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25.10.1996 - 

Interview

"Wir haben uns deutlich zu OS/2 bekannt"

CW: Im Rahmen der Ankündigung von OS/2 Warp 4 hat die IBM ihr Bekenntnis zur Komponententechnik Opendoc bekräftigt. Jeffrey Papows, President Ihrer Tochtergesellschaft Lotus Development, zeigt dagegen nur wenig Interesse, Opendoc den Weg zu bereiten. Wie wollen Sie diesen Spagat meistern?

THOMPSON: Papows nimmt in dieser Frage den Standpunkt eines Entwicklers ein, der nur für besonders weit verbreitete Technologien Produkte anbieten will. Während Active X von Microsoft sich bereits eine Position im Markt erobert hat, steht Opendoc noch vor der Bewährungsprobe. Erst wenn Opendoc als Runtime-Umgebung auf einer Vielzahl von Plattformen zur Verfügung steht, wird die Technik für Papows interessant. Ihm geht es darum, heute Produkte zu verkaufen.

CW: Werden Sie versuchen, den Lotus-Chef umzustimmen?

THOMPSON: Es geht hier um die Marktreife einer Technologie und deren Akzeptanz beim Anwender. Sie werden bemerkt haben: Apple hat seine Opendoc-Technik zuletzt sehr aggressiv vermarktet. Jetzt gibt es Opendoc sowohl auf OS/2 als auch auf Windows. Wenn sich erst einmal eine Runtime-Umgebung durchgesetzt hat, wird Papows die Chance erkennen. Leute wie er sind in diesem Geschäft, um Geld zu verdienen, nicht um irgendwelche Technologiepolitik zu machen. Heute kann er mit Active X Geld verdienen, morgen vielleicht schon mit Opendoc.

CW: Sie adaptieren also Microsoft-Technik - aber entwickelt Microsoft denn auch Anwendungen für OS/2?

THOMPSON: Nicht daß ich wüßte. Es ist absolut ungewöhnlich: Wir haben 14 Millionen OS/2-Einheiten im Markt, sogar mehr als Apple. Microsoft schreibt Apple-Anwendungen, aber keine OS/2-Programme. Warum, glauben Sie, ist das so?

CW: Sagen Sie es mir . . .

THOMPSON: Für Microsoft wäre es ein Geschäft, OS/2-Programme zu entwickeln. Doch sie halten sich an der strategischen Frage auf: "Würden wir mit einem OS/2-Engagement die IBM stark machen?" Sie unterstützen OS/2 nicht, weil sie Angst haben, wir könnten Wind in die Segel bekommen und die Stärke unseres Betriebssystems gegen sie ausspielen. Wir glauben, der Markt entwickelt sich rasant in Richtung Java und damit einer offenen, plattformübergreifenden Welt. Diese Vision haben wir uns zu eigen gemacht. Wir werden weiterhin die Win-16- und Win-32-Umgebung in OS/2 unterstützen, aber wir bewegen uns, so schnell wir können, in die Java-Welt.

CW: Haben Sie noch Interesse daran, OS/2 in den Home-Computing-Markt hineinzudrücken?

THOMPSON: Nein. Im Home-Markt geht es uns nur um ganz bestimmte Anwender: Power-User, Geschäftsprofis, die daheim mit derselben Software arbeiten wollen wie im Büro. Die Consumer-Welt des Home-Marktes liegt nicht in unserem Fokus, wohl aber die professionelle Dimension.

CW: Verdient IBM mit OS/2 Geld?

THOMPSON: Wir reden nicht über die Profitabilität von Produkten, wir reden über die Profitabilität unserer Firma.

CW: Wenn Sie rote Zahlen mit OS/2 schreiben, wird Louis Gerstner vermutlich bald die Notbremse ziehen.

THOMPSON: Wir haben uns ganz deutlich und in aller Öffentlichkeit zu OS/2 bekannt. Das Commitment gilt insbesondere den Kunden in Unternehmen...

CW: . . . ungeachtet dessen, wieviel Geld Sie mit dem System verlieren werden?

THOMPSON: Wenn wir uns dazu bekannt haben, dann auch deshalb, weil wir mit der finanziellen Situation in diesem Markt zufrieden sind. OS/2 ist für uns mehr als ein Betriebssystem. Es ist eine der Plattformen, auf deren Basis unsere Kunden Mission-critical-Applikationen implementieren können. Es gibt in unserem Angebot 100 oder 150 Produkte, die auf OS/2 basieren. Dieses Geschäft ist in den letzten Jahren stets um mehr als 30 Prozent gewachsen.

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz mit OS/2 sogar um 42 Prozent. Immer wieder wird unser OS/2 mit Windows verglichen. Wir wollen aber mit OS/2 nicht auf jeder Hochzeit tanzen, wir zielen auf einen bestimmten Markt, in dem wir uns auskennen - und hier gibt es genügend Kunden, die unsere Produkte haben wollen. Solange sie investieren, tun wir es auch.