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30.11.2001 - 

TK-Arbeitsmarkt zwischen Nachfrageboom und Entlassungen

"Wir müssen uns dem volatilen Markt anpassen"

Flexibilität verordnet Matthias Bellmann nicht nur der eigenen Personalpolitik, sondern auch seinen Mitarbeitern. Der Personalchef von Siemens Information and Communication Mobile (ICM) sprach mit CW-Redakteurin Alexandra Mesmer über den TK-Arbeitsmarkt zwischen Ingenieurmangel und Massenentlassungen.

CW: Anfang des Jahres klagte auch Ihr Unternehmen über Nachwuchsmangel und hatte allein im Bereich ICM noch zwischen 1000 und 1500 offene Stellen zu besetzen. Jetzt bauen Sie im Bereich ICM 2000 Arbeitsplätze, davon die Hälfte in Deutschland, ab. Weitere 2600 befristete Verträge sind in Deutschland bereits ausgelaufen. Wie konnte es dazu kommen?

Bellmann: Zum einen vollzieht sich in der Telekommunikationsbranche jetzt der Strukturwandel, den die Informationstechnologie ab Mitte der 80er bis Anfang der 90er Jahre durchgemacht hat. Die Fertigung beispielsweise wird mehr und mehr in Niedriglohnländer verlagert. Zum anderen war für dieses Jahr prognostiziert, dass weltweit 600 Millionen Handys verkauft werden. Alle Unternehmen hatten sich darauf eingerichtet und dementsprechend Personal eingestellt. Mittlerweile ist die Nachfrage aber so stark zurückgegangen, dass wir froh sein können, wenn bis Jahresende 400 Millionen Mobiltelefone einen Käufer finden. Darum muss Siemens wie seine Mitbewerber Kapazitäten anpassen und Stellen abbauen. Wo keine Nachfrage mehr besteht, können wir verständlicherweise auch keine Mitarbeiter vorhalten.

CW: Wer ist vom Stellenabbau betroffen?

Bellmann: Das sind in erster Linie die Mitarbeiter in der Fertigung, deren befristete Verträge nicht mehr verlängert werden. In der Fertigung werden wir künftig verstärkt mit Zeitarbeitsfirmen kooperieren, um hier personell flexibler auf die Marktzyklen und die schwankende Nachfrage reagieren zu können. Facharbeiter, die wir zum Teil wochen- und monatelang weiterqualifiziert haben, werden wir zu halten versuchen, da wir diese kurzfristig auch nicht im Markt finden können. Das Gleiche gilt für den Bereich der Entwicklung: Wir müssen alles daran setzen, hochqualifizierte Ingenieure zu halten. Denn mittelfristig werden wir auf einen Ingenieurmangel zusteuern.

CW: Wie wollen Sie qualifizierte Mitarbeiter in wirtschaftlich schwächeren Zeiten halten, ohne dabei noch mehr Kosten zu verursachen?

Bellmann: Mit dem Timeout-Programm haben wir im September Mitarbeitern angeboten, eine drei- bis zwölfmonatige Auszeit bei entsprechend geringerer Vergütung zu nehmen. Bei drei Monaten wird die Hälfte des Bruttogehalts, ab einem halben Jahr 40 Prozent und bei einem Jahr Auszeit noch 20 Prozent gezahlt. Das Programm startete erst als Pilotprojekt, kam aber so gut an, dass wir es nun erheblich mehr Mitarbeitern anbieten wollen. So können wir Personalkosten reduzieren, ohne die Mitarbeiter entlassen zu müssen.

CW: Sind einjährige Sabbaticals tatsächlich eine attraktive Alternative für Ingenieure, die ja fürchten müssen, dass während dieser Zeit ihr Wissen veraltet und sich dadurch ihr Marktwert verschlechtert?

Bellmann: Wir haben gelernt, dass die Drei- oder Sechs-Monats-Varianten am attraktivsten für die Mitarbeiter sind. Wenn sich jemand wirklich für ein einjähriges Sabbatical entscheidet, dann meist deshalb, um diese Zeit gezielt für ein Studium oder eine längere Weiterbildung zu nutzen.

CW: Wie schätzen Sie die Entwicklung des Arbeitsmarktes im nächsten Jahr ein?

Bellmann: In den kommenden Monaten wird die Situation noch schwierig bleiben. Vor allem in unserer Branche ist der Markt volatil, so dass wir über weitere Maßnahmen nachdenken müssen, wie wir unsere Personalkapazitäten jeweils flexibler anpassen können.

CW: Was heißt das für den Mitarbeiter? Muss der künftig viel flexibler werden?

Bellmann: Auf jeden Fall. Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland in den vergangenen Jahren die Bereitschaft, sich auch örtlich zu verändern, zurückgegangen ist. Dank der Konjunktur und der Vielzahl offener Stellen war das auch in den meisten Fällen nicht nötig. Das ändert sich jetzt aber. Örtliche Flexibilität ist auch ein individueller Wettbewerbsvorteil. Inflexibles Verhalten erklärt auch, warum wir trotz Personalabbau noch offene Stellen haben. Ziel ist es, diese Stellen auch möglichst wieder intern zu besetzen.