysten als heißer Übernahmekandidat gehandelt wird. Bei uns hat diesbezüglich aber niemand angeklopft - und in unseren Plänen spielt dies auch keine Rolle. Aber ich werde es nicht verhindern können, wenn morgen ein ausländischer Wettbewerber der Überzeugung ist, dass er sein Standing im deutschen Markt mit einem großen Deal verbessern muss. Wenn das Angebot dann aus Sicht der Aktionäre strategisch und finanziell überzeugend ist, wird man reden müssen. Und mit mir wird man - im Gegensatz zu Herrn Esser - auch reden können.

CW: Sie versuchen geradezu verzweifelt, mit weiteren Firmenausgründungen und Börsengängen von Tochtergesellschaften den Börsenwert Ihres Unternehmens zu steigern. Dass kann doch nur den Sinn haben, Mobilcom für einen potenziellen Käufer so teuer wie möglich zu machen.

Schmid: Ich weiß nicht, ob man es verzweifelt nennen kann, wenn Leute ihren Job gut erledigen. Wir wollen für unsere Aktionäre weiter an der Erfolgsstory von Mobilcom schreiben. Dass eine Übernahme von Mobilcom - für wen auch immer - keine billige Veranstaltung wäre, ist ein völlig anderes Thema.

CW: Kommen wir auf Mannesmann/Vodafone zurück. Wenn man sich dort doch entschließen sollte, die Festnetzgesellschaften Arcor und Otelo zu verkaufen, schlagen Sie dann zu?

Schmid: Jetzt spielen Sie auf fast schon verjährte Gerüchte an.

CW: Sie hatten definitiv nie ein Interesse an diesen beiden Gesellschaften?

Schmid: Nein. Schauen Sie sich die Kostenstruktur beider Firmen an, dann wissen Sie auch, warum.

CW: Können Sie das näher erklären?

Schmid: Mannesmann hat vor knapp einem Jahr für Otelo zwei Milliarden Mark bezahlt. Für damals 400000 Kunden, wohlgemerkt - und für eine Netzinfrastruktur, die keineswegs mit der unseren vergleichbar ist. Wir haben 110 Millionen Mark in den Ausbau unseres Netzes investiert; weitere 260 Millionen für Marketing und Vertrieb. Heute haben wir 1,5 Millionen Kunden. Das sagt doch alles.

CW: Sie werben mit fast 4000 Kilometer eigenen Glasfaserstrecken und haben weitere immense Ausgaben für Netztechnik angekündigt. Noch vor gut einem Jahr hat sich das anders angehört. Nur Wahnsinnige verbuddeln ihr Geld in der Erde, haben Sie seinerzeit so manchen Ihrer Wettbewerber verspottet.

Schmid: Wir haben dazugelernt, das streite ich gar nicht ab. Vor allem aber haben wir unser Unternehmen kontinuierlich aufgebaut. Früher waren wir ein Nischenanbieter im Mobilfunk, dann ein Wiederverkäufer von Telefonminuten im Festnetz. Heute sind wir ein Vollsortimenter, die Nummer drei im deutschen TK-Markt. Und morgen sind wir der Internet-Anbieter, der anderen eine Nasenlänge voraus ist.

CW: Wenn Sie im Feld der deutschen Wettbewerber um sich blicken, wer fällt Ihnen da noch ein?

Schmid: Nicht mehr viele. Die Deutsche Telekom und Mannesmann/Vodafone natürlich. Debitel noch, aber die sind auch schon im ausländischen Besitz. Und AOL Europe im Internet-Geschäft. Der Rest des Marktes besteht nicht aus Netzbetreibern, sondern aus reinen Service-Providern. Die müssen sich, falls sie überleben wollen, eine Nische suchen. Mit 250000 Kunden wird man es dort aber auf Dauer schwer haben, günstige Interconnection-Konditionen auszuhandeln.

Siehe auch "Mobilcom unterstreicht den Wandel zum Netzbetreiber" auf Seite 67.