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Interview mit AS/400-Architekt Frank Soltis


25.08.2000 - 

"Wir pusten die Konkurrenz einfach weg"

MÜNCHEN (CW) - Mit Frank Soltis*, Chief Scientist der AS/400-Abteilung von IBM in Rochester, sprach Michael Vizard, Chefredakteur der CW-Schwesterpublikation "Infoworld".

CW: Die dominierenden Plattformen der Neuen Wirtschaft sind Solaris, Unix und Windows 2000. In traditionellen Brick-and-Mortar-Firmen ist die AS/400 aber immer noch eine wichtige Plattform. Wie entwickelt sich die AS/400 weiter, wenn immer mehr traditionelle Unternehmen E-Business-Anwendungen einsetzen?

SOLTIS: Der gegenwärtig größte Wachstumsmarkt, über den heute jedermann redet, ist Business-to-Business. Und wenn man sich anschaut, was man in solchen Umgebungen für Server braucht, dann sind das Systeme, die jede Menge Transaktionen verkraften. Und genau darum geht es bei der AS/400. Nicht wirklich um Web-Serving nämlich, sondern um eine schwergewichtige Transaktionsplattform.

IBM bietet in diesem Bereich genau zwei Plattformen. Die eine ist der Mainframe, und die andere die AS/400. Dabei sehe ich uns im Vorteil, weil die Installation unserer Systeme im Unternehmen so einfach ist und wir dank geringerem Wartungs- und Verwaltungsaufwand kostengünstiger sind. Genau da positionieren wir die AS/400.

SOLTIS: Genau das passiert bei vielen unserer Kunden. Sie sehen sich die AS/400 an, und sie prüfen die Alternativen im Unix-Umfeld. Anwender gehen sogar teilweise so weit, dass sie ihre Geschäftsprozesse komplett umstellen. Jeder Hersteller da draußen muss immer wieder aufs Neue verkaufen. Man kann sich nicht mehr einfach zurücklehnen und darauf vertrauen, dass man bestimmte Kunden sicher hat, die einem auf ewig treu bleiben.

CW: Wie wirkt sich das E-Business sonst noch auf Server-Plattformen aus?

SOLTIS: Die Anwender nutzen die Gelegenheit zur (Server-)Konsolidierung, vor allem im Backend. Das ist einer der Gründe - aus AS/400-Sicht -, warum wir jetzt ein paar wirklich große Maschinen herausgebracht haben. Wir mussten die Skalierbarkeit einfach vorantreiben, weil es da einen Riesenbedarf gibt. Und eine Menge davon ist Konsolidierung.

CW: Was ist denn heute die größte AS/400?

SOLTIS: Unserer Ansicht nach ist das Spitzenmodell "840" die größte SMP-Maschine (Symmetric Multiprocessor), die die Welt je gebaut hat. Sie ist größer als jeder Mainframe und größer als jede Unix-Box, die ich kenne. Sie schafft rund 2200 Mainframe-MIPS, also ein richtig mächtiges System.

CW: Die meisten Leute sehen die AS/400 noch immer als Client-Server-Plattform. Gibt es da ein Wahrnehmungsproblem?

SOLTIS: Wir wissen, dass wir ein solches Problem hatten und leider auch immer noch haben. Wir wissen aber gleichzeitig, dass wir immer noch viele der echten Geschäfte dieser Welt, wie auch immer man das sehen mag, mit traditionellen Kunden machen, die entweder ihre Systeme modernisieren oder ihre Plattformen aufrüsten. Und genau hier kann die AS/400 ihre Stärken voll ausspielen. Wir hatten mit der AS/400 immer schon ein Problem: sie ist das bestgehütete Geheimnis von IBM. Wenn man nämlich nach draußen geht und mit den Anwendern redet, dann kennen sie die AS/400 sehr gut. Es ist nur der Otto Normalverbraucher auf der Straße, der nicht viel darüber weiß.

CW: Wo manifestieren sich denn die neuen Web-Techniken auf der AS/400?

SOLTIS: Bei allem, was in den vergangenen Jahren wirklich bei IBM passiert ist, lag der Fokus immer auf dem Web, auf Internet und Business-to-Business - das ging teilweise so weit, dass wir alles andere ignoriert haben. Und wenn sie sich dann ansehen, was wir in den letzten Jahren in die AS/400 gepackt haben und noch dazu einige der Dinge, die wir für die Zukunft angekündigt haben, ist klar, worauf wir abzielen: Die "WebSphere"-Produktlinie hält alles zusammen.

CW: Kann die AS/400 mit Unix-Systemen konkurrieren?

SOLTIS: Wir stellen eine 24-Wege-AS/400 hin und pusten eine 64-Wege-Sun einfach weg. Wir haben auch schon angekündigt, dass wir 32 Wege bringen, und das muss noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange sein. Ich will sogar darüber hinaus, auch wenn wir gegenwärtig keine konkreten Pläne dafür in der Schublade haben.

Ich bin der Auffassung, dass ein einziges SMP-System in Sachen Skalierbarkeit immer besser ist als beispielsweise ein Cluster. In einem Cluster muss ich meine Anwendungen verteilen. Ich habe mehrere Instanzen meines Betriebssystems, die ich managen muss. Selbst mit Numa (Non-Uniform Memory Access) muss ich die Applikation noch aufteilen. Aus Geschäftssicht ist das einfach ein höherer Aufwand als bei einem großen SMP-Rechner. Es sollte Sie deswegen nicht überraschen, wenn die größten SMP-Rechner auch weiterhin AS/400 heißen.

CW: Wie passt die AS/400 in die IBM-Hierarchie?

SOLTIS: Ich habe erfreut zur Kenntnis genommen, dass sich IBM wieder einmal reorganisiert hat. Bei IBM machen wir das andauernd, aber zu Beginn dieses Jahres haben wir das anhand unserer Kundenbasis statt entlang der Systemlinien getan. Wir haben IBM in drei Teile geteilt, und auch wenn der Schnitt recht willkürlich war, so macht er doch Sinn. Ein Teil kümmert sich um die 1500 größten Kunden. Wenn man sich die ansieht, dann sind das in der Hauptsache Mainframe-Anwender. Die nächste Gruppe von Kunden außerhalb diese Top 1500 verteilt sich größtenteils auf zwei Plattformen. Die eine ist die AS/400, und die andere sind unsere "Netfinity"-PC-Server. Von der dritten Gruppe reden wir meist als Web-Server, und dort geht es vor allem um unsere Unix-Angebote. Nicht jeder Kunde lässt sich eindeutig einer der drei Gruppen zuordnen, aber das ist die Struktur.

CW: Wie geht es weiter mit der AS/400?

SOLTIS: Einer der Bereiche, in denen IBM enorm investiert hat, ist die Halbleiter-Technik. Wir wollen diese Stärke nutzen und werden innerhalb unserer Produktlinien ein bisschen konsolidieren. In den vergangenen Jahren haben wir vor allem die AS/400-Hardware mit der kommerziellen Seite von RS/6000 vereint. Der wissenschaftliche Teil der RS/6000 Linie ist immer noch eine ganz andere Plattform mit anderen Prozessoren.

Das soll sich nun ändern. Wir werden in den kommenden anderthalb bis zwei Jahren die kommerzielle und die wissenschaftliche Seite verschmelzen. Das heißt, wir werden eine gemeinsame Prozessortechnik und eine gemeinsame Plattform auf beiden Seiten der Linie haben. Wenn ich in ein paar Jahren die kleinste AS/400 hernehme und den Prozessor und die Technik darin anschaue, dann werden das die gleichen Komponenten sein wie in unserem größten Supercomputer à la "RS/6000SP". Das eröffnet uns natürlich ganz neue Möglichkeiten, denn bislang hat man die AS/400 nie als echten Numbercruncher gesehen.

Zur Person*Frank Soltis ist 59 Jahre alt, seit 36 Jahren verheiratet, hat drei Söhne und seit neuestem auch eine Enkeltochter. Er fährt gern Porsche (in örtlichen Clubrennen) und Ski und ist Professor für Computer Engineering an der Universität von Minnesota. Als seinen größten Erfolg nennt er - was sonst - die Entwicklung der AS/400-Architektur; seine größte Herausforderung: der Umgang mit der sich ständig verändernden Riesenorganisation IBM.

AS/400 auf dem Weg zum Universal-ServerWeg vom textbasierten Legacy-Rechner und hin zum multifunktionalen Universal-Server - diese Strategie verfolgen die Entwickler von IBMs AS/400-Plattform nun schon seit einigen Jahren. Von den als proprietär verschrienen Minicomputern vergangener Tage hat sich die "Silverlake" (IBM-Jargon) als einzige Maschine bis heute in nennenswertem Umfang auf dem Markt halten können. Mit dem jüngsten Betriebssystem-Release OS/400, Version 4, Release 5 (V4R5) führt der Hersteller diese Entwicklungslinie fort.

In Zeiten des E-Business soll sich die AS/400 stärker als bisher als mächtiges Backend-System etablieren, und das nicht nur in mittelständischen Betrieben. Insbesondere für Server-Konsolidierungen kommt das System in Frage. Mit V4R5 unterstützen die Rechner nun 24 statt bisher zwölf Partitionen. Für Administratoren bedeutet das mehr Flexibilität. Auch die bereits angekündigte native Unterstützung von Unix-Anwendungen - genauer gesagt AIX - ist im neuen Betriebssystem über das Portable Applications Solutions Environment (Pase) enthalten. Windows-NT-Anwendungen laufen in AS/400-Gehäusen schon länger durch einsteckbare Intel-Boards ("Integrated Netfinity Server" = INS).

Auch in puncto Java-Performance hat die IBM-Plattform Fortschritte gemacht. So erzielte eine AS/400 unter dem neuen Betriebssystem-Release im Java-Benchmark Volano Mark 2.1.2 einen bisher nicht erreichten Spitzenwert. Eine 24-Wege-Konfiguration ("AS/400E Model 840") mit 4 GB Hauptspeicher verarbeitete 108 153 Messages in einer Sekunde bei 200 gleichzeitigen Verbindungen. Zum Vergleich: Sun Microsystems gab beim selben Test für eine 22-Wege-Maschine unter Sun Solaris ("E6500") gerademal ein Viertel dieses Werts an (25 131).

Auch beim Benchmark Specjbb 2000, der als praxisnäherer Java-Test für Geschäftsanwendungen gilt, schnitt eine AS/400 am besten ab. Dabei wird eine Auftragsverarbeitung eines Handelsunternehmens simuliert. Mit 80 348 Rechenoperationen pro Sekunde belegte ebenfalls eine 24-Wege-Konfiguration Platz eins.

Noch deutlicher wird der Leistungssprung der mit Kupferprozessoren und der Silicon-on-Insulator-(SOI-)Technik ausgestatteten Multiprozessor-Server beim anerkannten TPC-C-Benchmark. Mit 152 346 Transaktionen pro Minute (tpmC) ließ das AS/400-Spitzenmodell (24 CPUs) selbst den bis dato härtesten Konkurrenten Sun mit seinem "Enterprise-10 000"-Server (64 CPUs) deutlich hinter sich. Die Kosten liegen mit 59,35 Dollar pro Transaktion ($/tpmC) fast um die Hälfte niedriger als die des Sun-Rechners. Der AS/400-Server ist damit hinsichtlich der Transaktionsverarbeitung derzeit das stärkste nicht geclusterte Server-System.