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26.09.1997 - 

Interview

"Wir setzen momentan alles auf die Netztechnologie"

CW: Netscape zählte seit dem Debüt seines Web-Browsers lan-ge Zeit zu den innovativsten Unternehmen der DV-Branche. Weshalb gibt man sich nun urplötzlich mit so ehrwürdigen Technologien wie Groupware oder Terminplanern ab?

Andreessen: Das, was Sie als altehrwürdig bezeichnen, ist gar nicht so althergebracht. Erst jetzt wird das Thema Networking nämlich richtig populär. Dies liegt hauptsächlich daran, daß etliche Netzwerkstandards, die für eine großflächige Vernetzung erforderlich sind, nun erst feststehen. Wir erwecken diese Spezifikationen zum Leben. Sehen Sie, bislang konnte man innerhalb eines Unternehmensnetzes zwar einen übergreifenden Kalender führen. Die Terminplanung über Unternehmensgrenzen hinweg grenzte hingegen an Utopie. Auch Groupware gibt ein klassisches Beispiel ab: Groupware ist langweilig, wenn sie ausschließlich in einem einzigen Unternehmen genutzt wird. Interessant wird die Technologie hingegen, wenn - etwa während des Designs eines Produkts - sowohl Kunden als auch Zulieferer und Distributoren eigene Ideen und Vorschläge einbringen können.

CW: Was fehlt Netscape noch, um seine Ziele in den neuen Wirkungsfeldern endgültig erreichen zu können?

Andreessen: Wir setzen momentan alles auf die Karte Netzwerktechnologie. Dazu gehören die Segmente Intranet, Internet und Extranet, die immer mehr an Bedeutung gewinnen.

CW: Tanzen Sie da nicht auf zu vielen Hochzeiten?

Andreessen: Nein. Die einzelnen Technologien greifen doch ineinander. Die Voraussetzungen für Intranets hängen stark von den Veränderungen ab, die in Extranets oder dem Internet geschehen. Bald kommt die Zeit, in der Firmen ihre internen Netze so konzipieren, daß sie mühelos und automatisch auch mit denen externer Partner und Kunden gekoppelt werden können.

CW: Netscape hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Partnerschaften mit anderen Unternehmen, hauptsächlich Softwareherstellern, geschlossen. Nach Ihren Ausführungen sollten Sie wohl besser mit Netzwerk-Companies kooperieren, oder?

Andreessen: Ja, das tun wir jetzt auch, obwohl ich noch keine Namen nennen kann.

CW: Was sind die Gründe des Mergers zwischen der Netscape-Tochter Navio Communications Inc. und Oracles Network Computer Inc. (NCI)?

Andreessen: Uns wurde klar, daß wir durch die Kombination NCI-Navio unsere Kräfte bündeln können. Konkret wollen wir die Network Computer (NC) endlich verwirklichen. Nächstes Jahr möchten wir unsere Client-Software in Java umschreiben, so daß der Communicator auf jedem Gerät läuft, auf dem eine Java Virtual Machine eingesetzt wird.

CW: Wie sehen die Entwicklungspläne mit Oracle in den kommenden sechs Monaten aus?

Andreessen: Es handelt sich dabei um eine strategische Partnerschaft rund um den NC. Es liegt in unser beider Interesse, daß NCs so schnell wie möglich Fuß fassen.

CW: Und weiter?

Andreessen: Zunächst existieren einige Bundling-Abkommen. Wir verkaufen bestimmte Konfigurationen unserer Software mit Oracle-Datenbanken. Im Gegenzug bündelt Oracle unseren Navigator mit verschiedenen Konfigurationen seiner Produkte.

CW: Wie sähe eine ideale Partnerschaft mit Oracle Ihrer Ansicht nach aus?

Andreessen: Die ideale Partnerschaft wäre, wenn Oracle uns viel Geld geben und nichts dafür erwarten würde. Wünschenswert wäre auch eine Kombination aus Verkaufs- und Marketing-Kooperation sowie Produktintegration im Großkundengeschäft. Momentan liegt unser Hauptaugenmerk allerdings noch wie gesagt auf dem strategischen NC-Geschäft. Sollte der NC Erfolg haben, wäre das auch ein gewaltiger Erfolg für uns.

CW: Wie beurteilen Sie die Allianz zwischen Microsoft und Cisco?

Andreessen: Ich denke, es war unklug von Cisco, eine derartige Partnerschaft einzugehen. Sobald Microsoft seinen Part erfolgreich beendet hat, läßt es Cisco fallen wie eine heiße Kartoffel. Die Zusammenarbeit soll, soweit ich informiert bin, zwei bis vier Jahre andauern. Bis dahin werden noch etliche Standards geboren.