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28.11.1997 - 

Interview

"Wir konkurrieren mit jedem Desktop-PC"

Neben Tektronix, Wyse, Boundless und Neoware kündigte auch NCD auf der Comdex in Las Vegas sogenannte Windows-based Terminals an. Die Geräte sollen ab Mitte 1998 mit Windows CE 2.0 als Embedded-Betriebssystem auf den Markt kommen.

CW: NCD produziert die komplette NC-Produktlinie der IBM. Nun kooperieren Sie mit Microsoft bei der Vermarktung von Windows-based Terminals (WBTs). Schaffen Sie sich damit nicht Konkurrenz im eigenen Haus?

Gilbertson: Der Netzwerk-Computer ist ein gutes Zugangsgerät und hat nichts mit der Windows-Welt zu tun. Er bietet einige Vorteile, beispielsweise die Möglichkeit, unterschiedliche Systeme zu integrieren oder Anwendern einfache, kleine Anwendungen an die Hand zu geben. Es handelt sich aber um eine völlige separate Produktlinie mit einem eigenen Distributionskanal und einem bestimmten Benutzertypus. Microsoft geht einen anderen Weg. Es möchte Anwendern eine billige Möglichkeit geben, Windows-Programme zu fahren.

CW: Was hält die IBM von Ihren Plänen?

Gilbertson: Wir haben mit IBM darüber gesprochen. Das Ergebnis war, daß wir unseren Vertrag um zwei Jahre verlängerten und für IBM die Entwicklung der Java-basierten "Netstation 1000" übernahmen. Big Blue adressiert damit den Markt für Java-basierte Terminal-Ersatzgeräte.

CW: Wieviel von Ihrem Umsatz entfällt auf das Geschäft mit der IBM?

Gilbertson: Dieses Jahr werden das etwa 25 Prozent sein, das entspricht zirka 35 Millionen Dollar.

CW: Welche Märkte adressieren Sie mit den WBTs?

Gilbertson: Wir zielen auf jedermann, der einen PC auf seinem Schreibtisch stehen hat. Unsere Pilotanwender benutzen Anwendungen mit fest vorgegebenen Funktionen. Diese Klientel setzt PCs ein, obwohl sie solche Rechner eigentlich nicht benötigt. Alles, was diese Leute brauchen, ist ein Grafikterminal. Oft ist es nicht einmal eine Windows-Anwendung, sondern beispielsweise eine Mainframe-Applikation, die auf einem PC läuft.

CW: Mit der Winframe-Software und dem ICA-Protokoll von Citrix ist diese Art der Datenverarbeitung heute schon möglich. Wozu brauchen Anwender dann Windows CE auf ihren Client-Rechnern?

Gilbertson: Bisher benutzen wir unser eigenes Betriebssystem "NCD Ware" für NCs und Terminals. Wir haben uns alle Embedded-Betriebssysteme angesehen und sind zu dem Schluß gekommen, daß Windows CE das größte Potential und den größten Marketing-Vorteil bietet.

CW: Warum verwenden Sie nicht Ihr eigenes Client-Betriebssystem?

Gilbertson: Das können wir nicht. Immer wenn ein neuer Chip auf den Markt kommt, muß das Betriebssystem modifiziert werden, um sicherzustellen, daß es auf der neuen CPU läuft. Wir haben nur für diese Aufgabe vier bis fünf Leute beschäftigt. Microsoft (mit Windows CE) übernimmt diese Arbeit für uns. Dafür müssen wir allerdings bezahlen.

CW: Die ICA-basierende Lösung scheint zufriedenstellend zu funktionieren. Allerdings argumentieren Kritiker, daß eine sehr hohe Netzbandbreite erforderlich ist.

Gilbertson: Diese Leute liegen total falsch. Alle Tests, die wir und auch Citrix gefahren haben, beweisen das Gegenteil. In einer typischen Konfiguration mit 15 Clients an einem Server wird ein 10-Mbit/s-Netz zu zehn bis 15 Prozent ausgelastet.

CW: Microsoft entwickelt mit T-Share ein eigenes Übertragungsprotokoll für Windows-CE-Clients, das langsamer sein soll als ICA.

Gilbertson: Das ist genauso falsch. Wir arbeiten bereits damit, und es ist sehr schnell, wahrscheinlich so schnell wie unser X-Protokoll. Allerdings ist T-Share noch nicht komplett fertig entwickelt, da es auf andere Anwendungen abzielt.

CW: Wird T-Share auch Sound und Video unterstützen?

Gilbertson: Ja.

CW: Sie sind nicht der einzige Anbieter von WBTs. Andere große Terminalhersteller, etwa Tektronix oder Wyse, wollen ebenfalls in diesem Markt reüssieren. Wie differenzieren Sie sich?

Gilbertson: In erster Linie durch das Branding. Wer das WBT-Markenzeichen benutzen will, muß Windows CE als Client-Betriebssystem einsetzen. Wir sind der einzige Anbieter auf der Comdex, der ein CE-basiertes Betriebssystem verwendet. Alle anderen reden bislang nur davon.

CW: Gibt es denn einen Branding-Prozeß für WBTs? Wie soll dieser funktionieren?

Gilbertson: Microsoft hat das nicht offiziell angekündigt, aber wir glauben, es wird kommen. Ich kann hier allerdings nicht für Microsoft sprechen.