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18.03.1994

"Wir muessen freiwillig machen, was Microsoft will"

CW: Bislang hatte Vobis Erfolg in Deutschland...

Lieven: ... bislang ist das sicherlich richtig. Aber mich interessiert mehr das Heute und die Zukunft.

CW: Nun gut, reden wir ueber die Gegenwart: Sie stellen auf der CeBIT ein Power-PC-System vor. Ebenso bieten Sie aber auch Rechner an, die mit den Alpha-RISC-Prozessoren von Digital Equipment ausgestattet sind. Positionieren Sie die Rechner gegeneinander?

Lieven: Wir engagieren uns nicht fuer eine Architektur mehr als fuer eine andere. Wir bieten die Systeme einfach an. Alpha und Power-PC sind neue Technologien, die etwas frischen Wind in den CPU-Markt bringen - und das ist meiner Ansicht nach nicht verkehrt.

CW: Wenn Sie von frischem Wind reden, denken Sie da an gewisse Monopolsituationen in der DV-Industrie und an Preis-Leistungs- Verhaeltnisse?

Lieven: Genau. Dass heute noch 486SX-PCs mit 25 Megahertz Taktrate verkauft werden, ist nicht mehr noetig. Fuer den Preis, den man fuer solch ein System zahlen muss, koennen wir schon ganz andere Dinge machen. Ein DX2/40 von AMD ist in puncto Leistung wie ein DX2/66 von Intel einzuschaetzen. Vom Preis her liegen aber Welten zwischen dem teuren Intel-Prozessor und AMD.

CW: Das gleiche kann man auch fuer den Power-PC-Chip im Vergleich zum Intel-Pentium sagen: Die Leistung ist etwa gleich, aber die CPU von IBM/Motorola erheblich preisguenstiger.

Lieven: Das stimmt. Wir goennen aber jedem seinen Gewinn. Auch Intel.

CW: Wir reden jetzt immer von den Hardwareherstellern. Wird der Wettbewerb in der PC-Industrie nicht eher durch gewisse Software- Anbieter eingeschraenkt?

Lieven: In der Tat. Uns waere es sehr recht, wenn die Wettbewerbssituation, der sich mittlerweile Firmen wie Intel, Motorola und DEC stellen muessen, auch fuer Microsoft gegeben waere.

CW: Sind Sie frustriert darueber, gewissen Zwaengen ausgesetzt zu sein?

Lieven: Nein, ueberhaupt nicht. Sie werden in dieser Industrie zu nichts gezwungen. Wir muessen nur freiwillig all das machen, was Microsoft will. Und das ist einfach schlecht.

CW: Ihre Markteinschaetzung klingt nicht gerade optimistisch...

Lieven: Na ja, das hat man halt davon, wenn man sich einen lieben, kleinen Engel von 24 Jahren aussucht und dem sagt: "Du machst uns jetzt mal ein Betriebssystem, und wir halten uns alle dran." Der grosse Gott in Redmond entscheidet mit seinem Betriebssystem, welche Computer ueberhaupt verkauft werden koennen.

CW: Heisst das, Vobis liefert seine Power-PC-Systeme nur mit NT aus?

Lieven: Sonst interessiert uns nichts. Fuer den Massenmarkt zaehlt nur NT. Fuer AIX haben wir keine Kunden.

CW: Wann kann man das Power-PC-System denn bei Vobis kaufen?

Lieven: Im Juli - aber ich weiss nicht, in welchem Jahr. Nein, mal im Ernst, es soll im Juli 1994 verfuegbar sein.

CW: Welchen Preis kann der Vobis-Kunde denn erwarten im Vergleich etwa zu Ihren Pentium-Rechnern?

Lieven: Nimmt man einmal nur die CPU-Preise, so kostet der IBM- Motorola-Chip etwa 250 bis 300 Dollar. Intels Pentium liegt dagegen bei 700 Dollar. Der Preis fuer unser Power-PC-System duerfte, obwohl es sich ja eigentlich um eine Workstation handelt, ungefaehr dem eines Pentium-Rechners entsprechen. Vielleicht wird es noch etwas billiger.

CW: Billiger jedenfalls als Ihre Maschinen mit DECs Alpha- Prozessor?

Lieven: Das auf jeden Fall. Andererseits muss man abwarten, wie DEC auf die neuen Marktentwicklungen reagiert.

CW: Gute Aussichten fuer Power-PC-Computer?

Lieven: Man wird sehen. Der Intel-Prozessor hat einen grossen Vorteil: Er ist lieferbar. Gegen den Power-PC-Prozessor 601 spricht, dass man bei der Belieferung mit Systemboards auf den Grosskonzern IBM angewiesen ist.

CW: Vobis hat ja auch Macintosh-Systeme im Angebot. Wird man bei Ihnen denn auch die neuen Macs mit dem Power-PC-Prozessor kaufen koennen?

Lieven: Ja, wir werden auch Apples Power-Macintosh-Systeme anbieten.