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25.08.1978

"Wir haben einem Außenseiter eine Chance gegeben"

- Herr Lauwe, Krauss-Maffei hat Ihnen im April dieses Jahres ergänzend zum Controlling die EDV und Organisation übertragen. Was war los bei Krauss-Maffei?

Wir hatten einen Engpaß in unserer Maschinenauslegung. Die installierte 370/148 IBM-Anlage war zu 91 Prozent ausgelastet. Rund 60 Bildschirmanwender wurden an der Arbeit gehindert, weil ein nicht zumutbares Antwortzeitverhalten im Minutenbereich den Betriebszyklus störte.

- Wie hoch war denn die Gesamtbetriebszeit auf der 370/148?

Wir arbeiten derzeit an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr.

Aber nicht nur das Antwortzeitverhalten störte - auch die Testsituation für anstehende Großprojekte war nicht ausreichend.

- Welche Probleme gab es noch in der EDV?

Da wäre zunächst eine fehlende EDV-Gesamtkonzeption zu nennen, sowie eine mangelnde Koordination mit den Fachbereichen.

Weiterhin fehlten die Voraussetzungen in der EDV für eine langfristige Projekt-, Personal- und Terminplanung.

- Eine ausweglose Situation?

Keineswegs: Wir hatten eine Istanalyse erstellt und mit Hilfe der eingeführten Projektorganisation Zielsetzungen formuliert und Aufgabenschwerpunkte gebildet. Sofortmaßnahmen wurden in einem Aktionsplan festgehalten und kurzfristig eingeleitet.

- ... nach dem Prinzip: Geringster Aufwand, größte Wirkung?

Genau, nach Abarbeitung eines Drittels der Verbesserungsmöglichkeiten hatten wir immerhin ein Antwortzeitverhalten erzielt, daß bei 5 Sekunden lag.

- Welche Sofortmaßnahmen haben Sie vorgeschlagen?

Meine Überlegungen konzentrierten sich aus Gründen der Betriebssicherheit recht früh auf eine Zwei-Anlagen-Konfiguration, wobei die kurzfristige Beschaffung einer zweiten Anlage Voraussetzung war. In dem festgelegten Zielsetzungskatalog standen drei Forderungen ganz obenan: Rückführung auf den Zwei-Schichtbetrieb im Rechenzentrum, optimales Antwortzeitverhalten und die Verbesserung der Testsituation.

- Das alles hat seinen Preis.

Richtig, hier haben wir den Markt analysiert. Im Vordergrund meiner Überlegungen stand stets das günstige Preis-Leistungsverhältnis einer Zwei-Anlagen-Konfiguration.

- Wurden, um den Krisenherd einzugrenzen, auch Gespräche mit der IBM geführt?

Selbstverständlich, die IBM wurde von uns als erste konsultiert und war ständig in die Aufgabenstellung involviert.

- Nun haben Sie sich, was die zweite Anlage angeht, gegen IBM entschieden und ein Itel-System AS/5 geordert. Konnte IBM keine akzeptablen Lösungsvorschläge bieten?

Doch, die sachliche Konzeption war gut, eine Anlage war jedoch nicht kurzfristig verfügbar. Die in Bestellung befindliche 3031 sollte als Austauschmaschine erst im Juni 1979 geliefert werden. Eine Zwei-Anlagen-Konfiguration läßt sich kostenmäßig mit den hohen IBM-Preisen nur schwer realisieren. Als Controller muß ich bei gleichen Voraussetzungen der kostengünstigsten Konzeption den Vorrang geben. Die Itel-Konzeption lag voll in dieser Zielvorstellung.

- Wird die Itel-Maschine als reines Stand-by-System installiert?

Im Gegenteil. Wir werden die AS/5 als reine Produktionsmaschine und die 370/148 am Anfang als Testmaschine verwenden. In der zweiten Stufe übernimmt die 370/148 sukzessive zusätzliche Batch-Aufgaben. Beide Anlagen werden einen Shared Access auf die Platten- und Banddateien durchführen. Die Bildschirme, Leser, Stanzer und Drucker können über eine Umschalteinheit auf beide Systeme geschaltet werden.

- Nun hat Krauss-Maffei doch im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Anwendungen realisiert. Lassen sich denn diese Anwendungen so ohne weiteres auf das neue System übertragen?

Ja, denn die Maschine ist hundertprozentig kompatibel.

- Das sagen Sie so, obwohl Sie sich selbst als EDV-Neuling bezeichnen?

Das ist nur eine Frage der Zeit und der Lernbereitschaft. Ich habe mich natürlich selbst davon überzeugt und zwei Itel-Installationen besichtigt; eine bei der Deutschen Bau- und Bodenbank, die zweite AS/5 bei der Firma Bosch. Außerdem sind meine Fachabteilungen an dem Entscheidungsprozeß wesentlich beteiligt gewesen.

- Das klingt so, als ob Sie die rein EDV-technischen Fragen, Antwortzeitverhalten, Ressource-Sharing, und was es da so gibt, bereits so faszinierten, daß Sie darüber die wirtschaftlichen Aspekte vernachlässigen würden.

Keineswegs. Auch wir haben spitz gerechnet und eine Wirtschaftlichkeitsrechung aufgestellt - nur brauchten wir im Grunde genommen nicht viel zu rechnen.

- Das müssen Sie schon näher erklären.

Ganz einfach: Krauss-Maffei liegt mit der Zwei-Anlagen-Konfiguration kostenmäßig im bisherigen Budget-Rahmen.

- Nun kann auch Itel nicht zaubern. Wie haben Sie das gemacht?

Wir haben die 370/148 im Sale-and-Leaseback-Verfahren erworben und von Itel eine AS/5 mit 3 MB angemietet.

- Können Sie das noch etwas präzisieren, wie die Vertragsmodalitäten in Ihrem Fall aussehen?

Die Itel AS/5, Modell 3 steht in einem Fünfjahres-Mietvertrag, der so flexibel gestaltet ist, daß sich Krauss-Maffei über die gesamte Vertragslaufzeit eventuellen Kapazitätsanforderungen anpassen kann.

- Wie sieht das in Zahlen aus?

Die 3031 kostet im Langzeitmiet-Vertrag soviel, wie diese beiden Anlagen zusammen, wobei die AS/5 fast die Leistungsfähigkeit einer 3031 erzielt.

- Fürchten Sie nicht, daß IBM cool darauf wartet, daß sie mit dem "Exoten" Itel in den offenen Gulli stürzen?

Wissen Sie, die Situation für Krauss-Maffei kann nur besser werden. Auch die IBM wird lernen müssen, sich veränderten Markt- und Absatzsituationen flexibel und schnell anzupassen.

- Heißt das, die Installation der Itel-Maschine ist noch nicht die endgültige Lösung?

Der Markt ist flexibel, wir sind es auch. Krauss-Maffei hat einem sogenannten "Außenseiter" die Möglichkeit gegeben, zu beweisen, was auf dem Hardware-Sektor möglich ist. Itel hat uns am 9. 6. 1978 einen Organisations-Vorschlag unterbreitet, wir haben den Vertrag am 14. Juli unterschrieben und die Maschine wurde bereits am 31 Juli 1978 geliefert.

- Es wird sich nicht vermeiden lassen, daß Krauss-Maffei in den nächsten zwei Jahren beträchtliche Summen in die Entwicklung von Anwendungs-Software steckt.

Die Investitionen in die Software sind derzeitig dadurch gesichert und geschützt, daß die Itel-Anlagen von der System-Software hundertprozentig kompatibel zu den IBM-Anlagen sind. Letztlich sind wir mit der Itel-Anlage nicht anders gestellt als IBM DOS/VS-Anwender auch.

- Es ist aber nicht vorhersehbar, in welche Richtung die Entwicklung der IBM-Betriebssysteme geht!

Es ist sicher schwierig, die Entwicklung vorherzusagen. Wir haben zur Zeit jedoch eine volle Kompatibilität zur IBM-Hardware und können daher, solange diese erhalten bleibt, alle zukünftigen Betriebssystemen der IBM einsetzen.

- Für den Erfolg eines Projektes dieser Größenordnung ist sicher wichtig, welche Unterstützung Sie vom Hersteller bekommen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Itel gemacht?

Hier muß ich sagen: Wir hatten einen dynamischen und reaktionsschnellen Mitbewerber. Die Herren von Itel haben wir bisher als kompetente Gesprächspartner in Beziehung auf Hard- und Software kennengelernt. Es wurden teilweise Entscheidungen gefällt, die in die Sphäre der Vorstandsebene hineinragten. Wir erwarten, daß Itel alles Interesse daran setzen wird, ihre Anlagen optimal funktionsfähig zu halten.

- Haben Sie bei der gesamten Aktion nie Zweifel gehabt, Sie könnten schiefliegen?

Nein, zumindest nach der Präsenta(...) und der Besichtigung anderer Itel-Anlagen nicht mehr. Andernfalls wäre sicher von unserem Vorstand keine Entscheidung im Sinne meines Vorschlages gefallen. Den Entscheidungsprozeß hatten wir in jeder Phase zu allen Seiten abgesichert. Erst mit dieser Konzeption wird für Krauss-Maffei eine langfristige Projekt- und EDV-Planung unter kostenoptimalen Bedingungen möglich.

Kurt Lauwe,

Jahrgang 1943, kommt aus dem Rechnungswesen. Der Leiter des Zentralen Controlling bei Krauss-Maffei hat im April dieses Jahres den Bereich Organisation und EDV im Hause interimistisch übernommen. Dem "EDV-Neuling" fiel sofort die Aufgabe zu, eine Engpaßsituation im Rechenzentrum zu beseitigen: Die Antwortzeiten lagen bei TP-Anwendungen im Minutenbereich. Installiert ist eine IBM 370/148 mit 1 MB Hauptspeicher. Lauwe entschied sich kurzfristig, eine Itel AS/5, Modell 3 mit 3 MB dazuzunehmen: "Konkurrenz fördert das Engagement."