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30.07.1999 - 

Interview

"Wir konzentrieren uns auf Internet-Inhalte"

Mit dem neuen Symantec-CEO John Thompson sprach CW-Redakteur Hermann Gfaller

CW: Was hat Sie bewogen, Ihre Position als Softwarechef beim Marktgiganten IBM mit dem Chefsessel beim vergleichsweise kleinen Virusspezialisten Symantec zu tauschen?

Thompson: Ich wollte einfach etwas Neues versuchen. Dafür habe ich eine Softwarefirma gesucht, die kundennah arbeitet und die ich auf eine neue Umsatzebene bringen kann.

CW: Bieten sich dafür heute nicht eher Internet-Startups an?

Thompson: Internet-Firmen haben ein gewisses Ansehen, aber ich komme aus einer großen Company mit komplexen Strukturen und Strategien. Dort habe ich viel für Symantec Nützliches über Reorganisation gelernt.

CW: Sie scheuen das Risiko eines Internet-Pioniers?

Thompson: Nein. Die Risiken eines etablierten Softwarehauses sind nicht geringer, sondern nur anders gelagert als bei Startups. Dazu gehört, daß Softwarefirmen durch die Bank Probleme haben, die Umsatzhürde von einer Milliarde Dollar zu überschreiten. Das ist mein Ziel.

CW: Was haben Sie in den ersten 100 Tagen bei Symantec verändert?

Thompson: Wir lernen voneinander. Ich bin begeistert von den Mitarbeitern, ihrer Kundenorientierung und ihrer Lust zur Veränderung. Wie für viele Unternehmen der Branche kommt es jetzt darauf an, rascher als bisher zu agieren, größere Risiken einzugehen und Innovationen einzuleiten.

CW: Mitbewerber kritisieren, daß Symantec keine klare Ausrichtung habe. Sie verkaufen PC-Tools, Antiviren-Programme, System-Management-Werkzeuge und Entwicklungswerkzeuge. Wie ordnen Sie diesen Bauchladen?

Thompson: Wir konzentrieren uns auf zwei Bereiche im Internet-Geschäft: Sicherheit von Web-Inhalten und Unterstützung von mobilen Geräten wie Notebooks und Kleinstcomputern.

CW: Das klingt eher nach Ausdehnung als nach Konzentration.

Thompson: Wir erweitern damit tatsächlich unsere Kompetenzen, aber in diesen Bereichen stecken für uns enorme Umsatzmöglichkeiten. Branchenkenner sagen für das Jahr 2003 ein Marktvolumen für Content-Security von mehr als vier Milliarden Dollar voraus. Kunden und Analysten haben uns versichert, daß Anwender es vorziehen, Filter- und Scan-Produkte für Web- Inhalte vom selben Anbieter zu kaufen wie ihre Antiviren-Software.

CW: Wollen Sie deshalb mit UR-Lab einen Spezialisten für E-Mail-Filter übernehmen?

Thompson: Genau. Da es sich hier um Server-Techniken handelt, wird URLab unsere Stärke im Windows-Umfeld um Unix- und Linux-Know-how erweitern.

CW: Was ist mit den Entwicklungswerkzeugen?

Thompson: Dafür gründen wir eine eigenständige Firma für Internet-Tools, die sich auf die Anwendungsentwicklung konzentrieren soll.

CW: Ist Content-Security ein anderes Wort für Antiviren-Software?

Thompson: Natürlich ist Schutz vor Viren hier das größte Aufgabengebiet, aber es geht auch um andere Gefahren, denen Daten ausgesetzt sind, wenn sie in ein Netz eingespeist werden. Deshalb bieten wir auch E-Mail-Scanning und URL-Filter. Aber wir konzentrieren uns auf Inhalte und nicht auf Infrastruktur.

CW: Wenn Sie von der Unterstützung mobiler Geräte sprechen, klingt das ebenfalls stark nach Content-Security - sieht man vom traditionellen Geschäft mit PC-Werkzeugen für Notebooks ab.

Thompson: Es geht darum, die Leitung von problematischem Code freizuhalten. Aber das ist nicht alles. Heute kostet zum Beispiel die Betreuung von Laptops mindestens doppelt soviel wie die von PCs im lokalen Netz. Bei anderen mobilen Geräten verschärft sich das Problem.

CW: Vor über einem Jahr hat das Symantec-Management ein sogenanntes digitales Immunsystem* versprochen. Seither hat man hierzulande nichts mehr davon gehört.

Thompson: Das digitale Immunsystem ist nach wie vor der Kern unserer Strategie für Unternehmenskunden.

CW: Wie sieht es mit der damals geplanten Integration mit System-Management-Umgebungen aus, und wie passen die neuen Geschäftsfelder dazu?

Thompson: Content-Security wie auch die Unterstützung von mobilen Geräten werden hier einbezogen, und das Produkt, das im Herbst dieses Jahres ausgeliefert wird, ist bereits in Tivolis Management-Software integriert.