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26.01.2001 - 

Von Entlassungen ist bei Framfab Deutschland keine Rede

"Wir setzen weiter auf eine starke und hochwertige Expansion"

CW: BKM Online, Mindfact und jetzt Framfab: Innerhalb von zwei Jahren haben Sie zwei Fusionen mitgemacht. Wie hat sich Ihre Firma verändert?

KANDZIOR: Bei BKM Online hatten wir zunächst nur den IT-Fokus, dann kam durch die Fusion mit der Riehl & Pispers Interaktive Medien AG zu Mindfact der Business-Fokus dazu. Das hat sich bei den Mitarbeitern sehr stark bemerkbar gemacht, weil dadurch ein interdisziplinärer Austausch gefördert wurde. In reinen IT-Projekten hat man doch eine sehr eingeschränkte Sichtweise bezüglich des Gesamtprojekts. Heute sprechen wir mit dem Kunden sehr früh über Geschäftsmodelle. Dadurch ist der Einfluss auf die Gesamtstrategie größer, die hinterher implementiert werden muss. Wir halten nichts vom Berateransatz, der eine Strategie liefert, aber nicht berücksichtigt, ob diese überhaupt in absehbarer Zeit implementiert werden kann.

CW: Was hat sich für Sie als Führungskraft verändert? Wo liegen die Unterschiede, einer Firma mit 35 Mitarbeitern oder einer mit 300 vorzustehen?

KANDZIOR: Am Anfang war ich stärker operativ in einzelne Projekte involviert und habe selbst Programme entwickelt. Später habe ich die Projekte geleitet, und mittlerweile habe ich auch die Projektleitung abgegeben und konzentriere mich auf unternehmensstrategische Gesichtspunkte: Welche Technologien sind in zwei Jahren aktuell? Wie müssen wir uns verhalten, um ständig up to date zu sein? Was müssen wir unseren Mitarbeiter bieten, damit die bei uns ein vernünftiges Arbeitsumfeld finden? Gerade im IT-Bereich sollte man nicht nur behaupten, modern zu sein, sondern auch etwas dafür tun.

CW: Vor kurzem sind Sie CEO von Framfab Deutschland geworden. Wo liegt jetzt im Vergleich zu Ihrer vorherigen Funktion als Chief Technology Officer (CTO) der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit?

KANDZIOR: Es ist noch nicht so, dass ich jeden Tag nur noch telefoniere oder in Meetings sitze. Auch die kontinuierliche Beschäftigung mit neuen Themen und Weiterbildung auf einer Management-Ebene ist wichtig.

Ich werde mich weiter um technische Trends und Entwicklungen kümmern. Die Projekte im Internet-Umfeld werden zunehmend komplexer. Man darf den Anschluss zum Geschehen nicht verlieren. Das passiert im Internet so schnell. Vor einem Jahr waren Shop-Lösungen und Communities aktuell, heute geht es um B-to-B, CRM und Portale.

CW: Wie wirkt es sich aus, dass Sie mittlerweile zum schwedischen Internet-Dienstleister Framfab gehören?

KANDZIOR: Die Aufgaben des Einzelnen - das betrifft die Mitarbeiter wie den Vorstand - haben sich erweitert. Zuvor waren es deutschlandweite Projekte. Jetzt können wir einen Kunden auch länderübergreifend betreuen. Wir tauschen uns international über strategische Themen aus wie etwa beim Framfab General Event in Malmö, wo 2000 Mitarbeiter zusammengekommen sind. Auch die Führungskräfte der Niederlassungen in den zehn Ländern treffen sich, um die weltweite Strategie zu besprechen.

CW: Framfab hat in Schweden 340 Mitarbeiter entlassen. Müssen Sie auch in der deutschen Niederlassung die Notbremse ziehen?

KANDZIOR: Wir setzen weiter auf eine starke und hochwertige Expansion in Deutschland. Der deutsche Markt ist der größte in Europa. Nach wie vor bieten sich hier gute Wachstumsaussichten. Natürlich beobachten wir die Marktsituation sehr genau. Unsere internationalen Erfahrungen in Schweden und auch in den USA werden uns dabei helfen, Veränderungen und Trends in Deutschland vorzeitig zu erkennen und entsprechend früher zu reagieren.

CW: Sie sprechen von hochwertiger Expansion. Woher nehmen Sie die gut ausgebildeten IT-Profis, die ja nicht nur Framfab sucht?

KANDZIOR: Wir akzeptieren nicht nur die ausgesprochenen Experten, sondern setzen auch auf eine Art Traineeprogramm für Quereinsteiger. Es soll 18 Monate dauern und einen technischen Fokus haben. In dieser Zeit soll nicht nur die reine Implementierung, sondern auch Wissen um Systemarchitekturen vermittelt werden. Danach soll der Kandidat fähig sein, ins technische Projekt-Management zu gehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Umschüler nicht sofort einsetzbar sind, sondern an die Hand genommen werden müssen. Durch dieses Ausbildungsprogramm wollen wir uns von unseren Mitbewerbern absetzen. Im Programm wird auch eine Projektmethodik vermittelt, die bei Framfab in Deutschland, Schweden oder Frankreich angewendet wird. Gerade Projekt-Manager mit IT-Know-how sind am schwierigsten zu finden.

CW: Wen sehen Sie als Ihre wichtigsten Mitbewerber in Deutschland?

KANDZIOR: Eigentlich ist jeder Mitbewerber, der sich mit IT beschäftigt. Da haben wir die klassischen Internet-Berater wie Pixelpark, Kabel New Media, Sinner Schrader oder die WWL Gruppe. Das sind alles bekannte Namen von börsennotierten Firmen. Ihr einziges Problem ist, dass sie rein deutsche Firmen sind. Wir haben außerdem international operierende Netzwerke wie Marchfirst, Razorfish oder Icon Medialab. Auf der anderen Seite haben wir IT-Berater teilweise als Konkurrenten, teilweise als Partner. Das ist mitunter schwer abzugrenzen. Auch eine IBM behauptet, eine Internet-Firma zu sein.

Als zusätzliche Konkurrenz kommen die Business-Consultants wie McKinsey oder Bosten Consulting. Letztere haben ein Kernproblem: Sie sind sehr spezialisiert. Die haben ein großes Fundament und kleben jetzt Internet drauf. Das gilt auch für die IT-Dienstleister. Bei Framfab verfolgen wir einen sehr starken IT-Fokus. So hat sich Framfab Schweden Anfang 1999 mit dem IT-Dienstleister Guide zusammengeschlossen und 800 reine IT-Mitarbeiter an Bord geholt. Wir wollen uns nicht nur im Frontend-Bereich positionieren, sondern auch das Backend integrieren. Der Reibungsverlust soll möglichst gering sein.

Framfab

Alexander Kandzior arbeitete nach seinem Informatikstudium zunächst beim Forschungsinstitut GMD in Sankt Augustin, bevor er mit Stefan Banse und Michael Muehl die Drei-Mann-GmbH BKM Online gründete. Die Internet-Agentur schloss sich mit der Riehl & Pispers Interaktive Medien AG zur Mindfact Interaktive Medien AG zusammen, im April 2000 trat sie der Framfab-Gruppe bei. Der schwedische Internet-Dienstleister hatte 90 Prozent der Mindfact AG durch Aktientausch im Wert von 112,5 Millionen Mark übernommen.

Mittlerweile arbeiten etwa 300 Beschäftigte für Framfab Deutschland, das seinen Hauptsitz in Frechen bei Köln und Niederlassungen in Hamburg, Nürnberg und Köln hat. Heute ist der 32-Jährige als Chief Executive Officer für die Einbindung der Framfab Deutschland AG in das internationale Unternehmensnetzwerk zuständig und verantwortet den technischen Bereich, den er bisher als Chief Technology Officer leitete.